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Smart planting

04.11.2014

Vertical Farming als eine effiziente und ökonomisch durchdachte Lösung multipler Problemstellungen unseres globalen Lebens.
Vertikal gewachsen sind Pflanzen ja schon immer. Die Felder waren auch schon immer (mehr oder weniger) horizontal. Neu ist nur die Idee die Felder nicht waagrecht nebeneinander anzulegen, sondern senkrecht übereinander zu stapeln. Klingt nach ziemlich simpel. Ist diese Idee also wirklich so smart? Professor Dickson D. Despommier, einer der Väter des Projekts „The Vertical Farm“, hat es in seiner Keynote auf dem Austrian Innovation Forum erläutert.
Solving issues the smart way
Einfach direkt vorweg genommen: Ja, vertical farming ist ziemlich smart. Ganz einfach deshalb, weil durch diese Idee weitere Projekte weltweit angestoßen wurden, die unterschiedlichste Issues unserer Zeit zugleich anpacken und lösen wollen.
Beispiel gefällig? Hier habt ihr gleich mehrere:
  • Raummangel – Auf dem gesamten Globus gibt es Regionen die unter schwerer Überbevölkerung leiden. Daraus resultiert zunehmende Platzknappheit, sowohl für die Bewohner als auch für die Nahrungsmittelproduktion.
  • Nahrungsmittelknappheit – Nicht nur die eben angesprochene Knappheit durch die engen Räume in Ballungszentren, sondern auch die weitere Ausdehnung dieser lässt Agrarraum immer weiter von den Städten wegrücken. Auch Verschmutzung der Luft, des Wassers und der Erde spielt hier eine Rolle.
  • Wassermangel – Noch verfügt die Erde über annehmbare Mengen Süßwasser, doch gehen die Bestände bereits zurück. In den Anlagen von vertical farms lässt sich das genutzt Wasser problemlos auffangen, filtern und wiederverwenden. So erzielt man deutlich höhere Effizienz.
  • Nahrungsmittelqualität – Immer wieder spricht man bei Gemüse von der Frische, den weiten Wegen die zurückgelegt werden und den Spritzmitteln und Pestiziden, die nötig sind, um die für die wachsende Bevölkerung nötige Menge produzieren zu können. Durch die urbane Lage, den raumeffizienten Betrieb und das kontrollierte Umfeld der Produkte sind keine chemischen Mittel zur Frischhaltung oder Schädlingsbekämpfung nötig. Auch Genmanipulation spielt keine Rolle wenn die Pflanzen nur unter den perfekten Bedingungen gezogen werden.
  • Umweltfreundlichkeit – Hier spielen besonders die Energieeffizienz und der CO2-Abdruck eine Rolle. Und in beiden Aspekten schneidet vertical farming gut ab. Moderne Produktionsgebäude werden mit Solaranlagen und hervorragender Wärmedämmung ausgestattet und energieunabhängig gebaut. Die Produkte werden oft direkt im selben Gebäude verkauft, wo sie auch produziert werden und meist sind die Angestellten ebenfalls direkt in einem Stockwerk der Farm untergebracht. So werden Energieverbrauch und CO2-Ausstoß minimiert und es kann Ressourcen schonend gearbeitet werden.
Soweit also die Theorie. Funktioniert das Ganze aber auch wirklich in dieser Form?
Zeit für ein paar Zahlenspiele
Ein Unternehmen aus Chicago, das die größten indoor-Anbauflächen weltweit betreibt, soll hier als Beispiel dienen.
  • Fläche – Dieses Unternehmen betreibt laut eigenen Angaben seit Anfang dieses Jahres 90.000 ft² Anbaufläche.
Für alle Nicht-Amerikaner: Das sind ca. 8.360 m².
Für alle, die sich darunter wenig vorstellen können: Das ist das ca. 1,2fache eines Fußballfeldes.
Gar nicht so beeindruckend?
Keine Sorge. Das Beeindruckende kommt jetzt:
  • Produktion – Besagtes Unternehmen produziert mit diesen Anlagen ungefähr 1.000.000 Pfund verschiedenstes Gemüse.
Für alle Nicht-Amerikaner: Das sind ca. 453.000 kg.
Für alle, die sich darunter wenig vorstellen können:
Die Produktion dieses einzelnen Unternehmens würde ausreichen um den Gemüse-Verbrauch von ca. 4.000 Österreichern für ein ganzes Jahr zu decken.
Immer noch unbeeindruckt?
Wenn euch folgendes auch noch kalt lässt, seid ihr eindeutig zu schwer zu begeistern:
  • Ertrag pro m² im Vergleich – In Österreich werden traditionellem Ackerbau grob gerechnet 5 kg/m² im Jahr produziert. Das bedeutet um den Jahresbedarf eines Durchschnittsösterreichers zu decken werden ca. 22 m² Ackerfläche benötigt.
Im besagten Chicagoer vertical farming Unternehmen kommt man in etwa auf sagenhafte 54 kg/m² im Jahr. Das bedeutet mit diesem Verfahren werden nur gute zwei m² benötigt um den Jahresbedarf eines Durchschnittsösterreichers zu decken.
Zusätzlich zu diesen Zahlen, die bereits für sich sprechen sollten, kommen noch alle oben genannten Vorteile wie Energieeffizienz, Unabhängigkeit von chemischen Mitteln, die kurzen Anfahrtszeiten und vieles mehr.
(Alle Angaben ohne Gewähr. Zahlen können je nach Basis-Angaben und betrachteten Produkten und Techniken variieren. Demografische Daten basieren auf Angaben der Statistik Austria.)
Smart planting, smart future?
Nicht umsonst tauchen rund um die Welt immer mehr Unternehmen auf, die vertical farming betreiben. Nicht nur in den USA, sondern auch in Chile, Japan, Schweden, Korea und vielen anderen Ländern werden Nutzpflanzen in kontrolliertem Umfeld produziert. 2012 wurden in Singapur die ersten tatsächlich vertikalen Farmen eröffnet, die seither in über 100 dreistöckigen Türmen gearbeitet wird.
Während üblicherweise Produkte wie Basilikum, Rucola, verschiedenste Kopfsalatsorten, Tomaten und andere kleine Gemüsearten produziert werden, will der Markt in Zukunft mit fortschreitender Technik auch auf eine breitere Nachfrage antworten können.
Manche Prognosen sprechen davon, dass in 20 Jahren bereits ca. 80% der Menschheit in Städten leben wird. Es wird also eine Alternative zum traditionellen Feldbau nötig sein und Vertical Farming könnte eine wichtige Lösung sein. Sowohl für unsere Bevölkerung, als auch für unseren Planeten.
Über den Autor
Geboren 1988, erlaubte sich Matthias Tüchler nach seiner Reifeprüfung einen einjährigen Ausflug in die Naturwissenschaften mit dem Studium der Molekularbiologie. Sein Interesse an der Wissenschaft und Umwelt behielt er, sein Studium wechselte er und schloss 2014 sein Master-Studium der Public Communications an der Universität Wien ab.
Nach verschiedensten Erfahrungen als (Photo-)Journalist spezialisiert er sich seit 2012 auf die Public Relations, Werbung und Marketing, für die er auch gegenwärtig als Berater in einem Wiener Unternehmen tätig ist. Zusätzlich nimmt er seit kurzem eine Rolle im jungen Werberat Österreichs ein.
Im Bereich Umweltschutz und Gesellschaftliche Verantwortung unterstützt er verschiedene Organisationen und Projekte wie z.B. The Ocean Cleanup, PrimaKlima weltweit, Sea Shepherd, NPH Österreich und andere.