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Cloud Computing

Heiter bis wolkig: eine (Multi-)Cloud für alle Fälle

17.05.2019

Flexibilität ist heute der Schlüssel zum Erfolg. Die sich teilweise rasant ändernden Anforderungen externer und interner Kunden sowie die immer schneller voranschreitende digitale Transformation erfordern eine rasche Reaktion, wenn ein Unternehmen am Markt bestehen bleiben will. Eine agile IT wird zum kritischen Erfolgsfaktor, die Möglichkeit, große Datenmengen zu speichern und den richtigen Services zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen, zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Viele Unternehmen setzen daher auf Cloud-Lösungen, insbesondere Multi-Cloud Strategien, wenngleich Europa in dieser Hinsicht noch in den Kinderschuhen steckt. Nach einer Studie von IDC sind nur neun Prozent der europäischen Unternehmen „Multi-Cloud ready“, obwohl gerade dieser Ansatz einige Vorteile bietet.
Public, Private und Hybrid Cloud
Für die Datenspeicherung und den Betrieb von Services in der Cloud muss zwischen Public, Private und Hybrid Cloud unterschieden werden. Alle drei Arten von Cloud-Lösungen haben ihre Vor- und Nachteile, die für eine ideale Cloud-Strategie im Sinne des Unternehmens gegeneinander abgewogen werden müssen.
Drei Arten von Cloud-Lösungen
Die Public Cloud ist für jeden Internetnutzer öffentlich zugänglich. Der leichte Zugriff auf Daten und Services hat jedoch den Nachteil, dass der einzelne Nutzer im Normalfall wenig bis keinen Einfluss auf den physischen Standort der Server (und damit seiner Daten), die Datensicherheit sowie den Datenschutz hat.
Die sorgfältige Auswahl des Betreibers unter Berücksichtigung des Serverstandorts kann die damit verbundenen Risiken jedoch minimieren. Speziell als Businesskunde lohnt es sich daher, im Vorfeld die notwendigen Rahmenbedingungen (in welcher Region sollen die Daten gespeichert werden, welche Maßnahmen zum Schutz der Daten trifft der Betreiber etc.) für ein System in der Public Cloud zu definieren.
In einer Private Cloud dagegen hat der Besitzer und alleinige Nutzer die Kontrolle über Standort, Sicherheitsmaßnahmen und Datenschutz. Dieser Vorteil wird jedoch im wahrsten Sinne des Wortes teuer bezahlt, egal ob die Cloud von der IT des Unternehmens selbst betrieben oder als Service von einem externen Anbieter zugekauft wird. Manche Nutzungsformen, etwa IaaS (Infrastructure as a Service), sind allerdings im Rahmen einer Private Cloud sogar kostengünstiger abzuwickeln.
Eine Hybrid Cloud besteht aus einem Private und einem Public Cloud Anteil und soll die Vorteile beider Cloud-Typen vereinen. Eine Hybrid Cloud ist damit besser skalierbar und auch für sensiblere Daten und Anwendungen sicher genug, erfordert aber durch ihren Aufbau eine komplexere Infrastruktur und ist im Management aufwändiger, da Daten und Anwendungen sauber getrennt werden müssen.
Dazu kommt, dass viele Unternehmen Bedenken wegen eines sogenannten „Lock-In“ hegen, wenn ihre Services und Daten nur auf einer Plattform oder in einer bestimmten Umgebung funktionieren, wie etwa bei einer hoch komplexen Hybrid-Lösung. Ein Umzug in eine andere Cloud ist dann nur schwer realisierbar, sollte dies etwa wegen In-Sourcing der Private Cloud oder aus anderen Gründen notwendig erscheinen – das Unternehmen ist in der Cloud „eingesperrt“.
Welcher Cloud-Typ für welchen Zweck?
Alle drei Cloud-Typen haben ihre Berechtigung für die Verwendung im Unternehmen. Jedoch lassen sich nicht alle Geschäftsprozesse, Services und Daten ausschließlich in einer Public oder Private Cloud abbilden. Vor allem interne Compliance-Richtlinien oder branchenspezifische regulatorische Vorgaben führen zu einem eingeschränkten Spielraum hinsichtlich der Betriebsszenarien. Man könnte aus diesem Grund alle Anwendungen in der Private Cloud laufen lassen, die ideale Lösung ist das aufgrund der zu erwartenden Kosten aber nicht.
Die Unternehmen sind daher gezwungen, im Rahmen ihrer Cloud-Strategie alle Prozesse und Daten zu analysieren und diese entsprechend einem der beiden Cloud-Typen zuzuweisen. Als generelle „Daumenregel“ zur Orientierung könnte man sagen: Geschäftskritische Prozesse, die möglichst leicht skalierbar sein sollen, aber keine sensiblen Daten benötigen, werden der Public Cloud zugeordnet. Zusätzlich sollten auch Latenzzeiten (welche Daten benötigen wir in Echtzeit?) und mögliche weitere Verwendung der Daten, etwa für Auswertungen oder Kundenservice, berücksichtigt werden.
Eine solche Analyse muss auch beim Einsatz einer Hybrid Cloud erfolgen, da festgelegt werden muss, welchem Teil der Cloud ein Service oder ein Datensatz zugeteilt werden soll. Die Hybrid Cloud hat allerdings ihre Tücken, etwa in Bezug auf eine saubere Trennung zwischen den Bereichen, um die Datensicherheit zu gewährleisten. Durch die komplexeren Strukturen der Hybrid-Lösung steigt zusätzlich die Gefahr eines Lock-Ins.
Multi-Cloud: das Beste aus allen (Cloud-)Welten
Eine Multi-Cloud Umgebung verschafft den Unternehmen die gewünschte Flexibilität bei der Verbindung herkömmlicher IT-Strukturen mit Cloud-Computing. Entsprechend den Anforderungen des jeweiligen Geschäftsprozesses kann eine Public oder Private Cloud eingesetzt werden. Das reduziert die Komplexität, etwa weil Kapazitäten beliebig erweiterbar sind und mehrere neue Services parallel entwickelt werden können. Gleichzeitig vereinfacht die Nutzung mehrere Clouds die Beschaffung, wodurch die Betriebe schneller auf Veränderungen im Markt reagieren können. Das Risiko eines Lock-Ins wird durch den Einsatz mehrerer Clouds ebenfalls deutlich verringert.
Einsatzszenarien für eine Multi-Cloud Lösung gibt es viele. Dazu zählen beispielsweise Krankenhäuser, deren Patientendaten aus Datenschutzgründen in einer Private Cloud oder sogar on premise, also vor Ort, gespeichert und verwaltet werden müssen. Gleichzeitig sollen Informationen aus der Verwaltung schnell und einfach zur Verfügung stehen. Eine anderer möglicher Use Case für die Multi-Cloud wäre ein Unternehmen, das seine Produktionssteuerung aus Compliancegründen in der Private Cloud betreibt. Bei anderen Services stehen dagegen ein einfacher Roll-Out sowie die Flexibilität des Angebots für das Unternehmen im Vordergrund.
Eine Multi-Cloud Strategie bietet Unternehmen also einen Ausweg aus dem scheinbaren Dilemma zwischen hohen Kosten, erforderlicher Datensicherheit – speziell vor dem Hintergrund der EU DSGVO – und Verfügbarkeit der Echtzeit sowie potenzieller Abhängigkeit von einer einzigen Cloud-Lösung aufgrund der Komplexität. Dieser Ansicht sind laut einer Studie von Forrester aus dem Jahr 2018 auch ein Großteil der IT-Entscheidungsträger in den Unternehmen. Von jenen Betrieben, die eine Auslagerung von Daten und Services in die Public Cloud planen oder bereits umsetzen, verfolgten 86 Prozent einen Multi-Cloud Ansatz. Und auch wenn die Unternehmen derzeit noch nicht „reif“ für eine solche Lösung sind – die Marschroute für die Zukunft führt in die richtige Richtung.