Ein paar Banalitäten vorweg: Klassische Telefonie stirbt gerade aus. Fest- und Mobilnetz konvergieren. Und immer mehr Maschinen reden mit Maschinen. Wer angesichts dieser Tatsachen die Reichweite des Internetprotokolls klein redet, wird noch böse überrascht. Der Netzwerkausstatter Cisco rechnet damit, dass 20 amerikanische Haushalte im Jahr 2010 so viel Datenverkehr erzeugen wie 1995 das gesamte Internet. Dieses Wachstum hat für Unternehmen vor allem drei Konsequenzen:
1. Mitarbeiter erwarten mehr bewegte Bilder
Das klingt wie ein unbedeutendes Detail, ist es aber nicht: Wenn sich Nutzer über das Internetprotokoll ganze Spielfilme beschaffen oder sich die Nachrichten vorlesen lassen, dann werden sie in Zukunft auch bewegte Bilder von dem Unternehmen erwarten, für das sie arbeiten. Eine gewöhnliche E-Mail oder ein Anruf vom Vorgesetzten wird sie nicht mehr motivieren. Die technische Machbarkeit setzt die Unternehmen inhaltlich unter Druck: Wenn der Vorstand über IP-TV erklären kann, von wem er warum mehr Umsatz erwartet oder wie der neue Strategiewechsel aussieht, dann muss er es auch tun. Wichtige Botschaften nicht mit Bildern zu untermauern, heißt in Zukunft, sie nicht ganz ernst zu meinen („The medium is the message“).
2. Mitarbeiter erwarten Daten überall
Verfügbarkeit wirkt wie eine Droge: Wer im Homeoffice sitzt oder als Vertriebler unterwegs ist, geht in Zukunft davon aus, dass er die gleichen Informationen mit der gleichen Geschwindigkeit erhält wie alle anderen Kollegen. „Need for speed“ gewinnt dabei eine neue Bedeutung. Wer von München nach Frankfurt reist, wird auf den Flieger verzichten, weil er in den drei Stunden und vierzehn Minuten im ICE durchgängig auf das Internet zugreifen kann. Hotspots werden keine vereinzelten Punkte bleiben.
3. IP wird für Intellectual Property stehen
Das Internetprotokoll wird allgegenwärtig. Bilder, Sprache oder andere Datenpakete werden so selbstverständlich über IP verschickt wie Strom als Wechselspannung mit 220 Volt. Das heißt, nur noch Techniker werden die Abkürzung IP in diesem Sinn benutzen. Alle anderen werden mit IP „Intellectual Property“ meinen, denn das ist die eigentliche Herausforderung für Firmen im Internetzeitalter: Wie schützen sie ihr geistiges Eigentum in einer vernetzten Welt, in der ein Teil der östlichen Hälfte Kopieren als Kunst und Ehrerbietung versteht?