Über Netzwerktechnologien der nächsten Generation schreibt Reinhard Clemens, Telekom-Vorstand und CEO von T-Systems.
Editorial

In eigener Sache.

Reinhard Clemens, Vorstand T-Systems Deutsche Telekom AG und CEO von T-Systems
Die Wirtschaftsschlagzeilen des letzten Januartages hatten durchaus etwas Ermutigendes. Laut ifo Institut hat Deutschland nach einem Jahr den Titel des „Exportweltmeisters“ von China zurückerobert. Ein Überschuss von 297 Milliarden US-Dollar und 8,6 Prozent unserer jährlichen Wirtschaftsleistung sind Werte, die nicht nur unsere Nachbarn und besonders die EU-Kommission hellhörig werden lassen. Aber wofür stehen die Zahlen? – Dafür, dass „made in Germany“ gerade in unseren Erfolgsbranchen Maschinenbau, Schwerindustrie, Chemie und Pharma sowie im Automobilbau immer noch weltweit Erfolg hat. Erst danach kommen „Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse“. Zu Recht kann man daraus schließen, dass reine IT als Ausfuhrgut unseres Landes noch Luft nach oben hat. Tatsächlich hatten ICT-Produkte in unserer Ausfuhrstatistik noch 2004 einen Anteil von 10,4 Prozent. Heute sind es weniger als fünf, in China hingegen aktuell mehr als 25 Prozent. Dennoch glaube ich, dass die Zahlen wenig darüber aussagen, wo wir in Sachen Digitalisierung stehen. Denn vom Mähdrescher bis zur Waschmaschine, über das Maschinenteil bis hin zur intelligenten Medizin wird kaum noch etwas exportiert, dem nicht auch ICT buchstäblich innewohnt. Das wird von der Exportstatistik aber gar nicht erfasst.
Doch welche Wertschöpfungstiefe unsere Wirtschaft tatsächlich aus der Digitalisierung zieht und wie wir hierzulande mit ihren massiven Herausforderungen zurechtkommen wollen, geht uns alle an. Denn die Spitzenposition der deutschen Wirtschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Um Wege aufzuzeigen, wie sie verteidigt werden kann, haben wir als Gastautoren dieser Ausgabe Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik und Forschung eingeladen, den Ist-Zustand der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft aus ihrer Perspektive sachlich zu analysieren und Handlungsbedarfe und -rahmen konkret aufzuzeigen.
Inwieweit bleiben wir hinter unseren Möglichkeiten zurück? Fast scheint es, als fehlte uns zwischen deutscher Gründlichkeit und viel zitierter „German Angst“ der Mut, unsere wahre Größe zu zeigen. Oder macht uns allein schon der Gedanke, Fehler zu begehen, Know-how zu teilen und Opfer einer Cyberattacke zu werden, zu Bedenkenträgern? Wähnen wir beim Stichwort künstliche Intelligenz und Automatisierung unmittelbar den Verlust unseres Arbeitsplatzes, oder sind wir in der Lage, zu abstrahieren und unsere Chancen zu erkennen? Sind wir zu zögerlich darin, mit Venturecapital Start-ups und deren Ideen schneller zum Laufen zu bringen?
Wie wir in Zeiten des Internets der Dinge, des Echtzeit-Internets und autonomer Systeme nicht länger das Bild des digitalen Zwergs bedienen, beantworten uns in dieser „Best Practice“ unter anderem Dorothee Bär, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, der ehemalige Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Wolfgang Clement, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer, sowie der langjährige BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer und der Präsident des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), Prof. Dr. Wolfgang Wahlster. Die Antworten reichen von weichen Faktoren wie Annehmen und Anfreunden über Verantworten und Verstehen bis zur harten Neuorganisation vieler Abläufe, die rund um Deutschlands Digitalisierung vielfach schon längst mit dem nötigen Willen betrieben werden. Nur nicht immer in die gleiche Richtung. Insofern ist diese Ausgabe vermutlich für jeden von uns auch ein Pflichtenheft in eigener Sache.
Herzlichst Ihr
Reinhard Clemens