Videokonferenz mit Echtzeit-Übersetzung
Telepräsenz

Anchorman der Videokonferenz

Videokonferenzen selbst zwischen mehrere Tausend Kilometer voneinander entfernten Firmenstandorten und in unterschiedlichen Sprachen können künftig deutlich lebensnaher und einfacher gestaltet werden. Ein von T-Systems entwickeltes Sprachtalent auf Rädern sorgt dafür. 
Autor: Sven Hansel
Fotos: iStockphoto
Hollywoodblockbuster im Kino in 3D sind längst Standard, Virtual- und Augmented-Reality-Lösungen ziehen in die Fabrikhallen ein und virtualisierte Server ersetzen Unmengen an echter Hardware – die virtuelle Welt vermischt sich immer mehr mit der stofflichen. Eine weitere Innovation für diesen Weltenmix kommt jetzt von russischen Tüftlern der T-Systems.
„Wir wollen damit Sprachbarrieren und Distanzen überwinden“, sagt Kirill Vaniukov, technischer Projektmanager bei T-Systems in Sankt Petersburg. Dafür koppelten Vaniukov und seine Kollegen einen Telepräsenzroboter des US-Start-ups Double Robotics mit Echtzeitübersetzungssoftware. Idee: Double – der etwas an die Segway-Roller erinnert – lässt sich bei einer Videokonferenz zwischen beispielsweise Moskau und Bonn von einem Gesprächsteilnehmer in der Telekom-Zentrale fernbedient bewegen, der Robo selbst steht dann in Russland im Besprechungsraum. Die Kollegen in Osteuropa sehen den virtuellen Counterpart in Bonn über das iPad des Roboters an, begegnen ihm sozusagen auf Augenhöhe. Gewissermaßen wie der Anchorman einer Video-Konferenz kann Double dann während der Kommunikation seine Position verändern und jeden einzelnen Meetingteilnehmer „anschauen“, der Gesprächspartner wird also greifbarer. “Ein rollendes Digital-Alter-Ego“, wie das Magazin „Der Spiegel“ unlängst staunte.
Der Clou ist, dass Double mit einem Echtzeit-Übersetzungsmodul verbunden ist. Sagt dann Vaniukov etwa zu seinem Bonner Kollegen ins Headset: „Привет, Майкл, как дела?“ hört und sieht der auf seinem Bildschirm: „Hallo Michael, wie geht’s dir?“ Insgesamt ist das Meeting durch Double also nicht nur fassbarer, sondern auch unkomplizierter geworden.
Neben Russisch, Englisch und Deutsch beherrscht die Echtzeitübersetzung mit Roboterkollege Double zum Start auch Japanisch, Chinesisch und beispielsweise Hindi. Im ersten Schritt basieren die Services auf Microsoft-Technologien, „aber wir haben die Lösung so aufgebaut, dass auch andere Hersteller von Übersetzungssoftware zum Zug kommen können“, so Vaniukov. Noch in diesem Jahr soll die Erfindung zur Marktreife gebracht werden. Neben dem Double benötigen Anwender nur noch einen Browser und eine Webcam, um via Tablet oder PC damit umzugehen. „Wir denken, dass die Lösung branchenunabhängig gute Dienste leistet. Und vor allem für weit verteilte Unternehmen spannend ist. Damit ist man in Meetings einfach deutlich präsenter“, sagt Timo Taschewski, der das Projekt für die deutsche T-Systems begleitet hat. Natürlich haben die Entwickler dabei auch auf maximale Sicherheit geachtet: „Double startet sich niemals selbst, um dann etwa autonom durch Büros zu fahren und Bilder aufzunehmen, sondern man muss immer einen Anruf aktiv annehmen, damit es losgeht“, so Taschewski.
Ist der erste Einsatzzweck von Roboter Double und seiner erweiterten Softwareausstattung mit der Übersetzung klar definiert, so denkt Timo Taschewski bereits an ganz neue Szenarien: „Double als Tourguide, der festgelegte Routen in einem Museum abfährt und den Besuchern die Kunstwerke in ihrer Landessprache erklärt – die Möglichkeiten sind da grenzenlos.“ Es ist also wirklich so, virtuelle und stoffliche Welt vermischen sich immer mehr und jetzt auch noch mit Echtzeitkommunikation.

Ihr Ansprechpartner: Kirill.Vaniukov@t-systems.com