In der intelligenten Hafenlösung, die T‑Systems für Transnet aufgebaut hat, ist das Herzstück eine SAP-HANA-Datenbank.
Port of Durban

Lotsen und Taucher.

Mit über 80 Millionen Tonnen Umschlag ist der Port of Durban der größte Containerhafen Afrikas. Lange Wartezeiten für einlaufende Schiffe und Staus auf dem Hafengelände gehören zur Tagesordnung. Im Auftrag des Hafenbetreibers Transnet entwickelt T-Systems jetzt mit Partnern eine einzigartige ICT-Lösung aus einer SAP-HANA-Datenbank, einem LTE-Netz und weiteren Komponenten wie Drohnen. So lassen sich die wachsenden Waren- und Verkehrsströme intelligent steuern.
Autor: Thorsten Rack
Fotos: iStockphoto.com (2), fotolia, © DJI (2)

Artikel als Podcast anhören
Flash ist nicht verfügbar.
Artikel als Podcast anhören
Dieser Markt hebt richtig ab: Die Produktionszahlen von Drohnen für den privaten und kommerziellen Gebrauch steigen rasant. Einer Prognose von Gartner zufolge wird „der weltweite Umsatz 2017 um 34 Prozent auf 6 Milliarden US-Dollar ansteigen. Bis 2020 wird erwartet, dass das Marktvolumen mehr als 11,2 Milliarden US-Dollar erreicht“. PwC schätzt den Gesamtmarkt für Drohnen und dazugehörige Geschäftsanwendungen gar auf stattliche 127 Milliarden Dollar. Das größte Potenzial steckt demnach im Infrastruktursektor, in der Landwirtschaft und der Transport- und Logistikbranche.

Drohnen zu Wasser und in der Luft

Welchen Mehrwert Drohnen im geschäftlichen Umfeld bieten, zeigt ein Pilotprojekt, das von der Transnet National Ports Authority initiiert und von T-Systems und ihren Technikpartnern Huawei und LOTS Operations im Port of Durban umgesetzt wurde. In Afrikas größtem Containerhafen helfen unbemannte Fluggeräte wie die DJI Phantom 4, etliche Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten. Sie ermöglichen der Transnet als Hafenbetreiber eine Überwachung des gesamten Areals in Echtzeit. Dazu werden die Kamerabilder live ins Kontrollzentrum übertragen. Sie orten Bojen und kontrollieren deren Zustand. Sie erfassen Temperatur, Windgeschwindigkeit und sonstige Wetterdaten. Und sie erleichtern die Kommunikation mit den Frachtschiffen: „Indem Drohnen statt Boote die Einfuhrpapiere von den Schiffen abholen und zurückbringen, beschleunigen sie das Löschen der Ladung“, sagt Ronald Salis, verantwortlicher Projektleiter von T-Systems Südafrika.
Doch nicht nur in der Luft sind die autonomen Helfer unterwegs. Unter Wasser übernehmen Drohnen die Inspektion von Kaimauern und Schiffsrümpfen. Da sie im Gegensatz zu Tauchern unabhängig von der Wasserqualität arbeiten können, sinkt der Zeitaufwand auf etwa ein Drittel. Selbst die Umwelt profitiert vom Drohneneinsatz. Der mit Solartechnik angetriebene „Waste Shark“ beseitigt dank Geofencing und Kollisionsvermeidung vollkommen autonom Abfälle aus dem Hafenbecken. Und bei starker Verschmutzung kann der „intelligente Hai“ selbstständig weitere Drohnen zur Unterstützung anfordern.
„Egal ob zu Wasser oder in der Luft – die Drohnen spielen eine wichtige Rolle in unserem Smart-Port-Projekt“, betont Salis. „Und wir haben noch mehr mit ihnen vor. Künftig sollen sie den Kapitänen helfen, ihre Frachtschiffe einfach und sicher in den Hafen zu navigieren – ohne menschliche Lotsen. Dafür kombinieren wir die Drohnen mit Sensoren, 3D-Karten und Virtual-Reality-Anwendungen.“ Schon bald soll dieses weltweit einzigartige Lotsensystem im Hafen von Durban erprobt werden.

SAP-HANA-Datenbank ist Herzstück

Smart Port Durban
T-Systems wird mit Partnern den größten Containerhafen Afrikas in Durban intelligenter und effizienter machen. Der Vertragsunterzeichnung ging ein Pilotprojekt (Proof of Concept) voraus, das den Kunden überzeugte (Englisch).
In der intelligenten Hafenlösung, die T-Systems als Generalunternehmer für Transnet aufgebaut hat, sind die Drohnen aber nur der sichtbare Teil. Herzstück ist eine SAP-HANA-Datenbank, die im Hintergrund läuft. Daran sind alle Hafensysteme, Überwachungskameras, Sensoren, Trackingtools und auch die Drohnen via LTE-Mobilfunk angeschlossen. Eine Business-Intelligence-Lösung wertet die eingehenden Daten in Echtzeit aus und bringt sie im Kontrollzentrum auf die Bildschirme. Von hier aus werden die aufbereiteten Informationen – teils vollautomatisch – an die Zielgruppen im Hafen verteilt. Das vernetzte System bedeutet für Transnet einen Quantensprung. Bislang existierten nur Einzelanwendungen.
In 18 konkreten Anwendungsfällen hat die Smart-Port-Lösung bereits den Betriebsablauf im Hafen vereinfacht und/oder beschleunigt. Dazu gehören die Zugangs- und Zufahrtskontrollen, das Container- und Lkw-Tracking, diverse Arbeitsabläufe auf dem Wasser sowie im Kundenservice. „Wenn ein Schiff an unsere Küste kommt, muss der Kapitän wissen, wann er den Hafen erreicht und ob es genügend freie Kapazitäten gibt, um einzufahren und die Ladung zu löschen“, erklärt Lentle Mmutle, CIO von Transnet. „Wir wollen rund um solche Ereignisse eine umfassende Transparenz schaffen, um lange Wartezeiten zu vermeiden und den Handel zu vereinfachen.“
Die ICT-Technik von T-Systems schafft nicht nur einen vernetzten Überblick der Prozesse im Hafen und optimiert die Verkehrsströme. Durch den beschleunigten Warenumschlag steigen auch die Umsätze. Während die Lkw bislang oft Tage oder gar Wochen auf ihre Lieferung warten mussten und die Zufahrten blockierten, lässt sich die Beladung jetzt viel genauer steuern. Rund 5000 Smartphones und Tablets erleichtern die Kommunikation zwischen Spediteuren und Hafenbetreiber.
„Die neue Lösung ermöglicht es uns, die Kapazitäten intelligenter zu steuern, genauere Informationen zu verteilen und Warnungen zu versenden, wenn Unterbrechungen in der Wertschöpfungskette drohen.“
Lentle Mmutle, CIO von Transnet
Die Fahrer können eigene Verspätungen melden und erhalten umgekehrt automatische Warnungen, wenn es auf ihrer Route oder bei der Ankunft des Frachtschiffs zu Verzögerungen kommt. Mittels Geolokalisierung übermitteln die On-Board-Units jederzeit den genauen Standort der Lkw ans Kontrollzentrum und erfassen die Verweildauer auf dem Gelände. So sind situationsgerechte Umleitungen möglich.

„Zentrales Nervensystem“ für den Hafen

Dr. Stefan Bucher, operativer Leiter der IT-Division von T-Systems: „Unser Ziel ist es, das ‚zentrale Nervensystem‘ des Hafens zu entwickeln. Die Smart-Port-Lösung soll es der Transnet erlauben, mehr und mehr Betriebsabläufe zu vereinfachen und Echtzeit-Datenanalysen in die Geschäftsprozesse zu integrieren. So können die Hafenressourcen effizienter gesteuert und zugewiesen werden. Das steigert die Produktivität erheblich.“
Auch der Transnet-CIO ist zuversichtlich, dass das Projekt die Waren- und Verkehrsströme im Port of Durban nachhaltig optimieren wird. „Wenn jeder dieselben Informationen hat, können wir besser planen“, so Mmutle. „Die neue Lösung ermöglicht es uns, die Kapazitäten intelligenter zu steuern, genauere Informationen zu verteilen und Warnungen zu versenden, wenn Unterbrechungen in der Wertschöpfungskette drohen.“ Gut möglich daher, dass der Smart Port Durban als Blaupause für weitere Häfen dienen wird. Schließlich ist die Transnet National Ports Authority für alle acht südafrikanischen Seehäfen verantwortlich.