Pedro Martinez von Mexichem | Best Practice
CIO-Talk

Industry 4.0 – die digitale Zukunft der Rohstoffe

Mexichems CIO Pedro Martínez und T-Systems’ Global Account Executive Maricarmen Torres sprechen über digitale Strategien auf Konzernebene, Lernkurven in globalen Partnerschaften und das Einlösen von Versprechen
Autor: Thomas van Zütphen
Fotos: Oliver Krato
Herr Martínez, Mexichem ist auf weltweitem Expansionskurs. Welchen Beitrag leistet die IT zu diesem Unternehmenserfolg? 
Eine zuverlässige IT bedeutet für Mexichem, dass interne Ressourcen umstrukturiert werden können, was wiederum zu einer Neuausrichtung unseres Approaches führt: Dadurch sind wir in der Lage, uns auf eine Steigerung des Business Value zu fokussieren. Wir bieten eine umfangreiche Produkt- und Dienstleistungspalette an und operieren weltweit. Dies erfordert IT-Lösungen, die viele unterschiedliche Szenarien erfüllen. Damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können, muss die uns unterstützende IT-Infrastruktur transparent sein. Das Einstecken eines Ladekabels am Smartphone oder das Aufdrehen des Wasserhahns funktioniert einfach automatisch. Dasselbe soll auch für das Abrufen von E-Mails, die Arbeit an einem sicheren Netzwerk oder die Anwendung von SAP® sowie die Durchführung von globalen Webcasts für alle Mitarbeiter gelten. Hier den richtigen Partner zu finden, der uns mit der Grundtechnologie für den globalen Rollout unterstützt und dabei möglichst reibungslos agiert, noch dazu mit einem soliden Preis-Leistungs-Verhältnis, ist der Schlüssel zum Erfolg. Dadurch schaffen wir eine Plattform für wichtige Themen und klären Fragen wie „Wie können wir die Kundenbindung steigern?“ oder „Wie können wir digitale Projekte für bestimmte Regionen anstoßen?“. Hat ein Unternehmen hier mit massiven IT-Problemen zu kämpfen, können solche Themen unmöglich behandelt werden.

FACTS & FIGURES 
Mit seinen Wurzeln in der Verarbeitung von Erdöl und Erdölprodukten zu Kunststoff und mit einer über 60-jährigen Firmengeschichte ist Mexichem heute ein führender Produzent innovativer Lösungen für unterschiedlichste Branchen und Industriezweige. Zu den Geschäftsbereichen gehören unter anderem die Produktion und Infrastruktur von Kunststoffrohranlagen, Datenkommunikation, Bewässerung sowie die Entwicklung spezieller Werkstoffe.

Wavin in Holland, Dura-Line in den USA und Netafim in Israel sind nur drei Beispiele Ihrer letzten Firmenzuwächse. Können Sie uns beschreiben, durch welche Geschäftszweige Ihr Portfolio sich nun erweitert hat? ​​​​​​​
Wie unser Firmenname verrät, fingen wir als mexikanischer Produzent synthetisch hergestellter Rohstoffe an, gewissermaßen chemiebasierter Gebrauchsware. Bis heute haben wir uns zu einem Versorger von innovativen Lösungen entwickelt, der sich der unterschiedlichsten Arten von globalen Belangen annimmt. Aktuell stammen 60 Prozent unseres EBITDA aus fachlich spezifischen Produkten und Lösungen. Dazu zählen unter anderem Präzisionsbewässerungsanlagen, maßgeschneiderte Harzverbunde, spezielle Daten- und faseroptische Kabel, aber auch Fluoridverbindungen für die Medizin- und Automotive-Industrie. Unser breites Angebot zeichnet uns als wahren Global Player aus und erlaubt uns, diverse gesellschaftliche, mitunter sogar globale Herausforderungen in Angriff zu nehmen wie die Nahrungsmittelsicherung, Wasserknappheit, Landflucht und die zunehmende Urbanisierung. Wenn Sie so wollen, sind wir in diesem Moment gerade wieder dabei, den Geschäftszweck unseres Unternehmens neu zu definieren. Wir möchten besser darstellen, was dieses einzigartige und starke Portfolio im Inneren zusammenhält. Technologie spielt dabei eine tragende Rolle, indem sie uns hilft, den Weg schneller zu beschreiten und mehr zu sein als die Summe unserer Teile. Wir bewegen uns von der Rolle des Lieferanten von Rohstoffen hin zum Anbieter echten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Impacts für unsere Kunden in Regionen und Ländern, in denen wir operieren. Das ist ein grundlegend anderes Verständnis von Portfolio. Wir positionieren uns beispielsweise als führender Entwickler für Lösungen der Nahrungsmittel- und Wasserknappheit, für Lösungen in Bezug auf die Nachfrage nach steigenden Erträgen der Landwirtschaft sowie für höhere Standards der Nachhaltigkeit bei der Befruchtung.

Vita
IT-Chef Pedro Martínez Puig (47) ist seit Oktober 2015 als Corporate Vice President der IT beim Konzern beschäftigt. Zuvor war er CIO der Unternehmensgruppe Henkel für die Region Lateinamerika und anschließend Leiter der IT wie auch Process Owner am Hauptsitz von Henkel in Düsseldorf. Pedro Martínez hat einen Bachelorabschluss in Management und Business Administration der ESADE Business School von Barcelona sowie einen MBA der Rotterdamer Wirtschaftsschule (School of Economics).

Was erwarten Sie von einem ICT-Provider, der mit Ihrer Geschwindigkeit Schritt halten muss? 
Die Übernahmen, von denen Sie sprachen, sind globaler Natur und sie alle haben eins gemein: das Potenzial, weiterhin weltweit zu wachsen, und das in rasanter Geschwindigkeit. Um also dieselbe User Experience und die dazugehörige technologische Infrastruktur liefern zu können – sei es nach Norwegen, Kolumbien, Israel oder in die Vereinigten Staaten – brauchen wir eine dynamische Skalierbarkeit. Das hilft uns, schnell voranzukommen und standardisierte Kernanwendungen anzubieten wie etwa einheitliche Prozesse im Bereich Human Resources. Zudem können wir dadurch fristgerecht liefern und spezifische Lösungen für bestimmte Regionen oder Geschäftsbereiche anbieten.

Was steckt hinter der strategischen Entscheidung, T-Systems zu beauftragen, Ihre SAP-Operationen auf eine Cloud-basierte Technologieplattform „umzusiedeln“? 
Die initialen entscheidungstreibenden Faktoren waren die Skalierbarkeit sowie die Zuverlässigkeit, kombiniert mit dem globalen Fußabdruck von T-Systems. Wir wollten darüber hinaus Ausfälle im operativen Geschäft minimieren und die Performance gemäß definierten KPIs sicherstellen. Die Einsparungen, die wir erzielt haben, sind die Konsequenz der korrekten Ausführung dieser Strategie und lassen uns eine weitaus kritischere Masse erreichen. Wir waren zudem auf der Suche nach einer langfristigen Perspektive mit dem Ziel, die Beziehung möglichst reibungslos wachsen zu lassen, um in erster Linie schon bald die üblichen Haken und Ösen der Lernkurven bei neuen gemeinsamen Implementierungen schneller hinter uns zu lassen.

Was können Sie uns über die Cloud-Migration in das Datacenter von T-Systems in Houston erzählen? Wie war Ihre Erfahrung mit den Services und was sind die ersten Ergebnisse? 
Zunächst einmal hat T-Systems uns tatkräftig dabei unterstützt, die Voraussetzung für diese Migration zu schaffen, vom finanziellen Business Case bis hin zur Einweisung in die sichere Arbeit mit der Cloud für ein börsennotiertes Unternehmen. Aktuell führen wir das Programm in Nord- und Südamerika durch und haben bereits mehr als 47 On-Premises-SAP-Server sowie 63 TB an Daten umgezogen. T-Systems hat konstant geliefert, was versprochen wurde, und  reibungslos mit unserem internen IT-Team zusammengearbeitet, sowohl während der Projektphase als auch in der Nachbereitung zur Gewährleistung der Erreichbarkeit und der Servicelevel. Beide Seiten profitieren von der Kooperation – durch die Ausarbeitung von Best-Practice- Fällen im Bereich Industrie und durch die kontinuierliche Optimierung der entsprechenden IT-Prozesse.

Cloud Computing ist ein Meilenstein auf dem Weg jeder digitalen Transformation. Doch das ist nicht die ganze Geschichte. Was passiert sonst auf Mexichems Weg der Transformation und was steht noch an? 
Ein hervorragendes Beispiel ist der Launch von NetBeat™ im Mai 2018. Dies erlaubte uns, Flut- oder Sprinkleranlagen durch Tröpfchenanlagen zu ersetzen, was sich in einem geringeren Wasserverbrauch und in der Folge auch in höheren Erlösen niederschlug. Und wir setzen gerade das erste intelligente Bewässerungssystem auf. Ein ausgeklügelter Algorithmus kombiniert Wissen, das in jahrelanger Forschungsarbeit in den Anbaugebieten zusammengetragen wurde, mit Daten, aufgezeichnet dank Sensoren in der Erde, und mit lokalen Wetterprognosen oder auch Drohnenbildern, die zur Ermittlung der Farbe der Felder aufgenommen wurden. Die Möglichkeit des Speicherns, Klassifizierens und der Analyse großer Datenmengen von Kunden rund um den Globus in der Cloud revolutioniert die Art, wie wir Optimierungsprozesse in Gang setzen. Davon profitieren außerdem die Kommunen, Regionen und die Gesellschaften, die darauf angewiesen sind.​​​​​​​

Wenn es um den PLC Ihrer
Maricarmen Torres, Global Account Executive bei T-Systems für den Chemiekonzern Mexichem.
Produktionsstätten geht, der eingesetzten Maschinen und Mexichems weit gestreutem Produktportfolio – welche Rolle spielen zukunftsweisende Technologien für Ihre Prozesse und die Verlässlichkeit Ihrer Infrastrukturen? 
Wir kratzen erst an der Oberfläche der erstaunlichen Vielzahl von Möglichkeiten, die vernetzte Fabriken uns bieten. Wir verfügen über eine der bedeutendsten Konzentrationen von Press- und Spritzgießmaschinen innerhalb unserer Rohrproduktionsanlagen. Schon 2017 haben wir in unserer Anlage im brasilianischen Sumaré erfolgreich die ersten IoT Smart Adaptions gelauncht. Außerdem erzielen wir Einsparungen bei den Rohstoffen und eine Abfallreduzierung, wodurch die Investition in weniger als zehn Monaten amortisiert werden konnte. Diese Erfolge machen die Industrie 4.0 für die mehr als 130 Mexichem-Anlagen umso interessanter. 

Wie lange brauchen Sie, die dafür nötigen Technologien zu identifizieren, zum Beispiel Echtzeitdaten, IoT, Augmented Reality und Analytics, und wie lange dauert es dann, das Paket endgültig zu schnüren? 
Unsere digitalen Projekte schreien förmlich nach einer neuen Verfahrensweise, wenn es darum geht, Bedarfe zu definieren und Distributoren möglicher Lösungen auszuwählen. Dafür war unsere „traditionelle“, langwierige Methode nicht mehr zwingend geeignet. Bei NetBeat™ war der finale Prototyp das Resultat einer Bündelung von Kräften dreier Start-ups in Israel, die Ideen für Hardware, Programmierung und User Experience lieferten. Kürzlich haben wir ein Fundament der digitalen Konzernstrategie gelauncht, um diese neue Arbeitsweise zu übertragen. Das betrifft einerseits die klassische Adaption bedeutender Teile unserer IT-Architektur. Andererseits geht es darum, sich selbst für neue Talente, deren Förderung und Entwicklung neuer Fähigkeiten – wie etwa Datenanalyse, Content Design und Nutzererfahrung – interessant zu machen. Und der dritte Punkt beinhaltet die Fähigkeit, die Balance externer und interner Ressourcen immer wieder schnell neu ausrichten zu können.

In einem Interview mit der Innovation Week äußerten Sie unlängst: „Das Gleichgewicht zwischen Geschäftszielen und IT-Sicherheit ist eine der größten Herausforderungen für Mexichem.“ Was meinten Sie damit konkret?
Ich denke, die Ausgewogenheit zwischen dem Schutz von Hardware und Software, die intern von über 10.000 Usern genutzt werden, und dem reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts ist unerlässlich. Und da habe ich unsere Kunden, unsere Lieferanten, praktisch alle Stakeholder noch gar nicht eingerechnet. Darin liegt eine täglich stattfindende Herausforderung, auf die ich angespielt habe. Auf dieser langfristigen Reise, auch jener unserer fortschreitenden Digitalisierung, steht uns T-Systems seit Ende vergangenen Jahres mit seinem globalen Security Operation Center (SOC) zur Seite. Das ist übrigens ein weiteres herausragendes Beispiel dafür, wie uns die Partnerschaft mit der Telekom-Tochter massiv dabei unterstützt, konstanten 24/7-Service zu leisten und Cybervorfälle zu überwachen, darauf zu reagieren und sie angemessen zu lösen.

Für nahezu alles, was fließt – von Wasser über Daten bis hin zu Strom –  produziert Mexichem individuelle Kunststoffmäntel.