Mobility & Collaborations

Mit Mass Collaboration zum Innovationsführer werden

09.11.2016

Mass Collaboration ermöglicht die Nutzung kollektiven Wissens und gibt Rückschlüsse auf das Kundenverhalten. Alleine im stillen Kämmerchen oder im hermetisch abgeriegelten Arbeitszimmer entstehen nicht die besten Innovationen. Im Gegenteil: Die Zusammenarbeit vieler Menschen, möglicherweise sogar überregional, bietet bisher nicht gekannte Möglichkeiten, Wissen zu kombinieren, Neues zu erschaffen und Kreativität zu generieren.
Mit Mass Collaboration zum Innovationsführer werden

Mass Collaboration ermöglicht Vernetzung vieler Menschen

Das wusste etwa die US-Weltraumbehörde NASA zu nutzen: Bei ihren „Space Apps Challenges“ arbeiteten Teams in aller Welt an Lösungen für dringende Probleme dieser Welt.
Das NASA-Projekt ist nur eines von unzähligen Beispielen, was die sogenannte „Mass Collaboration“ möglich macht. Allgemein geht es dabei um die gemeinsamen Leistungen vieler Personen und das Nutzen des Kollektivwissens, im Unternehmensumfeld um jenen Bereich der Collaboration, der die Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern, also mit externen Kräften, betrifft.
Die Grundlagen dafür sind nicht nur technischer Natur: Zwar machen erst Internet-Anwendungen wie Foren, Blogs und Social-Media-Plattformen die Vernetzung vieler Menschen möglich. Doch auch deren Bereitschaft, sich aktiv an etwas zu beteiligen, mit anderen zu kommunizieren und eigene Ideen (aber auch Kritik) vorzutragen, ist unverzichtbar für die Klasse der Masse.
Mass Collaboration lässt einerseits wertvolle Rückschlüsse auf das Verhalten der Konsumenten zu, andererseits kann mit diesen direkter als sonst kommuniziert werden – das ist beispielsweise bei der Entwicklung sehr hilfreich. Demnach sind es also zwei Kernfunktionen, die Mass Collaboration hat:
  • Erstens Marktbeobachtung in einem bisher nicht gekannten Ausmaß, etwa über die Auswertung von Kundenprofilen und Analyse von Social-Media-Plattformen. Wichtig ist dabei die Beachtung des Datenschutzes und transparente Darstellung der Aktivitäten.
  • Zweitens Interaktion mit Kunden und potenziellen neuen Kunden, speziell bei neuen Produkten bzw. Dienstleistungen. Das kann die Berücksichtigung von frühem Feedback ebenso beinhalten wie die aktive Einbeziehung in den Gestaltungs- und Entwicklungsprozess.

Mass Collaboration Strategie bei der Produktentwicklung

Bestes Beispiel für eine gelungene Kampagne im Zuge von Mass Collaboration ist der italienische Autohersteller Fiat: Bei der Entwicklung des neuen 500er-Modells wurden potenzielle Kunden und Interessenten nach ihren Vorlieben und Vorschlägen gefragt. Nicht weniger als zwei Millionen Design-Ideen konnten eingesammelt werden.
Man muss kein Marketingexperte sein, um zu erkennen, welch gewaltiges Potenzial in dieser Bereitschaft liegt, sich für eine Marke bzw. ein Produkt zu engagieren. Letztlich wurden dann schon vor Produktionsbeginn rund 80.000 Vorbestellungen für den Fiat 500 abgegeben.
Fiat hat damit – ganz im Sinne einer ganzheitlichen Mass-Collaboration-Strategie bei der Produktentwicklung – gleich mehrere Ziele erreicht: Aufmerksamkeit steigern, wertvolle Rückschlüsse gewinnen und damit das Risiko eines Flops minimieren, Kundenkontakt steigern, emotionale Bindung an das Unternehmen bzw. die Marke erhöhen.

Fazit

Tatsächlich sind die Möglichkeiten von Mass Collaboration noch nicht einmal ansatzweise ausgereizt, sowohl in der Wirtschaft als auch in anderen Bereichen – so können beispielsweise im Katastrophenfall staatliche Organisation durch Auswerten von Meldungen (etwa via Twitter und Facebook) und dem Aufruf zur kollektiven Mithilfe große Ressourcen ausschöpfen.
Im Firmenumfeld gibt es aber auch Einiges zu beachten: Unternehmen muss bewusst sein, dass gerade die aktive Miteinbeziehung von Kunden und Partnern im Zuge einer Mass-Collaboration-Strategie durchaus auch schwierig, ja mühsam sein kann. Denn die Kommunikation kann in diesem Fall niemals nur in eine Richtung gehen; Kunden erwarten nämlich, dass man ihre Vorschläge, Kritikpunkte und Ideen (und damit sie selbst) wirklich ernst nimmt. Generell sind ja alle Collaboration-Ansätze nicht nur von ihrem technischen Standpunkt aus zu betrachten, sondern beispielsweise auch Fragen zur Unternehmenskultur zu beantworten. 
Anders gesagt: Wer nicht raus will aus dem stillen Kämmerchen, für den ist Mass Collaboration ungeeignet.

Glossar

Mass Collaboration bezeichnet die Zusammenarbeit vieler Personen an einem Projekt. Technische Grundlagen sind Internet und beispielsweise Social-Media-Plattformen. Wer es ganz genau nehmen möchte, unterscheidet noch zwischen Mass Collaboration und Mass Cooperation – bei Ersterem werden die Aufgaben aufgeteilt, bei Letzterem wird einfach von allen gemeinsam an den Aufgaben gewerkt, was den Koordinierungsaufwand erhöht.
Big Data bezeichnet heute das Sammeln, Analysieren und Verwerten großer Datenmengen. Die Kunst, aus solchen Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen, vor allem für jene in einem besonders kompetitiven Umfeld.
Open Innovation ist das Öffnen des Innovations- und Entwicklungsprozesses für Kräfte außerhalb des Unternehmens, also beispielsweise für Kunden. So können im Zuge einer Mass-Collaboration-Strategie potenzielle Kunden an einem neuen Produkt mitarbeiten.
Grundzüge der Wikinomics: Das bekannteste Beispiel für die Zusammenarbeit vieler Menschen ist das Web-Lexikon Wikipedia: Hier wird gemeinsam an etwas Großem gearbeitet. Im Buch „Wikinomics“ beschrieben Don Tapscott und Anthony Williams schon Ende 2006 die Vorzüge von Zusammenarbeit und Nutzung der Weisheit der Masse und lösten damit eine wahre Hysterie aus. In ihrem Buch beschreiben sie anhand praktischer Beispiele, wie aus Consumern sogenannte „Prosumer“ werden, die aktiv bei der Gestaltung von Produkten und Services mitarbeiten. Die Autoren sahen darin mehr als die Folgen von Trends wie Open Source, Blogs oder Crowdsourcing: Die Wirtschaft stehe vor gewaltigen Änderungen, hin zu Offenheit, aktiver Teilnahme und globalem Handeln. Mit Wikinomics wurde das grundlegende Konzept vielfältiger Collaboration-Modelle erläutert; neuere technische Anwendungen und der Vormarsch von Big Data und Cloud Computing heben das Ganze auf die nächste Stufe.