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Digitalisierung

Mehr Open Government Data für Alle

15.02.2019

Daten sind in unserer Informationsgesellschaft die Grundlage für mehr oder weniger alle digitalen Dienstleistungen und Services. Daten werden dadurch zum wertvollen Gut, das teilweise aufwändig „geschürft“ (etwa durch Umfragen) werden muss – und dann teuer verkauft wird.
Doch künstliche Intelligenz (KI), Smart Cities und das Internet der Dinge (IoT) benötigen Unmengen an Informationen. Diese stammen meist von sogenannten Open Government Data Plattformen, die zukünftig noch mehr öffentliche Rohdaten zur Verfügung stellen und damit die Digitalisierung Europas vorantreiben sollen.
„Offene Daten“ als Basis
Als Open Data oder Open Government Data (OGD) werden alle Daten bezeichnet, die der öffentliche Sektor erhoben hat und der Allgemeinheit ohne oder nur mit geringen Auflagen, etwa Gebühren oder Zugangsbeschränkungen, zur Verfügung stellt. Das sind zum Beispiel Verkehrs- oder Geodaten, anonymisierte Informationen über Gesundheit oder Energieverbrauch der Bevölkerung und Ähnliches. Nach den Plänen der EU-Kommission sollen diese Informationen etwa um Ergebnisse aus öffentlich finanzierten Forschungsprojekten und diverse hochwertige statistische Daten ergänzt werden.
Die Idee dahinter ist simpel: Je mehr hochwertige Daten auch KMUs und Start-Ups zur Verfügung stehen, desto mehr innovative digitale Services können entstehen, beispielsweise Mobilitätsapps oder Anwendungen für KI. Davon profitieren sowohl die Menschen als auch jene öffentlichen Stellen, von den die offenen Daten stammen. Das ist keineswegs Zukunftsmusik, ganz im Gegenteil. Wer sich davon überzeugen möchte, kann dies ab Frühjahr in Wien tun: dann nämlich nimmt eine selbstfahrende Buslinie in der Seestadt Aspern im 22. Bezirk den Betrieb auf.
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Deutschland mit der Initiative Geodaten-Infrastruktur Deutschland (GDI-DE). Die deutschlandweit gesammelten Geoinformationen sollen als Open Data zur Verfügung stehen und damit die Entwicklung von Smart Cities und Smart Regions vorantreiben. Digitale Schulen und Telemedizin sind dann nur zwei von vielen Möglichkeiten, die Versorgung zu verbessern – gerade auch im ländlichen Raum.
Künstliche Intelligenz und offene Daten
Alle oben genannten Anwendungen der offenen Daten sind Formen von künstlicher Intelligenz. Egal ob ein Bus, der selbstständig bremst und lenkt, ein Kühlschrank, der rechtzeitig Milch, Butter und Brot nachbestellt oder der virtuelle Lehrer, der Kindern bei den Hausaufgaben hilft: KI macht jetzt schon einen großen Teil unserer digitalen Umwelt aus und wird in Zukunft noch weiter ausgebaut werden. Daten, anhand derer sich die KI weiterentwickeln und bessere Services bieten kann, sind also dringend notwendig.
Dass dies auch für Unternehmen gilt, zeigte der Artificial Intelligence Europe Report von Ernst & Young aus dem Jahr 2018. Darin gaben mehr als die Hälfte der befragten österreichischen Unternehmen an, KI werde einen großen oder sehr großen Einfluss auf ihr Kerngeschäft haben. 80 Prozent der Unternehmen beschäftigen sich daher bereits mit KI, die Expertise in diesem Bereich ist in Österreich jedoch nur unterdurchschnittlich. Europa hat jedoch auch insgesamt Aufholbedarf in Sachen digitale Transformation – einer der Gründe für den Entschluss der EU-Kommission, durch kostenlose, hochwertige OGD den digitalen Fortschritt durch KMU und Start-Ups voranzutreiben, deren begrenztes Budget den Erwerb teurer Basisdaten nicht zulässt.
Open Data in Österreich
Österreich zählt in Sachen Open Data zu den weit entwickelten Staaten Europas. Zumindest, wenn man den Ergebnissen des Beratungshauses Capgemini glauben darf. In ihrem EU Open Data Report 2017 wurde Österreich unter den Trendsettern geführt, im „Open Data Maturity in Europe Report 2018“ fiel die Alpenrepublik immerhin noch in die Gruppe der „Fast Tracker“. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Open Government Data sind damit geschaffen, auch ein OGD-Portal existiert seit 2014 und wird regelmäßig befüllt.
Doch einfach nur Daten zur Verfügung zu stellen reicht nicht aus, um die Vorteile der Digitalisierung entsprechend zu nutzen. Gerade KI-Anwendungen benötigen eine hohe Datenqualität, um korrekt funktionieren und damit auch einen echten Mehrwert liefern zu können. Laut der Capgemini Studie hinkt Österreich hier mit einem Reifegrad von nur 39 Prozent eher hinterher. Durch die neue EU weite Regelung zu Open Government Data bieten sich hier neue Chancen, genauere und hochwertigere Daten in die Portale einzuspeisen und so das Potential von offenen Daten und künstlicher Intelligenz voll auszuschöpfen.