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Serie: Internet of Things

Einfach einkaufen im IoT

10.04.2017

IoT in Retail
Der demografische Wandel ist ohne Zweifel eine der grössten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – altersgerechte Assistenzsysteme können hier ansetzen und das Leben der immer älter werdenden Bevölkerung erleichern. Dank eines immer höheren Durchschnittsalters müssen technische Möglichkeiten gefunden werden, die älteren Menschen oder auch Pflegebedürftigen möglichst lange ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben ermöglichen. Intelligente Anwendungen für diese Zielgruppe zu entwickeln, liegt in der digitalen Verantwortung der Technologieführer.

Smart Retail als Bestandteil des umgebungsunterstützten Lebens

Wird über die technikbasierte Unterstützung von Senioren gesprochen, fällt meist als erstes das Stichwort umgebungsunterstütztes Leben (Ambient Assisted Living). Hiermit sind meist Überwachungs- und Ortungssysteme – etwa Smart-Home-Notrufsysteme – gemeint, dank derer Ärzte, Verwandte und Pflegekräfte stets über den Gesundheitszustand und Aufenthaltsort eines Patienten auf dem Laufenden sind. Doch ein wirklich selbstbestimmtes Leben braucht noch viel mehr. Wer nur schlecht alleine seine Wohnung verlassen und zudem nicht schwer tragen kann, für den wird selbst das alltägliche Einkaufen zur grossen Herausforderung. Intelligente Lösungen, die unkompliziert die gewünschte Ware bis nach Hause liefern lassen, verbessern die Lebensqualität erheblich. Dank des Internets der Dinge gehen die Möglichkeiten dabei weit über Onlineshops hinaus.

IoT-Lösungen für den Handel

Das Potenzial des IoT für den Handel ist gewaltig: Von der Vernetzung von Gegenständen untereinander und mit dem Nutzer – etwa durch Apps – bis hin zur Optimierung der Lieferkette ist vieles möglich. Wurde die Ware bisher meist in einem festgelegten Rhythmus vom Zulieferer angefordert, können intelligente Regale selbstständig feststellen, wieviel Ware noch vorrätig ist und, wenn nötig, das Signal zur Nachbestellung geben. Mit dieser vorausschauenden Analyse, auch „Predictive Analytics“ genannt, können Regallücken effektiv verhindert werden. Zudem erhalten Kunden die Chance, lokale Warenbestände abzufragen und für sich zur Abholung zu reservieren.
Doch die echte Revolution des IoT für den Handel in Form von Einkaufsassistenzsystemen verändert den Verkaufsort komplett. Dank digitaler Technik kann dieser Verkaufsort in das Zuhause der Kunden verlagert werden, ohne dass sie sich durch den Bestellvorgang von Online-Shops klicken müssen. Das führt zu mehr Bequemlichkeit – und für bewegungseingeschränkte Menschen zu mehr Selbstständigkeit. Ein bekanntes – wenn auch noch selten eingesetztes – Beispiel ist der smarte Kühlschrank, der automatisch einen Einkaufszettel erstellt, sobald die Vorräte zur Neige gehen.

Reibungslose Warennachbestellung

Schon eher in der Realität angekommen sind sogenannte „Smart Buttons“, wie der „Dash Button“ des Online-Händlers Amazon. Dabei handelt es sich um einen physischen Bestellbutton, über den tägliche Bedarfsgüter einfach per Knopfdruck nachbestellt werden können. Die Order wird ohne zusätzliches Nutzer-Interface an den Händler übermittelt, die Ware per Paket nach Hause geliefert. Der Vorteil für den Konsumenten? Die Assistenzlösung ist technisch anspruchslos und macht Einkäufe möglich, ohne das Haus verlassen zu müssen. Und für die Händler? Sie animieren ihre Kunden zu einem automatisierten Einkaufsprozess, in dem der eigene Aufwand und vor allem der Preisvergleich auf ein Minimum reduziert sind. Bereits im Einsatz sind Buttons für Rasierklingen, Pflegeprodukte, Kaffeekapseln, Waschmittel und vieles mehr.
Und es geht noch weiter: Während anfangs jeder Button einer bestimmten Marke zugeordnet war und sich seine Funktion darin erschöpfte, per Knopfdruck ein einziges Produkt zu bestellen, können neuere Smart Buttons noch viel mehr. Beliebig viele unterschiedliche Aktionen sind möglich, abhängig davon, wie oft und wie lange der Button gedrückt wird.

Per Sprachbefehl einkaufen

Oder noch intuitiver: Über Sprachassistenten wie Google Home, Amazon Echo alias „Alexa“, Microsoft Cortana oder Apples Siri werden Verbraucher benötigte Ware einfach über mündliche Befehle bestellen können: „Alexa, bestelle Knäckebrot.“ Amazon Echo ermöglicht das schon heute, doch noch funktioniert der sprachgesteuerte Einkauf nicht reibunglos: In den USA etwa bestellten zahlreiche Echo-Geräte nach einem TV-Beitrag ungewollt ein Puppenhaus, weil der Moderator sagte: „I love the little girl, saying ‚Alexa ordered me a dollhouse‘.“ Dennoch entwickeln sich die Sprachassistenten rasant weiter – in Richtung künstlicher Intelligenz. Davon werden auch ältere Generationen profitieren: „Insbesondere ältere Kunden haben noch immer Probleme mit Apps und dem Onlinehandel“, sagte E-Commerce-Experte Alexander Graf der WiWo. „Ist Shopping per Spracherkennung einmal etabliert, sind auch sie als Zielgruppe viel einfacher erschliessbar.“

„Age of the Customer“ – neuen Ansprüchen genügen

Warum sind solche innovativen Konzepte für den Handel relevant? Im Handel, wie fast überall, werden neue Geschäftsmodelle möglich und erfolgreich, wie das Wachstum des Onlinehandels zeigt. Vernetzte Technik verschiebt den Fokus vom Produkt zum Kunden: Dessen Ansprüche sind das Mass der Dinge. Konsumenten sind besser informiert und können dank Smartphones direkt im Laden Preise und Angebote mit der Konkurrenz vergleichen. Um gegen diese Erwartungshaltung anzukommen, muss der Handel neue, einfache Einkaufswege schaffen. Deswegen lohnen sich Einkaufslösungen wie etwa ein intelligenter Knopf oder Sprachassistent, die Konsumenten abgesehen von der reinen Kaufentscheidung alles abnehmen: von Auswahl über Bestellung bis hin zur Lieferung.