Im Innovation Center in München entwickelt T-Systems IT-Innovationen mit Kunden und Partnern mittels Rapid Prototyping.
Innovationen

Irgendwie naheliegend.

Eine Hightech-Werkstatt voll mit Freiräumen, Spielräumen, Denkräumen. Wie Kunden des Innovation Center München gemeinsam mit T-Systems und deren Partnern aus Wirtschaft und Forschung Lösungen, Ideen und Projekte prototypisieren und weiterentwickeln.
Autor: Thomas van Zütphen
Fotos: Dominik Gigler, T-Systems

Kreatives Arbeiten im Innovation Center von T-Systems
Im „Innovation Center“ forschen und entwickeln visionäre Ingenieure unter der Leitung von Dr. Stephan Verclas neue Produkte und Anwendungen der Informations- und Telekommunikationstechnologie. Im Interview beschreibt Dr. Verclas, wie Kunden der Deutschen Telekom daran teilhaben können. Der Filmbeitrag gibt Einblick in die Methoden, die das Innovation Center einsetzt.
Wo entstehen bei der Telekom und T-Systems eigentlich Innovationen? In der Design Gallery in Bonn natürlich, den futuristischen Showrooms für die Kommunikationsmöglichkeiten von morgen. Oder den T-Labs in Berlin, die mit ihrer ICT-Forschung dem Hier und Jetzt von Unternehmensproblemen immer ein Stück voraus sind. Aber hier, abgelegen in der nördlichen Peripherie von München? Was aussieht wie ein schlichter Zweckbau mit fast 200 Meter langer Fassade, beherbergt neben einem Rechenzentrum tatsächlich die Geschäftskunden-Innovationsschmiede Nummer eins – etwas bescheidener und präziser: ein Center für die Verbesserung von Geschäftsprozessen mit den neuesten verfügbaren ICT-Lösungen.
Low Latency Mixed Reality ist so eine Lösung zum Beispiel. Darum geht’s: Augmented Reality (AR) erweitert die Realität durch multimediale Inhalte, die Datenbanken passend bereitstellen. Anwendungsbeispiel sind zum Beispiel Wartungsprozesse, die Techniker nach festgelegten Schritten ausführen müssen. Erfasst ein Servicetechniker etwa der Automobil- oder der Luftfahrtindustrie mit der Kamera einer AR-Brille ein relevantes Teil, wird dieses auf dem Display farblich hervorgehoben und mit 3D-Animationen, Videos, CAD-Daten oder Textdokumenten unterlegt. So führt ihn die AR-Lösung Schritt für Schritt durch den gesamten Wartungsprozess. Beispielsweise blendet das System dem Mechaniker das passende Werkzeug ein. Ist es mit einem Ersatzteil-Bestellsystem verknüpft, werden benötigte Teile automatisch geordert.
Mithilfe des 5G-Netzwerks, der dort möglichen anwendungsbezogenen Bereitstellung von Datenraten, Geschwindigkeiten und Kapazitäten (Network Slicing) sowie einer cloudbasierten Plattform entwickelte das Innovation Center daraus einen funktionalen Prototyp eines Wartungsunterstützungssystems. Das ermöglicht, Anwendungen schnell und effizient durchzuführen und zugleich, dass deren Daten direkt in der Cloud gespeichert werden können. Die Plattform lässt sich in die Prozesslandschaft von Unternehmen jeder Branche integrieren.

Touch & Feel von Innovationen

Greifbar, getreu dem Motto „Wir wollen Innovation erlebbar machen“, werden solche Lösungen im Innovation Center – mitunter buchstäblich spielerisch – in leicht verständliche Showcases übersetzt, in diesem Fall von der Reparaturanweisung einer spezifischen Servicesituation in die Bedienungsanleitung für einen Segway. Wenn zum Beispiel Novizen im Umgang mit den immer beliebter werdenden Personal Transportern mit der Kamera eines iPads den Segway abfahren, werden verschiedene Elemente wie Ladevorrichtung, Höhenverstellung und Cockpit farblich markiert und lassen sich per Fingertipp aktivieren. In Video, Audio, Text und 3D-Animation werden dann die jeweiligen Funktionen über das iPad erklärt.
Das ist nur ein Beispiel dafür, was Intention, Angang und Zielgruppe des Innovation Center ausmachen. „Vielen Unternehmen mangelt es nicht an guten Ideen, sondern an deren Umsetzung, denn in PowerPoint gibt es keine technischen Probleme“, so Dr. Stephan Verclas, Leiter T-Systems Innovation und Chef des Innovation Center (siehe Interview). „Vor allem deswegen haben wir das Innovation Center in München gebaut, wo wir Innovationen mit unseren Kunden und Partnern mittels Rapid Prototyping entwickeln, in unserem Innovation Data Center betreiben und in Innovationsworkshops das Feedback unserer Kunden einholen.“
Die Fertigungsindustrie mit der Blockchain optimieren
Dr. Stephan Verclas, Leiter Innovation Management bei T-Systems, erklärt im Interview, wie die Blockchain mit der Track-and-Trace-Lösung „Roambee“ zu besseren Abläufen und transparenten Prozessen in der Fertigung führen kann. Die Kombination der Blockchain, die eher aus dem Finanzsektor bekannt ist, mit der Ablaufsteuerung in der Fertigungsbranche gilt als Musterprojekt für die Arbeit des Innovation Centers der Deutschen Telekom. 

Dabei ist die Herangehensweise der Innovations-Scouts gewissermaßen prototypisch, geht sie doch immer von der Frage aus: „Was passiert gerade am Markt?“ Dazu beobachten Experten des Innovation Center gesellschaftliche Trends, um entdeckte „Business Customer Needs“ mit zugleich aufkommenden technologischen Möglichkeiten in Korrespondenz zu setzen. Ob im Bereich Security, Netze, Cloud oder IoT – dieses Brückenbauen zwischen Technologie und Business macht das Innovation Center aus.

Disruption

So hat zur diesjährigen CeBIT das Team um Stephan Verclas in enger Zusammenarbeit mit der Digital Division von T-Systems die Logistiklösung des im Silicon Valley beheimateten Start-ups Roambee in einem Blockchain-Demonstrator für eine industrielle Fertigungslinie abgebildet. Und das Exponat als Blick über den Tellerrand klassischer Bitcoin-Finanztransaktionen hinaus zur Hannover Messe Industrie noch einmal auf eine komplette Supply-Chain ausgebaut – inklusive des Features Smart Contracts. So disruptiv wie Blockchain für die gesamte Finanzwirtschaft ist, zeigt die Verknüpfung mit Roambee in einem Blueprint, welches Disruptionspotenzial die Lösung für die gesamte Fertigungsindustrie entwickeln kann. Denn dort haben Nachweisbarkeit und Verlässlichkeit einer permanent rollenden Logistikkette mit Blick auf Just-in-time-Fertigung herausragende Bedeutung. Insofern ist es kein Wunder, dass erste Unternehmen unterschiedlichster Branchen schon mit der Bitte um Teststellungen bei T-Systems „angeläutet“ haben.

Konzernübergreifende Kooperation

Detecon, T-Labs, Multimedia Solutions, hub:raum – nicht nur mit den unterschiedlichsten Entwicklungseinheiten des eigenen Konzerns arbeitet das Innovation Center übergreifend eng zusammen. Die Kooperation erfolgt auch mit Analysten, Industrie- und Forschungspartnern, Universitäten und Start-ups, vor allem aber auch mit allen Divisionen der T-Systems (IT Division, TC Division, Digital Division und Security) und dem jeweiligen Kunden selbst.
Ziel sei es, so Stephan Verclas, „Design Thinking als Ansatz zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen in ein Unternehmen zu führen und dabei Lösungen zu finden, die aus Kundenanwendersicht überzeugen“. Die Roadmap der gemeinsamen Arbeit des Innovation Center mit seinen Kunden und Partnern aus Forschung und Industrie folgt dabei modernen, agilen Entwicklungsmethoden wie Scrum.
Dabei kann es durchaus sein, dass Unternehmen mit dem Wunsch zum Innovation Center kommen, die Möglichkeiten der Digitalisierung über innovative Lösungen primär auf Kostenreduktion abzuklopfen. Doch schwenkt die Diskussion dann zum Beispiel auf das Thema Augmented Reality im Kontext des eigenen Maintenance-Bereichs, ergibt sich oft, dass eine Steigerung der Prozesseffizienz tatsächlich reizvoller und der eigentliche Schlüssel zur Problemlösung sein könnte.
Denn von IoT über Smart Robotics zu Machine Learning bis hin zu Software-Defined Anything: „Zwischen Hype und Marktadaption schwirren einfach zu viele neue Trends und Buzzwords durch ständig neuere Technologiedebatten, als dass man auch auf Anhieb in Gänze überblicken könnte, welche Möglichkeiten die Digitalisierung mir als Kunde und meinen individuellen Geschäftsmodellen unter Umständen konkret bietet“, so Verclas. „Im Ergebnis kann beim besten Willen dann kaum noch jemand in der Lage sein zu definieren, was seine Herausforderung ist.“

Bremsklötze auf dem Weg zur Innovation

Im Innovation Center in München entwickelt T-Systems IT-Innovationen mit Kunden und Partnern mittels Rapid Prototyping.
Bis zu 150 Design- und Innovationsworkshops führt das Innovation Center jährlich durch. Ziel ist es, gesellschaftliche und technologische Entwicklungen gemeinsam mit Kunden auf deren Geschäftsfälle zu übertragen und durch die Entwicklung konkreter Produkte zu einer Wertschöpfungssteigerung zu führen.
150 Workshops dieser Art hat das Innovation Center für Kunden von T-Systems und Telekom Deutschland im vergangenen Jahr durchgeführt. Jeweils individuell vorbereitet von verantwortlichen Innovationsmanagern, die die Projekte treiben. Dazu gehört auch ein strategisches Coaching für den Umgang von Unternehmen mit den eigenen Innovationseinheiten. Denn „Innovation hat eine sehr emotionale Komponente und tut sich naturgemäß schwer, weil sie in jedem Betrieb das Bestehende stört und droht, etwas anders zu machen“, so die Erfahrung von Stephan Verclas. Das jeweilige Beharrungsvermögen anzugehen entpuppt sich regelmäßig als eine Kernaufgabe der Berater des Innovation Center.
„Auch in dieser Rolle versteht sich das Innovation Center in erster Linie als Dienstleister unseres Konzerns. Darum wird bei uns in München auch kaum jemand wirklich direkt klingeln. Kunden, die den Wunsch nach Innovation bei uns adressieren wollen, sprechen unser Team auf Messen wie der Hannover Messe Industrie an oder wenden sich an ihren T-Systems-Accounter beziehungsweise unser Servicemanagement“, so Stephan Verclas. „In diesem Sinne sind wir als Innovationsplattform natürlich einerseits ein handfestes Tool, zugleich aber Richtung Kunde auch eine stehende Einladung, mögliche neue ‚Opportunities‘ gemeinsam anzugehen.“ Ist ja auch naheliegend.