Digitalisierung

Künstliche Intelligenz, schlaue Verkehrskonzepte und smarte Städte

28.05.2019

Montagmorgen. Auf dem Weg in die Arbeit ist wieder einmal kein Vorankommen - irgendwo ist ein Unfall passiert, alles steht. An die morgendlichen Staumeldungen im Radio haben wir uns längst gewöhnt. Der Klassiker ist die Südost-Tangente in Wien, kein Tag vergeht dort ohne zumindest zäh fließendem Verkehr. Aber auch in Linz oder Graz gehört das Stauchaos zum Beginn des Arbeitstages wie der Morgenkaffee. Ideen, wie dies geändert werden könnte, gibt es viele. Neben dem Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln und Carsharing etwa auch die Förderung von Fahrrädern, E-Scootern oder E-Bikes als Transportmittel für kürzere Strecken. Smarte, digitalisierte Städte könnten im Bereich Verkehr zukünftig allerdings auch von künstlicher Intelligenz (KI) profitieren.
Digitalisierung macht Städte zur Smart City
Nach uns Menschen, Maschinen und Unternehmen erfasst die digitale Transformation auch ganze Städte. Sie werden mit Kameras und Sensoren ausgestattet und digital vernetzt. Statt Menschen steuern Algorithmen beispielsweise die Zufuhr von Energie ins Stromnetz - je nach Auslastung und Einspeisung durch Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern von Wohnanlagen oder Betriebsgebäuden. Möglich gemacht wird das durch sogenannte „Smart Meter“, intelligente Messsysteme für den Energieverbrauch. Digitale Behördenwege ohne langes Anstellen, freier WLAN Zugang an öffentlichen Plätzen, digitale Verkehrsleitsysteme oder Apps für Carsharing und Parkplatzsuche sowie der Online-Zugang zu öffentlichen Bibliotheken sind weitere Angebote einer Smart City. Darüber hinaus nutzt eine intelligente Stadt die Vorteile einer digitalen Welt auch in den Bereichen Bildung, etwa für Online-Lernplattformen, und Gesundheit.
Autonomes Fahren durch künstliche Intelligenz
Digitale Verkehrssteuerung für die Smart City
Der derzeit wohl wichtigste Einsatzbereich digitaler Technologien liegt aber im Bereich Mobilität. Schlaue Verkehrskonzepte für Großstädte sollen den Schadstoffausstoß senken und den Bewohnern oder Pendlern dabei helfen, schneller und effizienter an ihr Ziel zu gelangen. Unterstützung bei der Umsetzung solcher Konzepte kommt dabei von den digitalen Helferlein: Künstliche Intelligenz soll in den Smart Cities der Zukunft dabei helfen, den Verkehrsfluss besser zu steuern. Kameras und Sensorenerfassen dafür beispielsweise Ampelphasen, zählen Autos auf einem Straßenabschnitt, messen den Abstand zwischen Fahrzeugen oder registrieren freie Parkplätze. Die gesammelten Daten könnten dann von der KI ausgewertet werden und per App oder über ein Navigationsgerät abrufbar sein. Irgendwann, so lautet die Vision, soll die KI den Verkehr automatisch bestmöglich dirigieren, Ampeln schalten und die Höchstgeschwindigkeit regulieren. Und sollte autonomes Fahren in ferner Zukunft zum Standard werden, könnte die KI sogar den gesamten Verkehr in der Stadt steuern, ohne dass ein Mensch in irgendeiner Weise eingreifen muss.
Der Einsatz der KI könnte darüber hinaus auch für mehr Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer sorgen. Etwa indem Kameras und Sensoren Kreuzungsbereiche überwachen. Unfälle wie der tragische Tod eines Buben in Wien, den ein LKW-Fahrer beim rechts abbiegen übersehen hatte, könnten damit der Vergangenheit angehören. Die Algorithmen werten die von den Sensoren übermittelten Daten in Echtzeit aus, erkennen potenziell gefährliche Situationen und schicken eine Warnmeldung auf das Display des Fahrers. Gerade Kinder, die aufgrund ihrer Größe hinter größeren Autos wie Lieferwägen und SUVs oft „unsichtbar“ sind, könnten so frühzeitig entdeckt und dadurch geschützt werden. Und an Stellen, die aufgrund der baulichen Gegebenheiten eher uneinsichtig sind, würde die Situation durch Warnmeldungen vor herannahenden Radfahrern oder Fußgängern hinter einer Hausecke deutlich entschärft werden.
Smart City in Österreich
Bis eine KI den Verkehr grüner und sicherer macht und Staus verhindert, vergehen mit Sicherheit noch ein paar Jahre. In Wien, dem sonst stets nachgesagt wird, ein wenig gemütlicher zu sein, könnte eine digitale Steuerung des Verkehrsflusses jedoch früher als im Rest der Welt Realität werden. Laut der „Smart City Index 2019“ Studie des Beratungshauses Roland Berger ist die österreichische Landeshauptstadt nämlich die fortschrittlichste Smart City der Welt. Die Spezialisten attestieren Wien eine überzeugende, zukunftsweisende Rahmenstrategie in Sachen Digitalisierung sowie innovative Smart City Lösungen für Mobilität, Gesundheit, Bildung, Verwaltung und Umwelt.
Aber nicht nur Wien, sondern die Österreicher insgesamt stehen der digitalen Transformation der Städte eher positiv gegenüber. In einer Studie von Ernst & Young im Jahr 2018 gaben 56 Prozent der Befragten an, Angebote einer Smart City zu befürworten. Rund 36 Prozent waren in Bezug auf solche Angebote neutral, auf Ablehnung stößt das Konzept nur bei acht Prozent. Auf die Frage, welche der Dienstleistungen einer Smart City die Menschen am ehesten nutzen würden, landete freier WLAN Zugang mit 61 Prozent auf Platz eins. Auf Platz zwei, wenn auch nur mit 33 Prozent Nennungen, hat es das Re-routing bei Staus und Unfällen geschafft.
Der Bedarf an (künstlich) intelligenten Lösungen für den Verkehr in den Städten ist also ebenso vorhanden wie die Bereitschaft, diese auch zu nutzen. Derzeit haben zwar die Südost-Asiatischen Städte noch die Nase vorn, aber wäre nicht ein Montagmorgen ohne Staumeldungen von der Südost-Tangente in Wien oder dem Bindermichl in Linz eine schöne Vorstellung?