Kunststadt Mailand

Die norditalienische Metropole schillert zwischen cooler Mode und künstlerischer Moderne.
Mit Mailand und der Kunst verhält es sich wie mit Renzo und Lucia, den beiden Verlobten aus dem wichtigsten Roman der italienischen Literaturgeschichte, „Die Brautleute“. Renzo und Lucia können sich lange nicht finden. Italiens Dichterfürst Alessandro Manzoni (1785-1873) schrieb diese – von Goethes Fürsprache geadelte – Liebesgeschichte mit Hindernissen über Hunderte von Romanseiten – um sie schließlich doch noch zu einem Happy End zu bringen.
1,3 Millionen Einwohner hat die Stadt. Wie ein Moloch liegt sie in der Po-Ebene. In Mailand „verliebte sich die Kunst in die Industrie“, schrieb Giò Ponti, Architekt und Vater der Mailänder Moderne. Die Verbindung ist fruchtbar: Von Alfa Romeo bis Pirelli, von Olivetti bis Missoni und Fiorucci – viele großen italienischen Marken haben hier ihre Wurzeln.
Zweimal im Jahr droht Mailand überzukochen. Im März und September überschwemmen Tausende die Stadt, um die „Settimana della Moda“ zu erleben. Die Prêt-à-Porter-Schauen sind neben den Pariser Laufsteg-Events die wichtigsten der Modewelt. Ihr Zauber ist zwar immer schnell vorbei, doch er scheint auf die Mailänder abzufärben: Sie gelten als die bestangezogenen Großstädter Europas.
Trotz aller urbaner Hektik finden sich in Mailand Oasen der Ruhe. In den Boutiquen und Läden im angesagten Brera-Quartier nimmt man sich Zeit. Die kleine Oase liegt im Zentrum Mailands, gleich hinter der Scala. Wer auf der Suche nach ausgefallenen Accessoires oder Antiquitäten ist, kann leicht fündig werden. Charmant ist das Viertel auch wegen seiner kulinarischen Verführungen. Düfte lauern an jeder Ecke. Bars laden zum Kaffee oder Aperitif ein, und traditionsreiche Gelaterie bieten exotische Eissorten.
Der wahre Luxus in Mailand ist Zeit. Muße zu haben für einen morgendlichen Besuch des Doms „Santa Maria Nascente“, wenn seine gleißend hellen Wasserspeier und Zinnen leuchten und im Innenraum nur eine Handvoll Besucher zur Andacht sitzen. Dann lohnt sich die Mühe eines Aufstiegs, um von der Dachterrasse den fantastischen Blick bis zu den Alpen zu genießen.
Zwei neue Adressen wiederspiegeln die neue glückliche Verbindung der Stadt zur künstlerischen Moderne. Die Fabrikhalle „Hangar Bicocca“ beherbergt u. a. die monumentalen „Sieben Himmelspaläste“ von Anselm Kiefer. Außerdem existieren seit September 2005 die neuen Ausstellungsräume der „Fondazione Arnaldo Pomodoro“ mit abstrakter Kunst.
Auch Architekten und Designer flirten in Mailand weiter mit der Kunst. Das gerade eröffnete Design Museum der Triennale widmet sich auch Designverwandten Genres von Graphik bis Film. Und Star-Architekt Renzo Piano baut gleich ein ganzes Stadtviertel: Die Città della Moda (Stadt der Mode) soll die florierende Branche mit Hochhäusern und Parks anlocken.
Die schönsten Cafés, die coolsten Boutiquen, die besten Restaurants – in der gedruckten Ausgabe von Best Practice finden Sie die entscheidenden Tipps für einen gelungenen Aufenthalt in Mailand.