Transformation in die Cloud - welche Cloud darf es sein?
Blickwinkel Netze der Zukunft

SIP-Trunk entlastet TK- und IT-Abteilung

16.12.2016

All-IP revolutioniert die Art und Weise, wie Unternehmen Telefonie-Infrastruktur betreiben. Mit SIP-Trunks können sie ihre Gesprächskapazitäten erstmals beliebig anpassen.
Beim SIP-Trunk können Unternehmen ihre Gesprächskapazitäten beliebig skalieren.
Die Qual der Wahl hatten Unternehmen bei ISDN nicht. Es gab nur zwei Möglichkeiten, zwischen denen sie sich bei einem neuen Netzanschluss entscheiden konnten: Basisanschluss mit zwei Nutzkanälen (B-Kanälen) pro Kupferdoppelader oder Primärmultiplexanschluss mit 30 Nutzkanälen. Die Nachteile: Wuchs ein Unternehmen und benötigte 18 weitere Kanäle, wählte es den Primärmultiplexanschluss. Denn der kostete weniger als neun Basisanschlüsse. Und das, obwohl er eigentlich überdimensioniert war. Zudem musste für den neuen Anschluss ein Techniker kommen, um Kabel zu verlegen und das Netzabschlussgerät (NTPM) zu installieren.

Online skalieren

Mit All-IP wird es für TK- und IT-Abteilungen einfacher, Sprachkanäle bereitzustellen. Zwar gibt es auch SIP-Anschlüsse, die ähnlich wie ein Mehrgeräteanschluss nur wenige Nutzkanäle bieten. Doch IP-Anlagenanschlüsse, sogenannte „SIP-Trunks“, stellen eine variable Anzahl an Sprachkanälen bereit – ohne, dass ein neues Netzabschlussgerät oder neue Kabel verlegt werden müssen. Unternehmen buchen neue Kanäle einfach online hinzu und bezahlen nur so viele, wie sie brauchen. Dank der Vectoring-Technologie lassen sich über eine Kupferdoppelader sogar bis zu 164 parallele Gespräche bei garantierter Qualität übertragen. Wie viele Kanäle insgesamt an einem Unternehmensstandort bereitstehen, wird nur davon begrenzt, wie viel Bandbreite dort zur Verfügung steht. Diese kann sich von Standort zu Standort unterscheiden.
Unternehmen sollten mit ihrem Anbieter klären, welche Rufnummernarten (Mehrgeräte- oder Anlagenrufnummern) sie von den ISDN-Anschlüssen auf entsprechende SIP-Anschlüsse übernehmen können. Nicht möglich ist es zum Beispiel, die Rufnummern von Mehrgeräte- und Anlagenanschlüssen gemeinsam auf einen lokalen SIP-Trunk zu portieren. Auch Primärmultiplexanschlüsse, die mit jeweils eigenen Rufnummernblöcken – statt einem gemeinsamen – arbeiten, lassen sich nicht inklusive der Nummern in einen lokalen SIP-Trunk überführen. Für solche Konstellationen müssten Unternehmen verschiedene SIP-Trunks vor Ort installieren. Oder sie setzen auf einen zentralen SIP-Trunk, denn der kann alle Rufnummern übernehmen (mehr dazu im nächsten Beitrag).

IP-kompatible Sonderdienste

Einer der wichtigsten Schritte bei der Umstellung auf einen SIP-Anschluss ist, zu klären, welche Telekommunikationsanschlüsse ein Unternehmen besitzt und welche Anwendungen diese nutzen. Denn mitunter greifen auch Geräte und Sonderdienste auf die Anschlüsse zu, die ohne weitere technische Änderungen nicht IP-kompatibel sind. Bei Alarmanlagen etwa muss die Schnittstelle zwischen Anwender und Wachdienst oft umgerüstet werden, um weiterhin ein Identifizierungssignal übertragen zu können. Oder es bleibt, falls möglich, der analoge Anschluss bestehen – und die IP-Plattform arbeitet im Hintergrund.

Neues Design für das lokale Telefonnetz

Viele große Unternehmen setzen in ihren Standortnetzen längst auf Voice over IP (VoIP) über die bestehende LAN-Infrastruktur. Kleinere und mittlere Unternehmen arbeiten teilweise noch mit einer eigenen Verkabelung für Telefonie. Zwar lassen sich auch alte, nicht IP-fähige Infrastrukturen mit einem zwischengeschalteten Media-Gateway am SIP-Anschluss nutzen. Es lohnt sich aber, bei der Umstellung auf SIP-Anschlüsse gleich auch eine IP-Telefonanlage und IP-fähige Telefone anzuschaffen oder auf eine Cloud-Lösung zu setzen. Denn dann funktioniert die Telefonie – wie alle anderen Anwendungen auch – über das LAN. Das Unternehmen betreibt nur noch ein lokales Netzwerk anstatt zwei.
Zudem konfiguriert die TK- und IT-Abteilung über die VoIP-Technologie alle damit verbundenen Endgeräte und Funktionen zentral und online. Und wenn ein Mitarbeiter den Sitzplatz wechselt, nimmt er das Telefon einfach mit und stöpselt es selbst wieder an. Denn der Empfänger wird über das Telefon oder eine PIN automatisch ermittelt und erhält seine Anrufe im geswitchten LAN an jedem beliebigen Ethernet-Stecker. Bisher war für solche Umzüge ein Techniker nötig, weil jede Nebenstelle eine spezifische Telefonleitung bzw. Anschlussbuchse (TAE) zugeordnet hatte.

Telefone sind nur noch Software

Alternativ schaffen Unternehmen Desktoptelefone komplett ab und setzen auf Telefonie-Apps, sogenannte „Softphones“. Erstens sparen sie damit die Kosten für neue IP-Telefone. Und zweitens müssen sie sich nicht um die Stromversorgung der neuen Telefone kümmern. Denn bisher wurden die Geräte über die Telefonkabel mit Strom versorgt, IP-Desktop-Telefone aber benötigen entweder ein eigenes Stromkabel oder beziehen ihre Energie über das Netzwerkkabel (Power over Ethernet, PoE). Diese Technologie erfordert allerdings PoE-fähige Switche im LAN. Eine Investition, die manchem Unternehmen zu teuer ist.
Softphones machen einen der wichtigsten Vorteile von All-IP greifbar: die Trennung der Dienste von der Netz-Physik. Wie E-Mails, Videokonferenzen und Instant Messaging läuft nun auch die Telefonie als Anwendung auf einem Rechner und nutzt dessen vorhandenen Netzwerkanschluss. Statt wuchtiger Desktoptelefone nutzen die Mitarbeiter Headsets.

Noch weiter gedacht

Wer VoIP im LAN und SIP-Anschlüsse des Carriers nutzt, kann Telefonie nicht nur an einzelnen Standorten einfacher planen und bereitstellen. Für Unternehmen mit mehreren Standorten steht eine weitere Revolution ins Haus: die Zentralisierung der Telefonie. Lesen Sie mehr darüber im nächsten Beitrag im Blickwinkel „Netze der Zukunft“.