E-Commerce

„Entscheidungsmomente anschauen“

Echtzeit im E-Commerce: Wie man menschliches Verständnis in den Onlinehandel bringen kann, erzählt Hendryk Hosemann, CEO des Start-ups Brytes.
Autor: Heinz-Jürgen Köhler
Fotos: Brytes


Brytes wurde 2017 von Hendryk Hosemann und vier Co-Foundern in Dortmund gegründet. Das Start-up befindet sich aktuell am Ende der Pilotierungsphase und will 2019 auf dem Markt auftreten. Aktuell hat Brytes elf Mitarbeiter, darunter sind neben Software-Spezialisten auch Behavioral Economists und Data Scientists.

Welchen Service bietet Brytes und welche Kunden sprechen Sie damit an? 

Wir bieten Webshops eine sogenannte psychografische Onlinepersonalisierung. Dabei gehen wir in drei Schritten vor. 1) Wir identifizieren den Besucher eines Webshops und analysieren per Tracking, wie er sich auf der Seite bewegt. 2) Wir versuchen ein Verständnis des Users aufzubauen: Was für ein Mensch ist das in diesem Moment, was sucht er, was will er? 3) Wir nutzen das Verständnis und reagieren in Echtzeit, indem wir etwa Messages ausspielen. Es geht also insgesamt darum, den Besucher in seiner jeweiligen Situation besser zu verstehen. 
Wir machen Websites empathischer und bringen menschliches Verständnis in die Onlinekommunikation. Geeignet ist das für alle Unternehmen, die Wert auf die Customerexperience legen. Das betrifft durchaus nicht nur hochpreisige Konsumgüter, sondern auch Massenmärkte. Selbst im Lebensmittelshopping hat das Sinn, denn da geht es ja um Gewohnheit und ein Gefühl der Vertrautheit.

Anhand welcher Parameter analysieren Sie die aktuelle Befindlichkeit eines Users? 

Wir ziehen über 200 Parameter heran, um die Entscheidungs- und Kauftreiber des Besuchers zu verstehen. Das sind etwa seine Scroll- und Mausbewegungen – bewegt er sich in eine Richtung, wie schnell ist er? In welcher Reihenfolge schaut er sich Angebote an, wo zögert er? Kommt er über die Übersichtsseite oder über Weiterempfehlungen? Wir sprechen von einer Decisionjourney, das ist im Grunde eine runtergebrochene Customerjourney, mit der man sich die Entscheidungsmomente anschauen kann.

Inwieweit greifen Sie auch auf andere Daten zu, die der User im Internet hinterlässt? 

Die Analyse des Nutzerverhaltens im Webshop unseres Kunden bei früheren Besuchen oder im Internet generell ist für uns nicht relevant. Unser System reagiert in Echtzeit auf das aktuelle Verhalten eines Besuchers. Auch wenn er zum wiederholten Mal käme oder zuvor im Webshop eines Wettbewerbers gewesen wäre, würde das System nicht anders reagieren. Und auch wenn wir das technisch könnten, speichern wir die Daten der Kunden nicht.

Wie definieren Sie Echtzeit, und was tun Sie, um diese zu erreichen? 

Wenn wir von Echtzeit sprechen, bewegen wir uns im Bereich von Millisekunden. Feiner ist das technisch nicht hinzukriegen, wir laden so schnell, wie die Seite lädt. Unseren Kunden ist verzögerungsfreie Webseitenperformance wichtig und da passen wir uns an. Ohne eine subjektiv vom User gefühlte Verzögerung analysieren wir sein Verhalten und reagieren darauf. Das stellt natürlich Ansprüche an die Infrastruktur und die Serverkapazitäten. Außerdem halten wir für unsere Kunden ein Content delivery network bereit, mit dessen Hilfe er Belastungsspitzen abfedern kann.