Für die GO Maut 2.0 modernisiert T‑Systems die technische Plattform, zum Beispiel durch Virtualisierung von Systemen.
Asfinag

GO Maut 2.0 spricht europäisch.

Österreichs staatliche Infrastrukturgesellschaft ASFINAG betreibt das interoperable, elektronische Mautsystem GO Maut von 2018 an mit Unterstützung von T-Systems.
Autor: Roger Homrich
Fotos: Johannes Heuckeroth/Gallery Stock, ASFINAG (3)
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1. Januar 2004, in Österreich startet die Gebührenpflicht für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Auf allen Autobahnen und Schnellstraßen registriert seitdem eine On-Board-Unit, die GO-Box, zusammen mit den Mautportalen entlang der Autobahnen die Fahrtstrecken der mautpflichtigen Lkw.
​​​​​​​Ohne zu stoppen, kommuniziert die GO-Box auf Basis von Mikrowellentechnik automatisch mit den Mautportalen. Der Installationsaufwand für die Lkw-Fahrer ist minimal, die Bedienung einfach: Vor Fahrtantritt müssen sie nur die Anzahl der Achsen des Fahrzeugs per Knopfdruck eingeben. Schon kann’s losgehen. Den Rest erledigt die GO-Box fast allein, sie rechnet während der Fahrt die Maut aus. Der Betrag wird abgebucht, oder der Lkw-Besitzer bekommt eine Rechnung. Ein kurzer Piepton, die Mauttransaktion ist erfolgt. Bezahlen können die Lkw-Besitzer ganz nach ihrem Geschmack. Entweder sind die Boxen ähnlich wie bei einem Pre-Paid-Handy mit Guthaben aufgeladen oder die Daten der Fahrstrecke werden automatisch in ein Rechenzentrum übertragen, dort verarbeitet und die Kosten via Postpay in Rechnung gestellt – zum Beispiel mit GO Direkt. Ein wichtiger Aspekt für die Modernisierung des Systems ist die Interoperabilität der Mautsysteme auf europäischer Ebene. Hier hat die ASFINAG (Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft) zusammen mit anderen europäischen Mautbetreibern Pionierarbeit geleistet. GO Maut 2.0 erfüllt den von der Europäischen Kommission vorgelegten interoperablen Standard eines europäischen elektronischen Mautdienstes (EETS). Der gibt vor, dass die Länder in Europa weiterhin selbst über die eingesetzte Mauttechnik entscheiden dürfen, diese allerdings kompatibel zum EETS sein muss. Eine zugelassene On-Board-Unit im Pkw oder Lkw wird dann ausreichen, um die Gebühren in allen angeschlossenen europäischen Erhebungssystemen zu erfassen. ​​​​​​​

Die nächste Mautgeneration ist ab 2018 am Start

In Österreich kann die Maut nur über die GO-Box entrichtet werden.
Vom schweren Wohnmobil bis zum Sattelschlepper – in Österreich kann die Maut nur über die GO-Box entrichtet werden. 2016 waren es 650 Millionen Transaktionen.
2016 hat die ASFINAG den Aufbau und den Betrieb des Zentralsystems neu ausgeschrieben und an die Telekom-Tochter T-Systems vergeben. Von 2018 an wird damit die Grundlage für ein zukünftiges neues GO-Mautsystem geschaffen. Erstmals wird damit ein großes, flächendeckendes Mautsystem im laufenden Betrieb erneuert. Wie 2004 Neuland für die ASFINAG, die damit am offenen Herz operiert. Ein Systemausfall von nur einem Tag würde einen Schaden in Millionenhöhe bedeuten. ​​​​​​​
Den Zuschlag für den Aufbau des zentralen IT-Systems und den zehnjährigen Betrieb des hochverfügbaren Rechenzentrums erhielt T-Systems nach einem europaweiten Vergabeverfahren. „Wir setzen seit 2004 ein sehr stabiles und verlässliches System ein. Mit diesem Auftrag können wir dieses Erfolgsmodell fortführen und sicherstellen“, sagt ASFINAG-Geschäftsführer Bernd Datler. Für die GO Maut 2.0 modernisiert T-Systems die technische Plattform, zum Beispiel durch Virtualisierung von Systemen. „Damit wollen wir die Komplexität der Systemlandschaft deutlich reduzieren“, erklärt Datler. Die Software bleibt während der Umstellung unangetastet. „Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden nichts von der Umstellung bemerken. Im Gegenteil: Die Kunden werden vom Ausbau der Services profitieren.“ Um die bekannten Risiken für den Umzug eines solch komplexen IT-Systems in ein neues Rechenzentrum zu minimieren, hat die ASFINAG im Vorfeld der Ausschreibung sehr genau beschrieben, was das System leisten muss, und dafür die Dokumentation auch extern prüfen lassen. Mit Erfolg: Zur Halbzeit der Transition im April 2017 standen die Ampeln auf Grün.

Verkaufsterminals und Kontrollfahrzeuge

Doch der Auftrag umfasst eine Reihe weiterer Aufgaben. T-Systems Austria ist künftig auch für die Ausgabe der Fahrzeuggeräte zuständig und übernimmt den Betrieb der rund 200 Vertriebsstellen samt Zahlungsterminals. Eine große Herausforderung, immer hin verarbeiten die Systeme der GO Maut rund 650 Millionen Transaktionen pro Jahr.
„Auch die Fahrzeuge des Service- und Kontrolldienstes rüsten wir mit moderner Technologie nach“, sagt Dieter Kögler von T-Systems Austria. Obwohl die Zahlungsmoral der Fahrer in Österreich bei der Maut sehr hoch ist, muss die Einhaltung der Mautpflicht aus Gründen der Fairness weiter kontrolliert werden. Dafür setzt die ASFINAG neben dem Dienst auch automatische Kamerasysteme ein, die die korrekte Entrichtung der Maut überwachen.
„Unsere GO Maut 2.0 spricht eine europäische Mikrowellensprache.“
BERND DATLER Geschäftsführer ASFINAG Maut Service GmbH

Nutzer finanzieren Investitionen in die Infrastruktur

Die Einhaltung der Mautpflicht ist ein wesentlicher Eckpfeiler für die ASFINAG. Denn die ASFINAG erhält keine zusätzlichen Geldmittel vom Bund und finanziert sich ausschließlich über die Erlöse aus Vignette und Lkw- Maut. „Jeder, der die Autobahn benutzt, kommt auch dafür auf. Ein faires System, das die ASFINAG zu einem Best-Practice-Modell in ganz Europa macht“, bestätigt Datler. Dabei ist außerdem die Kompatibilität mit anderen Mautsystemen, etwa dem GPS-gestützten deutschen System, wesentlich. „Jedes Satellitengerät für Deutschland hat auch eine Mikrowellenschnittstelle an Bord. Die spricht also eine europäische Mikrowellensprache“, sagt Datler.