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Blickwinkel

Big-Data-Analyse: mit Vernetzung Erfolg

27.10.2016

Big-Data-Analyse ist auch für den Erfolg in IoT und Industrie 4.0 entscheidend. Allerdings: Studien zeigen, dass bei Industrieunternehmen in puncto Sicherheit und Vernetzung Nachholbedarf besteht.
Big-Data-Analyse: Vernetzung und IT-Sicherheit machen den Erfolg für Unternehmen aus.
Big-Data-Analyse ist immer auch ein Stück weit eine Wette auf die Zukunft. Und mitunter sind es recht kühne Prognosen, die darauf basierende gigantische Umsätze hochrechnen oder hippe Geschäftsmodelle voraussagen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lässt sich jedoch feststellen, dass das IoT und die Industrie 4.0 zu den bedeutendsten Big-Data-Erzeugern wachsen werden. Indes: Erzeugung von Daten ist das eine, gewinnbringende Auswertung das andere. Voraussetzung für durchgängige Big-Data-Funktionalitäten ist dabei eine leistungsstarke ICT-Infrastruktur. Und genau hier haben viele Unternehmen laut einer aktuellen PAC-Studie zum IoT-Reifegrad in Deutschland Nachholbedarf.  Zögerlich bei der Digitalisierung seien Unternehmen vor allem aufgrund von Sicherheitsbedenken, so die Analysten.
Die gute Nachricht: Die Industrie – allen voran die traditionell sehr innovationsoffenen Automobilisten – hat grundsätzlich den Wert der Methodik erkannt. „Insbesondere den Industriebranchen Maschinen- und Anlagenbau sowie Automobilbau gelingt es, einen konkreten Nutzen aus Datenanalysen zu erzielen“, äußern sich die Consultants der KPMG in ihrer neuesten Erhebung zum Thema. Das Management dieser Branchen sammelt und analysiert demnach vornehmlich im Rahmen von Industrie-4.0-Lösungen systemisch erstellte Daten wie Sensordaten und Standortdaten. Diese werden in erster Linie dann dazu genutzt, Produktionsplanung und Produktionssystemüberwachung zu optimieren. „Das Auto ist eine gigantische Datengenerierungsmaschine. Die intelligente Verknüpfung und Analyse von Massendaten wird daher zukünftig neben der technischen Ingenieurskunst eine essenzielle Kernkompetenz innovativer Automobilunternehmen sein“, sagt dazu KPMG-Auto-Experte Dieter Becker.

Neues Paradigma in der Autobranche nur durch Vernetzung

Warum gerade diese Unternehmen so engagiert sind bei dem Thema, wissen die Fachleute des Fraunhofer-Instituts. So erwarte die Fahrzeugbranche immer mehr den Trend hin zum „total individualisierten Produkt“. Diese „Stückzahl eins“ bedeutete jedoch einen Paradigmenwechsel in der Automobilindustrie. Wo bisher auf Skaleneffekte Wert gelegt wurde, um den Preis zu senken, müssten nun völlig neue Prozesse von der Entwicklung über die Produktion bis zum Vertrieb aufgesetzt werden. Allerdings: „In der Vergangenheit scheiterten Versuche, den Autokunden in den Mittelpunkt zu stellen, oft an der fehlenden Daten- und Kommunikationsplattform“, so die Fraunhofer-Experten weiter. Das heißt: Die Datenbanken waren nicht nur intern auf verschiedene Silos wie Entwicklung, Produktion und Vertrieb verteilt, sondern auch auf freie Händler und die Autobanken. Kurz und gut: Es herrscht noch deutlicher Nachholbedarf beim Vernetzungsgrad in der Auswertung der Daten. Das konstatiert ebenfalls KPMG-Manager Becker. Verhaltensbezogene Fahrzeug- und Kundendaten werden demnach in Zukunft der Garant für nachhaltige Umsatzströme sein. Es werde entscheidend für erfolgreiche Auswertungen sein, sowohl fahrzeug- und umfeldbezogene Upstream-Daten (generiert vom Fahrzeug) als auch kundenbezogene Downstream-Daten (generiert von den Insassen) intelligent miteinander zu verknüpfen, um den Herausforderungen eines multimobilen und multivernetzten Zeitalters gerecht werden zu können.

Selbstlernendes System weiss, was der Kunde will

Wie diese Vernetzung zukünftig in der Praxis aussehen kann, zeigt etwa der neue Lifestyle-Konfigurator (LSK) von Mercedes-Benz: ein Echtzeit-Empfehlungssystem, das speziell auf die Bedürfnisse der Automobilbrache zugeschnitten ist. Diese Lösung haben Berylls Strategy Advisors zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme und den Consultants von Nolte & Lauth entwickelt. Der LSK berücksichtigt mehrere hunderttausend mögliche Fahrzeugkonfigurationen, individuell pro Kunde, und eine Vielzahl weiterer Parameter. Das selbstlernende System liefert auf diese Weise nicht nur passgenaue Empfehlungen, sondern wird mit zunehmender Nutzungsdauer immer intelligenter. Es lernt dazu.

Ohne IT Security keine Erfolg

Branchenübergreifend macht allerdings ein weiterer Lernbedarf immer noch Sorge. Denn obwohl die Unternehmen hinsichtlich ihrer Analytics-Tools offensichtlich massiv aufgeholt und entsprechende Lösungen schon einen bestimmten Reifegrad haben, hinkt die Absicherung weiterhin hinterher. Das heißt, die Diskussion um die Sicherheit eben dieser neuen Netze muss verstärkt werden. Die Analysten von Gartner gehen bis zum Jahr 2020 weltweit von 21 Milliarden IoT-Geräten aus. Und um auf Angriffe über IoT-Geräte vorbereitet zu sein, sollten Unternehmen ihre Netzwerkzugangsrichtlinien dringend aktualisieren. Rund sechs Prozent dieser Geräte, schätzen die Consultants, werden auf den Einsatz in der Industrie entfallen. Schwierigkeiten gebe es für das Management aber immer noch bei der Identifizierung dieser vernetzten Sensoren und Maschinen und der entsprechenden Kennzeichnung in den eigenen Netzwerkzugangsrichtlinien.
Bereits Ende des vergangenen Jahres argumentierten die Fachleute von IDC in eine ähnliche Richtung: „Die Sicherheitsvorfälle im Produktionsumfeld sind bereits heute alarmierend und erfordern umgehendes Handeln und ausgereiftere Lösungen und Konzepte.“ Mehr als die Hälfte Fertigungsbetriebe hätte demnach bereits einen Fremdzugriff feststellen müssen. Und mit steigender Größe der Unternehmen rückten sie öfter in das Fadenkreuz von Cyber-Kriminellen. Gerade bei der Umsetzung einer intelligenten und vernetzten Fertigung müsse die Gewährleistung von IT-Sicherheit und Compliance deshalb eine Schlüsselrolle einnehmen. „Die Sicherheitsbedenken im Hinblick auf Industrie 4.0 beruhen nicht nur auf ‚German Angst‘, sondern sind ein echtes Problem“, warnte IDC-Experte Mark Alexander Schulte. „Entscheidungsträger müssen hier dringend handeln. Sollten Lösungen und Konzepte nicht adäquat umgesetzt werden, wird die IT-Sicherheit zum Show-Stopper für Industrie-4.0-Projekte“ – und somit auch für den Umsatz durch Analytics.
Fazit: Offensichtlich erkennt die Industrie bereits die Segnungen der Big-Data-Analyse in IoT und Industrie 4.0 und spinnt fleißig an effektiven Netzen dafür. Diese müssen aber deutlich engmaschiger werden, damit kein schlechter „Beifang“ mit an Bord kommt.