Stephan Kasulke, Vorsitzender des Vereins Zero Outage Industry Standard spricht über das branchenweite Null-Fehler-Prinzip.
Zero Outage

„Wer will, profitiert sofort.“

Stephan Kasulke, Vorsitzender des neu gegründeten Vereins „Zero Outage Industry Standard“, spricht zum branchenweiten Qualitätsprogramm und hat Grund zur Freude: Neben den namhaften Herstellern Brocade, Cisco, Dell EMC, HDS, Hitachi Data Systems, Juniper, NetApp, SAP und Suse konnten auch IBM und Swisscom als Vereinsmitglied gewonnen werden.
Autor: Miriam Theilacker
Fotos: T-Systems, Thomas Friedl 


"Wir haben Standards für Prozesse, Security und Personal definiert"
Stephan Kasulke, SVP Quality bei T-Systems und Chairman des Vereins Zero Outage Industry Standard im Interview mit dem Best Practice Magazin. 
Hard- und Software-Anbieter und Service-Integratoren arbeiten eng zusammen, um einen branchenweiten Best-Practice-Ansatz zu entwickeln. Indem die jeweiligen Unternehmen diesen umsetzen, wird eine stabile und sichere IT gewährleistet.

Herr Kasulke, T-Systems setzt sich seit knapp einem Jahr für einen branchenweiten Industriestandard ein, hat aber erst kürzlich gemeinsam mit anderen namhaften Unternehmen den Verein „Zero Outage Industry Standard“ gegründet. Warum hat das so lange gedauert?

Der Gründungsprozess selbst hat nicht lange gedauert: Ausgehend von der Idee eines Vereins zur Durchsetzung des „Zero Outage Industry Standard“ vor einem Jahr haben wir innerhalb kürzester Zeit einige sehr namhafte Unternehmen gefunden, die sofort erklärt haben, „unserem“ Verein beizutreten. In den folgenden Monaten haben wir begonnen, mit genau diesen Unternehmen einen Standard zu entwerfen und zu definieren. Das zeigt, wie viel Interesse am Markt herrscht und wie wenig Überzeugungskraft notwendig war, damit Partner bei dem Verein mitmachen. 
Wenn sie mich jedoch fragen, warum es überhaupt so lange brauchte, bis die Industrie einen Standard entworfen hat, ist die Antwort klar: Bisher hat niemand die Initiative ergriffen, und viele Unternehmen sind auch gerne die Schiene gefahren: „Kauf alles bei mir, dann klappt das schon.“ Vor allem durch die fortschreitende Digitalisierung kam jedoch die Erkenntnis, dass ein Unternehmen nicht alles alleine anbieten kann. Es braucht verschiedene Player, die gemeinsam einheitliche Richtlinien definieren. 

Wie kam es überhaupt zu der Idee, den Verein zu gründen, nachdem T-Systems das Qualitätsprogramm Zero Outage schon 2011 im eigenen Unternehmen etabliert hat?

Verein Zero Outage Industry Standard
Der Verein „Zero Outage Industry Standard“ wurde von T-Systems und anderen namhaften Branchengrößen gegründet, um ein einheitlich hohes Qualitätslevel für ICT-Infrastrukturen zu etablieren.
Nach einem schweren Incident mit einem Lieferanten, vor ca. einem Jahr, habe ich mit meinem Kollegen Kai Brachmann philosophiert, wie man in Zukunft vorgehen könnte, um solche Vorfälle zu verhindern. Wir wollten Unternehmen nicht einfach diktieren, wie sie zu arbeiten haben, sondern Lieferanten und Partnern auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam definieren, wie es besser laufen könnte. Nur durch eine aktive Zusammenarbeit können wir in der Branche eine sichere und stabile IT-Qualität definieren.

Sie arbeiten an der Definition eines Rahmens für den Zero-Outage-Industriestandard, um diesen später anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Was kann man sich darunter im Detail vorstellen und bis wann soll dieser Rahmen stehen?

Der Rahmen steht de facto ab sofort. Er ist auch mittlerweile definiert und bereits im ersten Release, wo viele Themen besonders auf der Prozess-, Ausbildungs- und Security-Seite schon sehr weit definiert sind. Auf der Plattformebene müssen wir das erste Gerüst hier und da inhaltlich noch weiter verfeinern. Fortan werden wir den Standard sukzessive an die aktuellen Erfordernisse anpassen und weiterentwickeln.

Ab wann profitieren die Kunden vom Zero-Outage-Industriestandard und welche Vorteile ergeben sich konkret für Unternehmen und Endkunden?

Das ist spannend! Die Kunden profitieren erst dann, wenn sich die Vereinsmitglieder an den Standard halten. Sobald Unternehmen ihre Komponenten oder ihre gesamten Systemlösungen auf dem Standard basieren lassen, wird es für den Kunden interessant. Konkret heißt das: Wenn ein Hersteller wie Cisco anfängt, seine Geräte in der Zero-Outage-Version herauszugeben, die besonderer Reife- und Testverfahren unterliegen und deutlich weniger fehleranfälliger sind, können Systemintegratoren wie T-Systems Lösungen zusammenstellen, die ausschließlich aus Zero-Outage-Komponenten bestehen. 

Bringt der Verein den T-Systems Kunden Vorteile? Welche und warum?

Absolut, denn ein stabiler Betrieb verlangt von Unternehmen die Kontrolle über die Qualität ihrer Plattformen, die Ausbildung ihrer Mitarbeiter, klar definierte Prozesse und Sicherheitsfunktionen über die gesamte Lieferkette hinweg. Der Verein definiert herstellerübergreifend bestimmte Kriterien, wie zum Beispiel Ende-zu-Ende-Lösungszeiten im Störungsfall, Qualifizierungsniveaus für Mitarbeiter sowie Sicherheits- und Plattformanforderungen. Nur wenn wir alle Unternehmen an Bord holen, können wir Fehler minimieren, die Verfügbarkeit steigern, Sicherheit gewährleisten und unseren Kunden allumfassend Zero Outage anbieten. Denn jede Komponente, die deutlich weniger fehleranfällig ist, erhöht die Gesamtverfügbarkeit eines Systems und macht es stabiler. Sobald sich also die ersten Firmen daran halten – und sei es erst einmal nur auf der Prozessebene, profitieren unsere Kunden sofort. Und mit der Implementierung der Ebenen Plattform, Training/Ausbildung und Security wird das zu einer sukzessiven Entwicklung. 

Sehen Sie mit dem Verein einen Hebel, Ihre eigenen Zero-Outage-Aktivitäten weiterzuentwickeln und wenn ja – wie? 

Das war mit Blick auf die Prozess-, Security- und Training-/Zertifizierungsebene ja eigentlich die Start-Idee des ganzen Vereins. Dass wir uns als T-Systems an dieser Stelle auch sehr kompetent fühlten, hier Vorgaben zu machen und unsere Lösungen am Markt durchzusetzen, hat uns schon im vergangenen Jahr viel weiter gebracht. Aber auf der Plattformebene, auf der wir jetzt detaillierte technische Vorgaben machen und Komponenten robuster werden, endete unsere technische Kompetenz sehr schnell, da es da tief in die Systeme hineingeht. So war der Verein für uns eine exzellente Möglichkeit, auch auf der Technologieplattformebene weiter zu kommen, indem wir die Kompetenz der Hersteller nutzen, um weitere Vorgaben zu definieren. 

Sind bisher Herausforderungen aufgekommen, mit denen der Verein nicht im Vorfeld gerechnet hat?

Bis jetzt läuft es sehr harmonisch, da alle Unternehmen partnerschaftlich zusammenarbeiten, auch wenn es auf der technischen Seite durchaus unterschiedliche Philosophien gibt. Immerhin haben wir alle namhaften Storage-Hersteller im Verein. Und wenn es gegensätzliche Vorstellungen gibt, kommt es zu guten Diskussionen. Wir erwarten, dass sich das noch ein wenig verstärken wird, jetzt wo wir die Technologieebene weiterentwickeln.

Wie haben Sie Unternehmen wie Cisco, Dell EMC oder SAP davon überzeugt, dem Verein beizutreten? 

Bei SAP hat es nicht lange gedauert. Warum? SAP bietet selbst auch integrierte Systemlösungen an und hat von daher exakt die gleichen Herausforderungen zu meistern wie T-Systems. Bei Partnern, die nicht selbst als Integrator auftreten, mussten wir jedoch etwas Überzeugungsarbeit leisten. Das wichtigste Argument ist, dass sie sich viel Support-Aufwand ersparen und ihren Kunden eine höhere Gesamtverfügbarkeit anbieten können. Dafür ist der Kunde in der Regel auch bereit, einen höheren Preis zu zahlen. 

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit? Wie funktioniert der Austausch der Informationen? 

Zero Outage Flyer
Flyer: Best Quality for your Business.
In vielen Ebenen sehr gut und sehr einfach, beispielsweise im Service-Bereich, wo es um Prozesse geht, oder auch beim Thema Training/Zertifizierung. Dabei handelt es sich um etablierte Partnerschaften, wo unsere Zero-Outage-Philosophie seit vielen Jahren am Markt bekannt ist. In diesem Sinne war es eine relativ unkomplizierte, zielführende Zusammenarbeit. Auf der Technologie- und Security-Ebene ging es nicht ganz so schnell. Denn in vielen Unternehmen ist nicht mehr der Service-Bereich zuständig, sondern die Produktentwicklung, an die man sonst gar nicht heran kommt. Wer darauf als Verein von außen ein Stück weit Einfluss nehmen will, muss in ein etwas dickeres Brett bohren. Insofern ist durchaus verständlich, dass wir auf der Technologieebene noch nicht so weit sind wie auf der Prozess- oder People-Ebene. Aber hier haben wir jetzt die richtigen Ansprechpartner, mit denen wir im zweiten Release nochmal deutlich weiter kommen werden. Dazu haben wir regelmäßige Meetings und gemeinsame Workshops. 

Gibt es schon Signale weiterer Firmen, sich ebenfalls anschließen zu wollen? 

Spannend ist, dass IBM neu mit dabei ist und zwar als Gesamtunternehmen inklusive der Professional Services, Hardware und Software. Da ist jetzt auch die Tinte trocken, was mich sehr freut, da es ein toller Erfolg ist. Wir führen aktuell auch einige Gespräche mit interessierten Unternehmen und werden schon in Kürze neue Partner begrüßen dürfen.

Was sind die nächsten Meilensteine des Vereins? 

"Zero Outage - Kompromisslose Qualität in der IT im Zeitalter der Digitalisierung" bietet einen praxisnahen Einblick.
"Zero Outage - Kompromisslose Qualität in der IT im Zeitalter der Digitalisierung" bietet einen praxisnahen Einblick.
ISBN: 978-3-658-14221-6.
​​​​​​​Im ersten Schritt folgen mit Release 2 und 3 weitere konkrete Veröffentlichungen des Standards im Frühjahr und Winter 2017. Diese sind fachlich spannend, da jetzt auf der Technologieebene Layer für Layer sukzessive Standards gesetzt werden. Hier haben wir eine Roadmap, und in jedem Release geht es damit stark weiter. Das Zweite sind unsere neuen, Informationsveranstaltungen über die wir neue wichtige Player mit an Bord nehmen wollen. Wir prüfen auch, wo wir im Bereich Access Provider unsere Leistung erweitern können. 

Was bedeutet Ihnen persönlich die Wahl zum Vorsitzenden des Vereins?

Es bedeutet primär eine hohe Verantwortung, zunächst als ‚Geburtshelfer’ und jetzt quasi als ‚Vater’ für das erste Jahr. Die ersten Jahre sind die wichtigsten, heißt es ja immer – sie sind die prägendsten, wie bei einem Neugeborenen. Deshalb fordert es nun viel Zeit und Energie, das Thema weiterzuentwickeln und in eine Reife zu überführen, von der an das Ganze von alleine läuft. Neben der hohen Verantwortung sehe ich die Aufgabe aber auch als Chance. Wenn man bedenkt, dass Best Practices aus dem internen Qualitätsprogramm von T-Systems zum Industriestandard gewachsen sind, dann ist das natürlich die Erfüllung eines Traumes. Wer hätte das vor fünf Jahren gedacht? Ich, ehrlich gesagt, nicht. 

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