SBB dank Software NOVA noch pünktlicher
SBB

Einmal Schweiz komplett

Der öffentliche Personenverkehr in der Schweiz spiegelt gewissermaßen ein Klischee. Denn das Stereotyp der hypergenau funktionierenden Uhrwerke, ihrer – by the way – zweitwichtigsten Exportbranche, haben die Verkehrsorganisationen schlicht in die Realität umgesetzt.
Autor: Sven Hansel
Fotos: Eberhard Reimann
Der Bahnverkehr in der Schweiz gehört zu den pünktlichsten der Welt und auch der ÖPNV ist absolut zuverlässig. Jetzt legen die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) gemeinsam mit der T-Systems Schweiz als Systemintegrator noch einen drauf und schaffen mit NOVA („Die neue ÖV-Anbindung“) ein europaweit herausragendes Projekt. Ganz gleich, wohin ein Reisender in der Schweiz künftig fahren möchte: ein Trip – ein Ticket, so lautet das Ziel. Und dies – was den eigentlichen Clou ausmacht – völlig unabhängig vom Verkehrsmittel.
Denn die Schweiz ist nicht nur ein ausgesprochenes Bahnland, sondern auch ein Schiff-, Seilbahn- und Busland. All diese Verkehrsmittel sind nun in NOVA integriert. Das heißt, im Land zwischen Genfer-, Boden- und Luganer See haben mehr als 200 Mobilitätsdienstleister – Tendenz steigend – ihre Verkaufssysteme wie Ticketautomaten, Webshops oder mobile Apps an die Plattform angeschlossen. Gibt nun ein Nutzer eine Anfrage ein, berechnet NOVA Preise und Strecke in dem mitunter komplexen Tarifsystem. Der Reisende muss nur noch einen Fahrschein lösen, mit dem er dann nahtlos und unkompliziert reist, auch mit einem Mix aus den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln. Selbst Carsharing ist integriert. Ein konkretes Beispiel zeigt, welchen Vorteil die Fahrgäste aus NOVA ziehen. Suchten sie bis dato beispielsweise eine Verbindung von Zug im gleichnamigen Kanton nach Luthern im Kanton Luzern, bekamen sie eine komplizierte Strecke mit einer Fahrzeit von bis zu einer Stunde und 44 Minuten angezeigt. Reine Fahrtzeit, wohlgemerkt, denn für diesen Weg gab es keine sinnvolle Verbindung im Fahrplan. NOVA hingegen berechnet die optimalen Anschlüsse, wechselt zwischen Zug und Bus und kommt letztlich zu einer Echtzeitdauer von einer Stunde und 29 Minuten inklusive sinnvoller Umsteigemöglichkeiten.
„Als handfester Beitrag zur Digitalisierung hat sich NOVA sofort bewährt .“
Urs Richert, Projektleiter Schweizerische Bundesbahnen SBB
„Der Endkunde möchte keine aufreibende Komplexität, sondern effiziente Mobilität“, bringt Daniel Röder, NOVA-Projektverantwortlicher bei T-Systems, den Nutzen der neuen Plattform auf den Punkt. Und offensichtlich entspricht die IT-Innovation den Kundenwünschen, denn bis zu 300.000 Tickets werden darüber täglich vertrieben, 5.000 Preisanfragen gehen pro Minute ein und seit dem Start setzte NOVA Ticketleistungen in einer Summe von 1,4 Milliarden Schweizer Franken um. Aus Sicht der SBB bedeutet das: „Mit NOVA haben wir nun eine zentrale, landesweite Vertriebsdrehscheibe in Betrieb genommen, die sich heute schon bewährt und die Zukunftssicherheit in vollem Umfang gewährleistet – ein handfester Beitrag für die Digitalisierung“, resümiert Urs Richert, Vertragsverantwortlicher ZPS des Unternehmens. Auch technologisch ist das neue System eine Wucht. 
Das rein Cloud-basierte NOVA löste naturgemäß unzählige Altsysteme und Backend-Anbindungen ab, notabene, von – Stand heute bereits – annähernd 200 Unternehmen, die ihre Verkehrsleistungen, Ticketverkäufe und Auskünfte mit NOVA verknüpfen. Das bedeutet: Von den verschiedenen Point-of-Sale-Lösungen über Hunderte Backend-Applikationen und Eigenentwicklungen bis hin zu den Offlineterminals von Busschaffnern in den entlegensten Tälern sind alle für den Fahrscheinverkauf wichtigen Systeme nahtlos ohne Medienbrüche integriert. Hierzu zählen auch Abrechnungssysteme und etwa die Lösungen für die Fahrscheinkontrolleure. Und das ist alles andere als selbstverständlich. „Allein die Art und Weise, wie und wo ein Verkehrsunternehmen den QR-Code auf sein Ticket anbringt, muss mit sämtlichen Transportunternehmen abgeklärt sein und kostet Zeit sowie Ressourcen“, gibt Daniel Röder ein plastisches Beispiel der für die Plattform nötigen Aufwände.
Überzeugt hat NOVA auch die Jury des Digital Economy Awards, der zu den bedeutendsten IT-Auszeichnungen der Schweiz gehört. Hier hatten sich die SBB gegen 18 Finalisten durchgesetzt. Nominiert war NOVA in den Kategorien „Digital Innovation Of The Year“ und „Highest Digital Quality“. Den Sieg holte sie dann in der letztgenannten Kategorie. Damit würdigte das Gremium, dass das Projekt erfolgreich die Integration der unterschiedlichen Ökosysteme und Akteure im öffentlichen Verkehr in einer komplexen und heterogenen Landschaft gemeistert hat. „Es hat Vorbildcharakter über die Landesgrenzen hinaus und bietet einen hohen Kundennutzen, verbunden mit einem einfachen Kundenerlebnis. Dies ist für die Kunden im Alltag hochgradig relevant. Die Vielzahl der ÖV-Anbieter in ein gemeinsames Vorhaben schweizweit zu integrieren erfordert extremen Abstimmungsbedarf und Konsensfähigkeit. Dies alles ist nur möglich, wenn die Plattform höchsten Qualitätsansprüchen genügt“, so die Bewertung der Jury. Die Schweiz ist mal wieder ein Beispiel für maximale Zuverlässigkeit, das Schweizer Uhrwerk mehr als ein Klischee, sondern Role-Model für den Rest Europas und darüber hinaus.

Ihr Ansprechpartner: Daniel.Roeder@t-systems.com