T-Systems Logo

Ihre Suche

Ihre Suche

Zitat

„Unternehmen können quer durch Zeit und Raum auf Daten und Ereignisse zugreifen und sie im Zusammenhang darstellen.“
Nova Spivack,
Erfinder von Live Matrix

Leben in der Matrix

Web-Vordenker und Serienunternehmer Nova Spivack glaubt, die intelligente Suche hat erst begonnen. Mit seinen eigenen Start-Ups exerziert er vor, wie Verbraucher und Unternehmen Informationen aus dem Web fischen werden.
Eine Woche vor seiner Hochzeitsfeier in den Weinbergen des Napa Valley beschäftigt sich Nova Spivack nicht mit Tischkarten oder Gestecken, sondern gibt sich in Austin/Texas seiner Lieblingsbeschäftigung hin – laut über die Zukunft des intelligenten Webs nachzudenken. Der Serienunternehmer aus San Francisco hat sich unter die mehreren tausend Technologen, Gründer, Venture Kapitalisten, Künstler, Musiker und Designer gemischt, die in diesen Frühlingstagen die alljährliche Konferenz ‚South by Southwest‘ zur ersten Adresse für neue Ideen rund um die Informationsgesellschaft machen. Der Microblogging-Dienst Twitter etwa schaffte hier, in Austin vor zwei Jahren seinen Durchbruch zum Massenphänomen.
Einem kleinen Kreis ausgewählter Technik-Tüftler gewährt Spivack in diesem Jahr Einblick in seine neueste Unternehmung: Live Matrix heißt seine Suchmaschine, die das Web von Morgen durchkämmt. “Es geht nicht darum, Ereignisse der Vergangenheit zu finden”, erklärt Spivack im fast ungeduldigen Staccato des Erfinders, dessen Gedanken den Fragen seiner Gesprächspartner immer um eine Nasenlänge voraus sind. “Mit einem Dienst wie LiveMatrix kann man das Web nach Ereignissen sortieren, die jetzt oder erst in der Zukunft passieren. Vergiss´ die Frage, wo eine alte Datei oder ein alter Link ist – die Zeitachse ist mindestens genauso wichtig!”
Nicht ohne Grund ist der Mitbegründer von Spivacks neuer Firma ein ehemaliger Manager des interaktiven Programmführers TV Guide: Live Matrix sieht ein bisschen wie ein Fernsehprogramm aus, denn es stellt das Internet als dynamisches Raster aus Terminen dar, die den jeweiligen Nutzer interessieren: Sendungen, Veranstaltungen, Online-Seminare und Webcasts, selbst Versteigerungen oder Konferenzschaltungen. “Unser System beobachtet lernt, was wichtig ist und erlaubt eine völlig neue Art der Suche, die menschlichen Vorlieben entgegen kommt”, erklärt der 41-jährige, während er sich über seinen Laptop beugt und fieberhaft hin und her klickt.
Mit der Navigation im immer weiter ausufernden Datenmeer kennt sich Spivack bestens aus. Der Enkel des Management-Gurus Peter Drucker – der den Begriff “Wissensarbeiter” prägte – befasst sich seit den 90er Jahren mit der Frage, wie künstliche Intelligenz (kurz AI) die Suche nach relevanten Informationen besser und präziser machen kann. Unter anderem arbeitete er für den Technologie-Visionär Ray Kurzweil und an einer lernfähigen Suchmaschine des legendären Pentagon-Ablegers DARPA, bevor er sich auf das Gebiet der semantischen Suche vorwagte.
“Dabei geht es um Suchmaschinen, die ein tieferes Verständnis für die Bedeutung von Informationen besitzen”, sagt Spivack. “Stichwort-Suche funktioniert nur, wenn man die Begriffe weiß, nach denen man sucht, und wenn genau diese Wörter in einem Dokument vorkommen. Semantische Suche versteht eine Frage wie ein menschliches Gegenüber, auch wenn man nicht explizit danach fragt.” Solche künstlichen Archivare verstehen zum Beispiel, was eine Person, was ein Ort oder ein börsennotiertes Unternehmen ist, und wie diese Objekte miteinander in Beziehung stehen.
Diese Art der intelligenten Informationsbeschaffung, verspricht Spivack, sei insbesondere für Unternehmen hilfreich, für die Datamining eine zunehmende Herausforderung darstellt und deren Mitarbeiter auf eine ganze Reihe unterschiedlicher Quellen zugreifen: “Ein Server hier, eine Datenbank da, e-Mail, alte Programme, die auf großen Mainframes laufen, externe Webdienste. Semantik kann eine Anfrage über all diese Quellen streuen und daraus wie selbstständig ein komplettes Dossier anlegen. Das macht das Wissen in einer Firma für jeden einzelnen Mitarbeiter zugänglicher, und es kann extrem nützlich für den Kundendienst oder die Kundenpflege sein.”