Herr Clemens, Sie blicken auf eine erfolgreiche Karriere bei IBM und EDS zurück. Was hat Sie gereizt, nun im Vorstand der Deutschen Telekom das Steuer von T-Systems zu übernehmen?
Ich habe gar nicht lange überlegt, als man mich letzten Sommer gefragt hat. Dabei habe ich nicht unbedingt an das Dax-Unternehmen Deutsche Telekom gedacht. Es war T-Systems selbst, was mich gereizt hat. Ich habe das Unternehmen sehr intensiv während meiner Zeit bei IBM kennengelernt – und zwar als sehr schlagkräftigen Wettbewerber, gegen den man damals zugegebenermaßen so manchen „fight“ verloren hat. Und nach den ersten Gesprächen mit Kunden und Mitarbeitern bin ich davon überzeugt, dass auch heute noch ein sehr starkes und erfolgreiches Unternehmen ist. Und ganz entscheidend: T-Systems ist strategisch der Geschäftskunden-Arm der Deutschen Telekom, und der gesamte Vorstand steht zu T-Systems. Das heißt konkret: Wir haben wieder neue Stoßkraft – jetzt werden wir etwas daraus machen!
Wie ist Ihr Eindruck nach den ersten 100 Tagen?
Was ich von unseren Kunden höre, ist, dass wir einen guten Job machen. Natürlich läuft nicht alles perfekt. Aber der Grundtenor in meinen ersten Kundengesprächen war: Wir haben sehr gute Leute, wir haben sehr hohe Kompetenz. Wir arbeiten Themen sorgfältig und sauber ab. Und wie sich im Dialog nach innen gezeigt hat: Wir haben viele hervorragende Mitarbeiter, die die Veränderung und den Erfolg wollen. Das ist wiederum für mich persönlich auch eine große Motivation, das Unternehmen voranzubringen.
Wie wollen Sie T-Systems aufstellen?
Es gibt eine klare Entscheidung: ist strategischer Bestandteil der Telekom, der Geschäftskundenbereich kann, nein, er muss wachsen! Das habe ich mir persönlich auf die Fahne geschrieben. Ich bin von dem Trend überzeugt, dass IT und TK weiter zusammenwachsen. IP-Netze, Netze also auf Basis des Internetprotokolls, beschleunigen diesen Trend. Rechenzentrumsleistung nach Bedarf, Themen wie Dynamic Services werden immer wichtiger. Deshalb stellen wir uns als netzzentrierter ICT-Dienstleister auf.
Wie wollen Sie wachsen?
In Deutschland sind wir bereits Marktführer, darum müssen wir insbesondere im Ausland wachsen. Und zwar als europäischer ICT-Dienstleister. Der europäische Markt, das habe ich in vielen Kundengesprächen gelernt, möchte auch einen europäischen Dienstleister. Ich habe ja nun sehr lange für amerikanische Unternehmen gearbeitet und dabei festgestellt, dass diese nicht unbedingt Europa insgesamt im Fokus haben. Für Unternehmen in Deutschland und Europa bedeutet dies, dass sie es sehr zu schätzen wissen, mit einem europäischen ICT-Dienstleister wie uns Geschäfte zu machen, auf der Basis einer gemeinsamen europäischen Kultur.
Wo werden Sie den Hebel zuerst ansetzen?
Ich glaube, wir müssen unser Geschäft fundamental vereinfachen. Und fundamental vereinfachen heißt, die richtigen Sachen machen, sehr fokussiert vorgehen, Qualität nach vorn treiben. Wir müssen auch für unsere Kunden transparenter werden. Außerdem müssen wir die Profitabilität im Auge behalten. Wir sind mit 12 Milliarden Euro Umsatz ein Keyplayer im ICT-Markt, 60 multinationale Konzerne gehören zu unseren Kunden, und den Mittelstand betreuen wir flächendeckend in ganz Deutschland. Aber wir müssen weiter wachsen!
Welche Rolle spielen dabei der Technologiewandel hin zum Internetprotokoll und andere Innovationen?
Beim Thema IP sind wir ganz vorn dabei. Wir treiben dieses Thema, weil es unseren Kunden massive Vorteile bietet. Denn IP hängt eng mit dem Trend zu mehr Mobilität zusammen. Immer mehr Mitarbeiter von Unternehmen sind häufiger unterwegs bei ihren Kunden als an ihrem Schreibtisch. Das bedeutet aber, dass Kommunikation und Datenverkehr bruchlos funktionieren, dass Unternehmensapplikationen auch unterwegs zu nutzen sein müssen. Das geht logischerweise am besten über ein einheitliches Netz. Neu ist, dass IP nicht nur bei unseren Großkunden, sondern immer mehr im Mittelstand nachgefragt wird. Und über kurz oder lang auch für Endverbraucher eine immer größere Rolle spielen wird. Deshalb rüsten wir unsere IP-Kompetenz massiv auf. Mit IP wachsen IT und TK zusammen, und im Unterschied zu anderen Anbietern haben wir die notwendigen IT- und TK-Kompetenzen bereits unter einem Dach. Und welche Innovationskraft wir im Verbund der Deutschen Telekom insgesamt entwickeln, das zeigt ja sich sehr anschaulich an den vielen Projekten, die wir beispielsweise in der T-City Friedrichshafen umsetzen. Auf der Basis der umfassenden Breitbandvernetzung entstehen sehr zukunftsträchtige Lösungen zum Beispiel für das Gesundheitswesen, unser Bildungssystem oder eine effiziente Verwaltung.
Was haben die Kunden von all dem?
Kundenorientierung ist ein wichtiges Thema für mich. Jede Innovation, aber auch unsere Struktur muss letztlich dem Kunden nutzen. Natürlich hat dabei der Mittelstand andere Bedürfnisse als unsere Großkunden. Hier ist ein Mix gefragt von lokaler Betreuung und einer unter Umständen globalen Reichweite. Dort geht es um sehr individuelle Lösungen mit selbstverständlicher internationaler Delivery-Fähigkeit. Wir stellen uns entsprechend auf, denn am Ende möchte ich „referenzierbare“ Kunden haben. Es ist doch das beste Marketing, wenn Kunden sagen, T-Systems macht einen tollen Job. Ich möchte Kunden, die loyal zu uns sind, die Verträge verlängern, weil sie einfach sehen, dass wir ihnen einen echten Nutzen bringen. Daran werden wir arbeiten, und daran werden wir uns messen lassen. Und ich weiß, dass wir bei T-Systems die notwendigen Fähigkeiten haben.