Start-ups nutzen die Public Cloud als Basis digitaler Transformation. Fünf Beispiele zeigen, wie der Schritt gelingt.
Open Telekom Cloud

Vertrauen ist Trumpf

Ohne Cloud keine Digitalisierung. Immer häufiger setzen sich laut IDC Cloud-Services gegenüber On-premise-Angeboten durch. Denn digitale Initiativen erreichten erst mit der Cloud ihr volles Potenzial. Lange Zeit mit Skepsis betrachtet, rücken dabei Lösungen aus der Public Cloud in den Mittelpunkt. Doch in Europa und insbesondere in Deutschland spielt Datenschutz eine wesentliche Rolle. Fünf Start-ups zeigen, dass Public Cloud trotz Datenschutzbedenken funktioniert.
Autor: Sebastian Mainzer
Fotos: Shutterstock (2), TeleClinic, Fotolia, Fuse-AI
Podcast
Open Telekom Cloud
Podcast: Open Telekom Cloud
"Deutsche Unternehmen geben in diesem Jahr rund 17 Milliarden Euro für Public-Cloud- Computing aus“, schreiben die ISG-Analysten in ihrer aktuellen Prognose für den deutschen Cloud-Markt. Somit sei die Public Cloud das Fundament der digitalen Transformation. Dennoch gestehen mehr als ein Drittel der Unternehmen laut einer Kaspersky- Studie ein, „dass sie nicht sicher sagen können, ob und welche Firmendaten im eigenen Netzwerk oder bei einem Cloud-Anbieter gespeichert sind“. Die Frage nach Datenschutz und Datensicherheit scheint die Unternehmen also nach wie vor zu verunsichern. Die Open Telekom Cloud als deutsches Cloud-Angebot eines deutschen Anbieters könnte die Zweifler überzeugen. Fünf Start-ups zeigen, dass sie trotz des Umgangs mit personenbezogenen Daten und skeptischen Kunden den Sprung in die Public Cloud gemacht haben.

24-Stunden-Sprechstunde aus der Cloud

TeleClinic
Prof. Dr. Reinhard Meier, Katharina Jünger und Patrick Palacin (v. l.)
Das Gründerteam der TeleClinic: Prof. Dr. Reinhard Meier, Katharina Jünger und Patrick Palacin (v. l.). 
„Wir arbeiten mit Patientendaten, deshalb hat bei uns Vertrauenswürdigkeit oberste Priorität“, sagt Patrick Palacin, Gründer und Chief Technology Officer bei TeleClinic. Das Münchner Start-up will nicht nur das lange Ausharren im Wartezimmer, sondern gleich den gesamten Arztbesuch digitalisieren – mit einer TeleClinic, die rund um die Uhr erreichbar ist. Patienten kontaktieren Allgemeinärzte und Fachmediziner einfach per App, Website oder Telefon. Dafür suchte das Unternehmen einen Anbieter, der mit seinem Cloud-Service und seiner Reputation dabei unterstützt, nachhaltig im Markt Fuß zu fassen: „Die Partnerschaft mit der Telekom unterstreicht unsere Kompetenz und unsere Seriosität. Und das öffnet Türen schneller, sowohl bei unseren Patienten – also unseren Kunden – als auch bei den Krankenversicherungen, die wir als Kooperationspartner gewinnen möchten“, sagt Palacin.

Mit Künstlicher Intelligenz gegen Krebs

Die Open Telekom Cloud unterstützt Ärzte nicht nur bei der Anamnese, sondern auch bei der Diagnose – mithilfe künstlicher Intelligenz. FUSE-AI, ein Unternehmen aus Hamburg, hat ein System entwickelt, das Hinweise auf Krebs wie Karzinome auf MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomografie) erkennt und klassifiziert.
FUSE-AI
Maximilian Waschka
Zur Krebsfrüherkennung lässt das Unternehmen, hier Firmengründer Maximilian Waschka, MRT-Aufnahmen hochverschlüsselt in die Open Telekom Cloud über tragen und dort analysieren.
„Ziel ist es, Radiologen mit einer computergestützten zweiten Meinung die Arbeit zu erleichtern und die Diagnosen unter dem Strich noch zuverlässiger und treffsicherer zu machen“, sagt Maximilian Waschka, einer der vier Gründer von FUSE-AI. Hintergrund: Radiologen analysieren nicht selten täglich mehrere Tausend MRT-Aufnahmen. Natürlich erwarten ihre Patienten höchste Konzentration, damit dabei kein Fehler passiert. Eine schwierige Aufgabe, die FUSE-AI vereinfachen und optimieren will.
Zu diesem Zweck werden MRT-Aufnahmen verschlüsselt in die hochsicheren Rechenzentren der Telekom in Sachsen-Anhalt übertragen und dort analysiert: Die Intelligenz aus der Cloud markiert Auffälligkeiten, versieht Bilder mit Metainformationen und sendet sie anschließend an den Arzt zurück. „Die Open Telekom Cloud ist ein Instrument, das uns überhaupt erst die Flexibilität und die Skalierbarkeit bietet, um eine derartige Lösung zu realisieren“, sagt Dirk Schäfer, Machine-Learning-Experte und Mitgründer von FUSE-AI. Dabei ist die Karzinomerkennung nur der Anfang: „In Zukunft werden wir dazu beitragen, mithilfe der Open Telekom Cloud noch weitere Volkskrankheiten deutlich schneller, umfassender und zuverlässiger zu erkennen“, sagt Sabrina Reimers-Kipping, promovierte Biochemikern und Mitgründerin von FUSE-AI. Mit ihrer Lösung lassen sich laut FUSE-AI darüber hinaus künftig mindestens zehn Prozent der Kosten einsparen, die Krankenkassen bei Untersuchungen wie MRT entstehen.

Mit Big Data in die Zukunft blicken

HRForecast
Florian Fleischmann (l.) und Christian Vetter
Das von Florian Fleischmann (l.) und Christian Vetter gegründete Unternehmen übersetzt die Geschäftsstrategien seiner Kunden in zukünftige Personalbedarfe und Kompetenzanforderungen und liefert dazu aus der Open Telekom Cloud Big- Data-Analysen zum Arbeitsmarkt.
Prognosen ganz anderer Natur bietet HRForecast. Welche Fähigkeiten brauchen Mitarbeiter meiner Branche künftig? Wie viele Schul- und Hochschulabsolventen stehen mit welchen Qualifikationen wann zur Verfügung? Und wie tickt der Nachwuchs eigentlich? Antworten auf diese Fragen sind für Unternehmen Gold wert. HRForecast liefert sie – mithilfe von Big-Data-Analysen aus der Open Telekom Cloud.
Das Prinzip: Eine Software sammelt so viele Informationen wie möglich aus öffentlich zugänglichen Statistiken und Quellen, die die beauftragenden Unternehmen zur Verfügung stellen. Anschließend analysiert HRForecast die gesammelten Daten mit hohem Rechenaufwand und leitet daraus Handlungsempfehlungen ab. In Deutschland stieß HRForecast damit jedoch auf unerwartete Hürden. Denn für die umfangreichen Analysen nutzt das Unternehmen regelmäßig umfassende Rechenkapazitäten aus der Cloud. Bis vor Kurzem griff es dafür auf IT-Ressourcen von Amazon Web Services (AWS) zurück. Doch damit ergab sich ein Problem: „Leider hat die Erfahrung gezeigt, dass ein US-amerikanischer Cloud-Anbieter oft Unbehagen und Sicherheitsbedenken hervorruft, besonders bei deutschen Kunden“, so Unternehmensgründer Christian Vetter.
Deshalb wechselte HRForecast zur Open Telekom Cloud. Damit erfüllt das Unternehmen nun auch die Ansprüche von Geschäftskunden auf dem deutschen Markt.

Fabriken aus dem Visier der Hacker nehmen

KORAMIS
Marco Di Filippo
KORAMIS, hier Marco Di Filippo, Head of Cyber Security Engineering macht die IT von Kraftwerken, Produktions- und Industrieanlagen über die Open Telekom Cloud sicherer.
Auf die Sicherheit ganzer Produktionsanlagen hat sich das Saarbrücker Unternehmen KORAMIS spezialisiert. Noch immer eine echte Marktlücke, denn: Prozessleittechnik, Anlagensteuerung und Industriesoftware sind, gemessen an ihrer Relevanz, oft schlecht gegen Angriffe geschützt. Laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau musste die Hälfte der Industrieunternehmen 2017 Kapitalschäden aufgrund von Hackerangriffen hinnehmen, rund ein Drittel (31 Prozent) meldete gar Produktionsausfälle. Ein Kuriosum, denn obwohl Industrieanlagen zum Herzstück vieler Unternehmen gehören, sind sie oft verwundbarer als ein durchschnittlicher Büro-PC.
„Die Industrie steht viel stärker im Visier der Hacker, als den Unternehmen bewusst ist“, sagt Marco Di Filippo, Head of Cyber Security Engineering bei KORAMIS. Hier bietet KORAMIS Abhilfe – mit Analysen und Sicherheitspaketen speziell für die IT von Chemieparks, Verkehrsbetrieben oder Smart Factories. Das Unternehmen deckt unter anderem mit Simulationen in der Open Telekom Cloud IT-Schwachstellen von Produktionsanlagen auf und entwickelt daraus Schutzmaßnahmen. Di Filippo: „Die Open Telekom Cloud liefert uns immer exakt die Leistung, die wir benötigen. Je nach Auftrag, Projektart und Dauer beziehen wir per Mausklick virtuelle Rechen- und Speicherressourcen.“ So greift KORAMIS in Spitzenzeiten auf 250 Prozessoren zurück; im Normalbetrieb sind es 16.
Die Services von KORAMIS sind gefragt. Auch weil für die Auftraggeber deutscher Datenschutz entscheidend ist. „Hosting und Betrieb der Open Telekom Cloud erfolgen in Deutschland nach hiesigem Recht“, sagt Di Filippo. „Und Datenschutz wird hier großgeschrieben. Eine Tatsache, die für unsere Kunden, die zum Beispiel aus der Energie- oder Automobilwirtschaft kommen, durchaus zählt.“

Digitaler Gebäudezwilling

NavVis
NavVis
Mit sechs 360-Grad-Kameras und drei Scannern bestückt das Gründerteam von NavVis seine Kartierungstrolleys, die jeden Innenraum zentimetergenau vermessen. Via Open Telekom Cloud werden die Scandaten in einem von NavVis entwickelten IndoorViewer zu exakten 3D-Modellen aufbereitet.
Die Baubranche hinkt bei der digitalen Transformation hinterher. Das will NavVis ändern, indem im Handumdrehen digitale Kopien von Gebäuden erstellt werden: mit 3D-Modellen und 360-Grad-Panoramafotos, die für mehr Effizienz und bessere Zusammenarbeit auf Baustellen sorgen sollen. Technische Basis des Ganzen: die Open Telekom Cloud.
Die Aufnahmen entstehen mit einem Trolley, bestückt mit sechs 360-Grad-Kameras sowie drei Laserscannern. Wer den Trolley durch ein Gebäude schiebt, erfasst damit jeden Winkel, vermisst die Innenräume zentimetergenau und digitalisiert sie vollständig – bis zu 30.000 Quadratmetern am Tag. Die gewonnenen Daten werden anschließend in das Herzstück der Lösung exportiert: den IndoorViewer, in dem das exakte 3D-Modell der Räume per Webbrowser besichtigt werden kann. Zusätzlich dienen die erfassten Daten als Grundlage zur unkomplizierten Indoor-Navigation.
NavVis hat mit seinem weltweit einzigartigen System eine Marktlücke besetzt. Denn während Straßen und Städte durch Dienste wie Google Street View bereits weitgehend digital erfasst sind, sind nur rund zehn Prozent der Innenräume digitalisiert. Die Telekom führt die Indoorscans durch, bearbeitet und hostet die digitalen Daten in der Open Telekom Cloud. „Besonders für deutsche Kunden ist eine nachgewiesene Datenspeicherung und -verarbeitung nach den strengen deutschen Datenschutzbestimmungen entscheidend“, sagt Patrick Eberwein, verantwortlicher Start-up- und Partnermanager von der Telekom. „In unseren hoch sicheren, mehrfach zertifizierten Rechenzentren sind die Daten der Scans optimal geschützt.“

Weitere Informationen