Für die Digitalisierung im Mittelstand braucht es in Deutschland leistungsfähige IT-Infrastrukturen.
Soll & Haben

„Vom Hidden Champion zum Digital Champion.“

Der Mittelstand ist Deutschlands Wirtschaftsmotor Nummer eins. Kleine und mittlere Unternehmen steuern fast 55 Prozent zu unserer gesamten Wirtschaftsleistung bei. Fast die Hälfte aller „Hidden Champions“ weltweit kommt aus Deutschland. Diese wirtschaftliche Stärke gilt es zu sichern und für die Zukunft zu erhalten. Unsere „Industrial Champions“ müssen „Digital Champions“ werden!
Autor: Dorothee Bär
Fotos: ToKo, Natalie Bothur, Scheer Group, Ines Escherich/Fraunhofer, Festo AG
Illustration: Andrew Timmins
Dorothee Bär
Die Diplom-Politologin Dorothee Bär ist seit Dezember 2013 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastrukturen.
Um es gleich vorwegzusagen – unser Ziel ist klar: Wir wollen für Deutschland die modernste digitale Infrastruktur weltweit, nur so können wir die Potenziale der Digitalisierung optimal nutzen. Zugleich müssen in den Unternehmen die erforderlichen Digitalisierungsprozesse in Gang gesetzt werden. Hier ist Deutschland schon gut, aber noch nicht gut genug. Nachholbedarf gibt es insbesondere bei mittelständischen Unternehmen, sie schöpfen das Potenzial der Digitalisierung bisher bei Weitem noch nicht aus. So kommt etwa eine KfW-Studie von 2016 zu dem Ergebnis, dass sich rund ein Drittel der mittelständischen Unternehmen im Hinblick auf die Digitalisierung erst in einem Grundstadium befindet. Auch sind moderne digitale Technologien wie Cloud Computing in weiten Teilen des Mittelstands bislang nur wenig verbreitet. Die Unternehmen riskieren so, den Anschluss an die Marktentwicklung zu verpassen.

NOTWENDIG UNGLEICH AUSREICHEND

Zum sogenannten German Mittelstand jedoch gehören 99 Prozent aller deutschen Unternehmen. Kein anderes Land weist so viele mittelständische Weltmarktführer auf wie Deutschland. Diese sind oft in ländlichen Regionen zu finden. Der Standort Deutschland kann langfristig nur erfolgreich bleiben, wenn vor allem die mittelständischen Unternehmen gigabitfähige Netze zur Verfügung gestellt bekommen und die Chancen der Digitalisierung nutzen. Hier müssen wir ehrgeizig sein, weder beim Netzausbau noch bei der Digitalisierung in Unternehmen reicht es aus, sich auf das gerade so Notwendige zu beschränken. 
Denn Deutschland entwickelt sich im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung zu einer Gigabit-Gesellschaft. Mit zahlreichen neuen Chancen und Möglichkeiten für Wirtschaft und Gesellschaft. So entstehen beispielsweise neue Kommunikationsformen, Produkte werden individueller, medizinische Diagnosen und Behandlungen besser, der Verkehr sicherer, der Energieverbrauch geringer und unser Alltag insgesamt komfortabler.
Und was hat die Politik bisher dafür getan? Ob für Klein-, Groß- oder mittelständische Betriebe – Voraussetzung für diesen Wandel ist eine gut funktionierende und ausgebaute Infrastruktur. Bereits jetzt werden sieben von zehn Haushalten in Deutschland mit Telekommunikationsanschlüssen versorgt, die mindestens 50 Mbit/s im Downstream bereitstellen. Dies ist eine sehr gute Ausgangsbasis für unser Ziel einer flächendeckenden Versorgung bis Ende 2018. Insbesondere in ländlichen und halb städtischen Regionen sind wir gefordert, da ein rein privatwirtschaftlicher Ausbau in diesen Gebieten oftmals nicht rentabel ist. Hier setzt das Ende 2015 gestartete Breitbandförderprogramm des Bundes an. Insgesamt vier Milliarden Euro nehmen wir für die Förderung in die Hand, die von den Kommunen sehr gut angenommen wird.
„Wir wollen für Deutschland die modernste digitale Infrastruktur weltweit.“
Dorothee Bär
Parlamentarische Staatssekretärin
Die Telekommunikationsunternehmen in der von uns im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gegründeten „Netzallianz Digitales Deutschland“ haben alleine in den vergangenen zwei Jahren jeweils acht Milliarden Euro in den Breitbandausbau investiert und werden zukünftig ihre Investitionen bedarfsgerecht steigern. Dabei müssen wir unsere gemeinsamen Anstrengungen schon heute auf die Gigabit-Gesellschaft richten. Auch das BMVI konzentriert sich bereits jetzt auf entsprechende Maßnahmen. Wir werden uns auf europäischer Ebene im Rahmen der Verhandlungen zum europäischen Kodex für elektronische Kommunikation für investitionsfördernde Rahmenbedingungen einsetzen, die die Kräfte des Wettbewerbs nutzen. Zugleich werden wir unser bisheriges Förderengagement fortsetzen und für die Realisierung von Gigabitnetzen weiterentwickeln. So haben wir vor Kurzem im Rahmen unseres Breitbandförderprogramms einen Sonderförderaufruf in Höhe von 350 Millionen Euro speziell für die Versorgung von bestehenden Gewerbegebieten mit gigabitfähigen Netzen gestartet. Neue Gewerbegebiete werden künftig von vornherein mit Glasfaserkabeln ausgestattet.
Und gerne tun wir deshalb alles dafür, die mittelständischen Unternehmen mehr für die Chancen der Digitalisierung zu sensibilisieren. Gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat das BMVI eine umfangreiche Informationskampagne entwickelt, die sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen richtet. Nach dem erfolgreichen Auftakt zum offiziellen Kampagnenstart im Februar dieses Jahres, hier in unserem Ministerium, sind im Rahmen einer deutschlandweiten Roadshow zahlreiche regionale Veranstaltungen geplant. Dort wird praxisnah und interaktiv über schon heute verfügbare und kommende digitale Anwendungen informiert.

DEN MITTELSTAND ÜBERZEUGEN

Durch konkrete Best-Practice-Beispiele im Bereich virtueller Realitäten zum Beispiel, intelligente und lernende Systeme sowie vernetzte Anwendungen der Industrie 4.0. Wir fördern so die gezielte Auseinandersetzung mit den Potenzialen der Digitalisierung und den Anforderungen an die digitalen Infrastrukturen. Gerade den Mittelstand müssen wir vom unternehmerischen Nutzen hochleistungsfähiger Breitbandanschlüsse überzeugen und ihm die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung verdeutlichen.

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