RUD wechselt auf SAP HANA, um Real-Time-Daten zu erhalten und Geschäftsprozesse zu beschleunigen sowie effizienter zu gestalten.
SAP S/4HANA

Unternehmen in Echtzeit steuern.

SAP-Anwender sind gespalten. Während die einen SAP S/4HANA als strategisch wichtig für ihr Unternehmen bewerten, betrachten andere das IT-System lediglich als ein neues Release. Dabei ermöglicht die In-Memory-ERP-Suite, Geschäftsprozesse in Echtzeit zu steuern und neue Geschäftsmodelle und Kundenservices einzuführen.
Autor: Roger Homrich
Foto: Daimler AG


5. Januar 2017: Das Tief Axel bringt Eiseskälte nach Deutschland. Nach einem milden Start in den Winter verursachen Schneeverwehungen, Sturmböen und Blitzeis vor allem in Oberbayern zahlreiche Unfälle. Ohne Schneeketten geht in den Bergen nichts mehr – weder bei den Schneeräumfahrzeugen noch bei den Urlaubern auf dem Weg ins nächste Skigebiet. Primetime für den Familienkonzern RUD, einen der führenden Hersteller von Gleitschutzketten für Pkw und Nutzfahrzeuge.

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Im Gegensatz zu manchem Autofahrer ist das Unternehmen aus dem schwäbischen Aalen jedoch bestens vorbereitet auf den plötzlichen Einbruch der Polarluft aus Sibirien – unter anderem durch SAP HANA und Datenauswertung in Echtzeit. Denn der Hidden Champion hat 2015 damit begonnen, seine bestehende IT-Landschaft zu modernisieren und aus einem Rechenzentrum in Stuttgart in ein T-Systems-Data-Center umzuziehen. „Dabei haben wir direkt auf SAP HANA gesetzt, da wir dank der In-Memory-Technologie und der Echtzeitauswertung von Daten einige zentrale Geschäftsprozesse weiter verbessern und beschleunigen können“, sagt Zoltan Demeter, IT-Chef von RUD, und ergänzt, dass alle Prozesse im Unternehmen darauf ausgerichtet seien, die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen und deren Nutzen zu maximieren. Demeter: „Diese kundenorientierte Strategie ist einer unserer großen Erfolgsfaktoren.“

Kundenservice in Echtzeit

Beispiel Vertrieb und Lagerverwaltung. Die Vertriebsmitarbeiter sind mit Tablet-PCs samt Zugriff auf das ERP-System ausgestattet. Sie erkennen vor Ort beim Kunden, ob bestimmte Produkte von RUD auf Lager sind, übertragen Bestellungen direkt ins System und stoßen ad hoc die Produktion fehlender Teile an. Da SAP HANA sämtliche Daten in Echtzeit verarbeitet, haben die Mitarbeiter immer einen Blick auf die aktuellen Lagerbestände. Die Vertriebler sind damit gegenüber dem Kunden jederzeit auskunftsfähig, was die Servicequalität von RUD nochmals verbessert.
Bereits im Herbst 2014 hatte die Deutsche Telekom RUD in der Kategorie Kostenreduktion für seine Software-as-a-Service-Lösung RUD-ID-Net mit dem „Cloud Champion Award“ gekürt. „Wir statten unsere Kettenteile seit Jahren mit RFID-Chips aus und können so weltweit Daten über deren Zustand auslesen. Unsere Kunden wissen damit jederzeit über die Qualität unserer Produkte Bescheid. Die Prüfmanagementsoftware aus der Cloud unterstützt perfekt unsere Geschäftsstrategie und Vision einer technologischen und qualitativen Innovationsführerschaft“, erklärt Demeter.
„Mit SAP HANA profitieren wir von einer neuen Geschwindigkeit und größerer Detailtiefe unseres integrierten Berichtswesens.“
Zoltan Demeter
IT-Chef der RUD Gruppe

REPORTS MIT MEHR DETAILTIEFE

RUD steht mit dem Wechsel auf SAP HANA erst am Anfang. Schritt für Schritt will der global aufgestellte Mittelständler die Vorteile der Echtzeitdatenverarbeitung auf weitere Geschäftsprozesse ausdehnen – und die Produktions- sowie Vertriebsaktivitäten vollständig in das globale ERP-System SAP S/4HANA integrieren. Zum Beispiel wird das Unternehmen Finanzprozesse wie Accounting, Reporting, Cash-Management oder -Planung digitalisieren. Zuvor hatte der Kettenhersteller dafür DB2 als Datenbanksystem genutzt. „Darüber hinaus profitieren wir von einer neuen Geschwindigkeit und einer größeren Detailtiefe, da Daten aus Verkauf, Materialmanagement und Produktionsplanung in das integrierte Berichtswesen einfließen“, sagt IT-Chef Demeter.
Die Umstellung auf SAP S/4HANA ist eine technologische Reise, die Unternehmen die Chance bietet, ihre Systemlandschaften auf den Prüfstand zu stellen, zu entschlacken und zukunftsfähig aufzustellen. In Verbindung mit Fiori-Apps und mobilen Endgeräten stellt das System Geschäftsführern und Bereichsleitern etwa relevante Daten zum Reporting wie Bilanz und GuV überall und in Echtzeit zur Verfügung. „So haben Kunden die Möglichkeit, unterschiedliche Planungsszenarien ad hoc durchzuspielen und datenbasierte Entscheidungen zeitnah herbeizuführen. Entlang der Funktionen Einkauf, Produktion/Logistik und Vertrieb nutzen kaufmännisch Verantwortliche über ihre mobilen Endgeräte ein operatives Reporting zu Waren- oder Kassenbeständen und treffen somit ihre Entscheidungen antizipativ“, erklärt Teoman Bingül, der als SAP-HANA-Experte von T-Systems das RUD-Projekt begleitet. 
Bei der Migration auf SAP S/4HANA handelt es sich also nicht einfach um ein Upgrade auf eine neue Version eines alten ERP-Systems. Vielmehr ist der Umstieg ein digitales Transformationsprojekt, da Unternehmen mit SAP HANA und der Echtzeitverarbeitung von Prozessdaten den größtmöglichen Nutzen aus der Digitalisierung erzielen können. So rechnen laut einer Studie von Pierre Audo in Consultants (PAC) aus dem November 2016 rund 60 Prozent der befragten Anwender damit, dass SAP S/4HANA zu einer Senkung der Betriebs- und Wartungskosten führen wird. Und ein Drittel der Befragten sieht in der In-Memory-ERP-Suite eine Plattform für digitale Geschäftsmodelle.
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RUD ist ein deutscher Familienkonzern mit etwa 1700 Mitarbeitern und Standorten in mehr als 120 Ländern auf allen Kontinenten. 2015 erzielte das schwäbische Uunternehmen mit der Produktion von Ketten zum Fördern, Heben, Ziehen, Anschlagen und Zurren sowie Gelände-, Reifenschutz- und Schneeketten einen Umsatz von rund 190 Millionen Euro. Ausgezeichnet als „Hidden Champion des 21. Jahrhunderts“ konnte RUD bereits mehrfach im IT-Bereich punkten und zusätzlich zum nationalen Software-Preis „Best in Cloud 2013“ auch den international renommierten „Cloud Champions Award“ erringen. 

ROADMAP FÜR DEN UMSTIEG AUF SAP S/4HANA

Dennoch gibt es auch Vorbehalte. Dazu zählt etwa der schwer abschätzbare Aufwand für die Umstellung. Teoman Bingül rät daher, gemeinsam mit dem Kunden zunächst eine Roadmap zu entwickeln. Dazu gehöre die Analyse der aktuell genutzten Systeme mit einem 360-Grad-Scan. Auf den Prüfstand kommen dabei auch die vorhandenen Datenbestände. Ziel ist es, deren Volumen und Komplexität zu verringern, indem zum Beispiel aktuell nicht mehr benötigte Daten archiviert werden.
Das spart neben Zeit auch Geld. Konkret bei RUD hat die Umstellung der bisherigen IT-Landschaft inklusive des Umzugs in ein anderes Rechenzentrum die Kosten um rund eine Million Euro pro Jahr gesenkt. Die IT-Betriebskosten treiben auch andere Unternehmen dazu an, bestehende SAP-Installationen auf SAP HANA zu migrieren. So kommt die Studie „Projected Cost Analysis of the SAP HANA Platform“ der US-Marktforscher Forrester am Beispiel einer Musterfirma zum Ergebnis, dass diese damit die IT-Kosten um insgesamt 37 Prozent reduzieren kann: um mehr als 70 Prozent für Software, 15 Prozent für Hardware und 20 Prozent für Administration und Entwicklung. Die Ergebnisse beruhen auf Interviews mit vier Unternehmen, die SAP HANA bereits längere Zeit im Einsatz hatten, sowie einer Umfrage bei 25 weiteren SAP-Anwendern.
Dabei legt Forrester dem Modellfall ein Fertigungsunternehmen mit 40.000 Beschäftigten zugrunde, in dem die Größe der SAP-BW-Datenbank 40 Terabyte, die der SAP-ERP-Datenbank zehn Terabyte und die der Datenbank für Eigenentwicklungen zwei Terabyte umfasst. In dem Szenario wird davon ausgegangen, dass das Unternehmen im ersten Jahr SAP BW auf die SAP-HANA-Plattform umzieht, SAP ERP im Jahr darauf und die kundeneigenen Applikationen schließlich im dritten Jahr.
Eines trifft auf alle durch SAP HANA unterstützten Prozesse zu: Unternehmen werden durch schnellere Datenflüsse agiler und verbessern so ihren Kundenservice sowie die Servicequalität. Noch haben viele Firmen dafür nicht die Grundlagen geschaffen, sondern verwalten Prozesse und Informationen in Silos. Dafür nehmen sie in Kauf, dass die Durchgängigkeit von Abläufen und eine Gesamtsicht auf ihr Unternehmen kaum möglich sind. Das wird sich ändern. So haben laut einer Marktanalyse von PAC vom Oktober 2016 41 Prozent der Unternehmen konkrete Pläne, SAP S/4HANA in den nächsten Jahren einzuführen. Sie bewerten die neue Produktgeneration von SAP nicht länger als reines Release, sondern als strategisch wichtig und Ankerpunkt für ihre digitale Transformation.

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