Sparkassen stellen auf All-IP um
SIZ Service GmbH

Sparkassen wechseln zu All-IP

Mit ihrem Kommunikationsdienstleister SIZ Service GmbH stellt die Sparkassen-Finanzgruppe die Weichen für die „digitale Zukunft“. Quasi ein Mammutprojekt dabei: Die bundesweite All-IP-Umstellung aller Mitgliedsunternehmen des Verbunds mit etwa 800 Einzelkunden.
Autor: Sven Hansel
Fotos: Norbert Ittermann
Die Schrankenanlage vor dem Parkplatz. Der Autofahrer klingelt, es meldet sich der Pförtner – via Telefonleitung. Der Aufzug bremst grundlos zwischen dem zweiten und dritten Stock und bleibt dann komplett stehen. Dann genügt ein Knopfdruck und die Passagiere erreichen glücklicherweise die Technikzentrale – über das Lifttelefon. Oder auch Drehkreuze und Zugänge, hier sorgen Kameras für Sicherheit, sie übertragen ihre Daten über das ISDN-Netz. „Telefonie hat es in den Sparkassen, die ja eine lange Geschichte haben, immer gegeben. Aber erst jetzt, in unserem Projekt, merkt man, wo sie tatsächlich überall drinsteckt und wie intensiv man jeden Tag in allen Facetten des Geschäfts darauf angewiesen ist“, sagt Benno Rieger.
Der Mann weiß ganz genau, wovon er spricht. Wirtschaftsinformatiker Rieger ist Chef der Bonner SIZ Service GmbH. Das Unternehmen versorgt die Sparkassen-Finanzgruppe mit Kommunikationslösungen, womit in erster Linie Festnetztelefonie und Mobilfunk gemeint sind. Und in dieser Aufgabe steuert er in diesen Tagen ein Mammutprojekt: Er und seine Teams sorgen gemeinsam mit T-Systems dafür, dass bundesweit etwa 10.000 Anschlüsse von klassischer Telefonie auf All-IP umgestellt werden. Somit ist dies eine der größten Umstellungen im Telekom Konzern bis dato; eine Blaupause für weitere IP-Projekte bei anderen Unternehmen.

Von der Landesbank zur Sparkasse

Besonders anspruchsvoll wird die Weichenstellung für die digitale Zukunft der Sparkassen durch die einzigartigen Strukturen des Unternehmens. 800 Einzelkunden bedient die SIZ Service GmbH. Dazu gehören sowohl große Institute wie die Sparkassen in Hamburg oder Köln und Landesbanken mit mehreren Tausend Mitarbeitern als auch kleine LBS- oder Provinzial-Büros mit drei, vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und all diese Unternehmensteile benötigen dieselbe zuverlässige Zuwendung, wenn es um den Wechsel in das moderne Kommunikationsnetz geht. Das rührt auch von der gesetzlich verankerten Aufgabe der Sparkassen-Finanzgruppe her. Denn ihre Institute sind keine „normalen“ Banken, sondern in der Regel sogenannte „gemeinnützige öffentlich-rechtliche Universalbanken in kommunaler Trägerschaft“. Anders als das hippe Fintechunternehmen oder die reine Internetbank müssen sie die Bevölkerung beispielsweise mit Bargeld versorgen oder den Zahlungsverkehr ermöglichen. Das heißt, der Kunde weiß vielleicht gar nicht, dass seine Sparkasse um die Ecke nicht nur im Wettbewerb mit den zahlreichen anderen Bankformaten steht, sondern auch an zahlreiche regulatorische Vorgaben gebunden ist, die die Konkurrenz nicht einschränken. „Und das hat eben auch zur Folge, dass die IP-Umstellung unserer 800 Kunden nicht zu 100, sondern zu 1.000 Prozent verlässlich sein muss“, sagt SIZ-Service-Chef Rieger, „Sparkassen müssen funktionieren, Ausfall ist keine Option!“ 
Um diese absolute Verlässlichkeit zu gewährleisten, ging die SIZ Service GmbH gemeinsam mit T-Systems generalstabsmäßig vor – ein branchenübergreifendes Positivbeispiel.

Permanente Information ebnet den Weg zum Go-Live
Gemeinsam projektverantwortlich – der Wirtschaftsinformatiker Benno Rieger,  Leiter der SIZ Service GmbH (links), und T-Systems-Accounter Dirk Zierhut.

Erster Schritt dieses IP-Schlachtplans: Planung. Ein dediziertes Projektteam wurde beispielsweise eingesetzt, ebenso ein schlagkräftiger Lenkungsausschuss, in dem wirklich alle für den Prozess relevanten Vertreter anwesend sind. „Ohne den regelmäßigen Lenkungsausschuss wären wir komplett verloren, die Kollegen leisten großartige Arbeit“, lobt der SIZ-Service-Chef. Zweiter Schritt: Analyse. „Wir haben bis in den letzten Winkel unserer Kunden geforscht, wo überall Telefonie verwendet wird, wozu sie eingesetzt wird und wie bedeutend sie ist“, so Rieger. Dazu gehörte auch, dass sehr granular untersucht wurde, an welchen Stellen im Netz durch den Wechsel zur neuen Technologie welche Funktionen nicht mehr verfügbar sein werden oder durch digitale Funktionalitäten substituiert werden. Dritter Schritt: Information. „Wir sind in die Fläche gegangen, haben regionale Infoveranstaltungen organisiert oder auch Newsletter aufgesetzt. Wir sind also sehr frühzeitig und detailliert auf die Betroffenen zugegangen“, sagt Dirk Zierhut, für die SIZ- und SIZ Service GmbH zuständiger Account-Manager bei T-Systems. Vierter Schritt: Vorbereitung des Go-live. Wenn man weiß, dass am Tag X der Umstellung diese oder jene Überwachungskamera ausfallen wird, dann postiert man an ihrem Standort einen zusätzlichen Wachmann.

Datensicherheit als Markenkern 

Der fünfte und letzte Schritt des Projekts ist naturgemäß der bedeutsamste: die Umsetzung. Auch hier setzt das Vorgehen der SIZ Service GmbH Maßstäbe, etwa bei der Sicherheit. Denn ein Reiz von All-IP ist, dass sie Technologie bündeln kann. Wo früher beispielsweise ein ISDN- Anschluss mit zwei Sprachkanälen vorhanden war, liegt heute All-IP, das bis zu 1.000 und mehr Kanäle in einem Anschluss vereinen kann. Dieser grundsätzlich deutliche Vorteil birgt indes auch Herausforderungen: Fällt dieser Anschluss aus, sind mal eben zig Filialen ohne Kommunikation. Außerdem gelten für Sparkassen besondere regulatorische Vorgaben beim Umgang mit Kundendaten. Letztlich darf es natürlich auch keinesfalls sein, dass durch diese massive Bündelung Schlupflöcher entstehen, durch die Cyberkriminelle via IP in die Kernsysteme eindringen können. Konsequenz: Ein ganzes Jahr lang erarbeiten die SIZ Service GmbH und T-Systems ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept. „Dreh- und Angelpunkt darin ist, dass unser Sicherheitsanspruch immer gewährleistet sein muss, auch wenn eine IP-Leitung nach draußen geht. Datenschutz und Datensicherheit sind unser Markenkern – für immer“, so Benno Rieger.
Voraussichtlich gut eineinhalb Jahre läuft dieser vorbildliche Gesamtprozess noch, bei dem es – was angesichts der Dimensionen keinesfalls erstaunt – auch hier und da mal zu Verzögerungen oder technischen Herausforderungen kommt. So müssen bei IP-Telefonie beispielsweise Funktionen wie Rufweiterleitungen im Störungsfall individuell eingepflegt werden, sie sind im Standard nicht verfügbar. Letztlich können dann aber vom Jahr 2020 an alle 800 angeschlossenen Kunden der SIZ Service GmbH von der modernen Technologie profitieren. „Die Mischung aus analog und digital, das ist das Herzblut der Sparkasse“, bringt Benno Rieger die Erwartungshaltung an All-IP auf den Punkt.
"Luftschnittstelle" für den Notfall
Innerhalb der Sparkassen-Organisation sind bundesweit bereits zwölf der Notfallkoffer von T-Systems im Einsatz.

Wie Vor-Ort-Präsenz konkurrenzfähig bleibt 

Denn die Sparkassen-Institute wollen weiterhin trotz Margendruck, Niedrigzinsphase und Internetwettbewerb mit ihrer starken Vor-Ort-Präsenz beim Bankkunden punkten. Die nächste Bank ist zwar immer nur einen Mausklick entfernt, aber der Markenkern der Sparkassen erfährt durch All-IP eine Stärkung. Rieger: „Bankkunden nutzen heute für erste Informationen fast ausnahmslos das Web. Dann erst kommen sie in die Filiale vor Ort. Und hier gilt es dann, ad hoc beispielsweise einen Steuer- oder Immobilienexperten per Videokonferenz zuschalten zu können.“
Somit sind die Sparkassen gut für eine Kundenbeziehung über alle Kanäle gewappnet. Banking findet heutzutage eben auch auf der heimischen Couch mittels Tablet und Onlineanbindung statt, via App, Chat oder Video. Darüber hinaus senken die Institute durch All-IP massiv ihre Kosten, denn die Bündelung macht die Telefonie, verglichen mit den vorherigen Anschlüssen, deutlich günstiger. Neue Möglichkeiten der Echtzeitinteraktion können eingeführt werden, und selbst massive Volumina machen keinerlei Probleme, denn All-IP lässt maximales Skalieren zu. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat sich somit für die Zukunft gewappnet, eine Zukunft, die nur durch die Verquickung von analoger und digitaler Bank funktionieren kann, ihr Herzblut eben.

Ihr Ansprechpartner: Dirk.Zierhut@t-systems.com