Umzüge sind eine heikle Sache. Zum Kraftakt werden sie, wenn eine Million Exponate für ein neues Museum ihre Bleibe wechseln. Ohne ICT ist dies kaum zu realisieren.
Blaue, mannshohe Transportboxen stehen im Weg, ein Akkubohrer quietscht, es riecht nach Holz. Ort des Geschehens ist eine weiße Prachtvilla an Hamburgs renommierter Elbchaussee. Sie beinhaltet die weltgrößte Privatsammlung maritimer Kostbarkeiten. In 72 Jahren hat der einstige Springer-Vorstandschef Peter Tamm mehr als eine Million Exponate wie Schiffsmodelle, Gemälde, Postkarten und Konstruktionspläne zusammengetragen. All dies soll nun eine Bleibe im neuen Internationalen Maritimen Museum in Hamburgs Hafencity finden. Direkt an der Elbe.
Lückenlose Informationen
Noch wird eingepackt. „Seit Mai 2007 sind wir dabei“, erklärt Sven Fischer, Projektmanager des Logistikunternehmens Schenker, das den Umzug organisiert. Damit jedes Ausstellungsstück in der richtigen Vitrine landet, kommt moderne Logistik-Technik auf RFID-Basis zum Einsatz. Innerhalb von acht Wochen standen nach Auftragsvergabe an T-Systems Software und Hardware bereit. Alle Objekte und Transportkisten erhalten ein 5,4 mal 8,5 Zentimeter großes Funketikett, und eine Oracle-Datenbank hält Objektbeschreibung und Transportstatus fest. Dafür passieren die Exponate ein Aluminiumtor mit vier Antennen, wenn sie auf den LKW verladen werden. „Wenn nun ein RFID-Tag in den Bereich des Gates kommt, wird er mit Energie versorgt und sendet seine Daten“, erklärt Christian Schwöbel, Senior Consultant von T-Systems, die automatische und berührungslose Datenerfassung. Ein Laptop zeigt dann die Nummer der Transporteinheit sowie eine Liste aller enthaltenen Ausstellungsstücke an, die nun den Status „Transport“ tragen. Per UMTS gehen die Daten zur Datenbank nach Frankfurt. Somit sind alle relevanten Informationen für das Logistik-Unternehmen zentral abrufbar.
Flexibel für alle Fälle
Die Technik funktioniert auch umgekehrt. Fischer: „Solch ein Gate haben wir noch einmal im Kaispeicher. Wenn der LKW entladen wird, schieben wir die Transportkiste wieder hindurch, so dass wir die Sicherheit haben, dass es hier raus ist und dort wieder angekommen ist.“ Objekte, die für das Gate zu groß sind, lassen sich zusätzlich mit Handheld-Geräten erfassen. Dank einer eingesetzten Mobilfunkkarte gelangen auch ihre Daten mittels GPRS in die Datenbank. „Der Umzug wäre ohne RFID und ohne die speziell für den Umzug konzipierte Software nur mit sehr viel Mehraufwand machbar gewesen“, sagt Fischer und verweist auf das kleine Team, das das Projekt dank der automatischen Erfassung lediglich zu viert abwickeln kann.
Selbst wenn der Umzug abgeschlossen ist, haben die RFID-Chips noch nicht ausgedient. Da die Etiketten nach dem Umzug an den Objekten bleiben, könnte es individuelle, auf die Exponate abgestimmte Audio-Touren geben. Doch bis es soweit ist, fährt sicher noch so manch Umzugswagen an der Elbe zur Hafencity.
Lesen Sie in der Print-Ausgabe von Best Pratice den ausführlichen Beitrag zum Museumsumzug und zu weiteren RFID-Lösungen bei Schenker.