Der Data Intelligence Hub der Telekom erfüllt eine Schnittstellenfunktion in Form eines Marktplatzes für das Datenmanagement.
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Datenfundus statt Orkus

Laut IDC wird das „digitale Universum“ in zwei Jahren bis zu 33 Prozent ungenutzter Informationen enthalten. Für Unternehmen könnten sich durch entsprechende Analysen des nicht gehobenen Schatzes jedoch bedeutende Mehrwerte ergeben. Der Telekom Data Intelligence Hub (DIH) bietet an, diese Lücke zu schließen.
Autor: Thomas van Zütphen
Fotos: iStockphoto
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Ganz egal, in welchem Markt – es geht nahezu immer darum, Wettbewerbsvorteile zu realisieren, Kosten zu reduzieren und Abläufe zu optimieren. In diesem Sinne hätten Unternehmen mit der Möglichkeit, Daten zu analysieren, zu deuten und durch die Integration in ihre Prozessketten zu nutzen, einen immanenten Wachstumshebel in der Hand. Zum Beispiel mit Blick auf neue, innovative Geschäftsmodelle. Allerdings stehen viele Unternehmen vor der Frage der Umsetzung – anders gesagt: Wie kommt man an die Daten und wie nutze ich sie anschließend sinnvoll, um zusätzliche (Unternehmens-)Werte zu schaffen?
Da sind zum einen die internen, oft aber nur partiell vorliegenden Daten. Dann ist da die Flut von unterschiedlichsten externen Datenfragmenten aus vielzähligen Quellen: freie Daten, Daten aus geschlossenen Ökosystemen, Daten von Dienstleistern und anderen über diverse Prozesse angeschlossenen Unternehmen. Zudem wird das sich bis 2020 auf 44 Billionen Gigabyte belaufende digitale Universum ständig mit neuen Daten gespeist, etwa aus den bis dahin laut IDC 212 Milliarden vernetzten Geräten. Die von Unternehmen bislang ungenutzten Werte können sich aber auch unter verschiedenen Mustern wie zum Beispiel in der Social-Media- Nutzung und deren Inhalten oder hinter der Korrelation von medizinischen Informationen mit soziologischen Daten verbergen. Sicher ist damit nur eins: Viele dieser Datentöpfe werden heute von einem Großteil der Unternehmen noch nicht sinnvoll erschlossen.

Ordnung in den Datenfundus bringen

Die Gründe dafür sind vielschichtig – und mitunter schlichtweg profan. Einerseits, weil die Zusammenhänge und die Bedeutung für die eigene Nutzung oder auch das Vorhandensein solcher Informationen gar nicht bekannt sind. Andererseits stehen Unternehmen vor dem Problem, dass enorme Massen der Daten völlig unstrukturiert sind. Hier läge die Herausforderung vor allem darin, die neuen Daten in den eigenen Bestand zu integrieren und miteinander zu verknüpfen, sodass sie die gleiche Sprache sprechen. Hinzu kommt, dass Wettbewerber untereinander naturgemäß darauf achten, wer von der Konkurrenz solche Daten eventuell ebenfalls nutzen soll.
Data Intelligence Hub
Im Data Intelligence Hub fungiert die Telekom als Treuhänder, der alle projektbezogenen Daten nur entsprechend der jeweiligen Rechte dezentral, transparent und direkt zwischen den Partnern austauscht.
In diesem Sinne erfüllt der „Telekom Data Intelligence Hub“ (DIH) eine Schnittstellenfunktion in Form eines Marktplatzes, der bisher speziell im Bereich des Datenmanagements fehlt. Der DIH bietet die zentrale Steuerung und ganzheitliche Marktübersicht über die Daten, die frei zur Verfügung stehen oder zum Kauf angeboten werden. Zugleich bietet der DIH die Möglichkeit der Vernetzung entsprechender Spezialisten mit Unternehmen, die wenig interne Ressourcen oder fachliche Expertise auf dem Gebiet von Künstlicher Intelligenz als Voraussetzung fundierter Datenfusion und -analyse besitzen, um Prozesse mit allen am Markt verfügbaren Daten gemeinsam zu optimieren und Lücken in den Wertschöpfungsketten zu schließen. Funktionsübergreifend lässt sich so aus der Zusammenführung selbst kleiner, weit versprengter Datenpartikel eine echte Datenfusion sicherstellen, die am Ende des Tages helfen kann, Produktionsverzögerungen, unnötige Kosten durch Wartezeiten oder überflüssige Lagerhaltung zu vermeiden.

Neutrale Treuhänderrolle

Dabei fungiert der Telekom DIH immer als neutraler, an höchste Sicherheitsstandards gebundener Datentreuhänder, der alle beigezogenen Daten schützt und nur entsprechend den jeweiligen Rechten direkt zwischen den Partnern austauscht. Damit ermöglicht der DIH die Übersicht, Transparenz und Steuerung eines dezentralen Austauschs, ohne dass die Telekom selbst dafür im Transferprozess eine Datenspeicherung vornehmen muss.
Beispiel Logistik: In der Regel liegen in jeder Fracht- bzw. Transportkette partiell Daten vor. Somit können Liefertermine zumeist ungefähr vorausgesagt werden. Aber Kunden, ob privater Besteller bei Amazon oder Frachtempfänger eines Bahnbetreibers, erwarten Pünktlichkeit, Präzision, Zuverlässigkeit. Zwar ist mit Blick auf die Auslieferung bekannt, wo zum Beispiel ein Paket wann verladen wurde und wo auf seinem Transport es sich aktuell ungefähr befinden müsste. Nicht bekannt ist, ob, wann, warum und an welcher Stelle sich eine Lieferung verzögert, da solche Daten in der Prozesskette fehlen. Genau diese Informationen jedoch würden es ermöglichen, in Echtzeit direkt gegenzusteuern, Wartezeiten und Lagerkosten zu reduzieren und für produzierende Unternehmen eine verlässliche Planung sicherzustellen.
212 Milliarden vernetzte Geräte bis 2020
Tatsächlich liegen diese Daten in verschiedenen Pools und nur fragmentiert vor. Mit dem DIH ist es möglich, diese fehlenden Daten zu beziehen, zu analysieren und auf einer einheitlichen Basis mit den eigenen Daten zu fusionieren – um Wissenslücken zu schließen und ein jederzeitiges Eingreifen bzw. Reagieren möglich zu machen.
„Der Telekom DIH wurde entwickelt, um die Komplexität einzelner Prozessketten für Unternehmen extrem zu reduzieren, einen Know-how-Transfer herbeizuführen und ein sicheres, zentrales und einheitliches Portal für die Optimierung von datengetriebenen Wertschöpfungsketten bereitzustellen“, erklärt Sven Löffler, Business Development Executive Big Data & Data-Driven Business bei T-Systems.

Sicherheit ist geschäftskritisch

Als erste Produktrealisierung seiner Art erfüllt der DIH dabei die von der „International Data Spaces Association“ (IDSA) erarbeiteten Grundsätze und hohen Sicherheitsstandards. Im Ergebnis sieht Sven Löffler für Unternehmen einen besonderen Vorteil darin, „dass für jede Datenaustauschschnittstelle die rechtlichen Rahmenbedingungen auf einfache Art genau definiert werden können. Damit ist rechtssicher festgelegt und dokumentiert: Wer darf was mit welchen Daten in welchem Zeitraum machen? Datensouveränität wird damit nicht nur technisch korrekt und für alle transparent umgesetzt, sondern auch rechtlich für alle Prozessbeteiligten abgesichert“. Ein Aspekt, der für Unternehmen wie Setlog essenzielle Bedeutung hat.
KI zur Miete
Zum Telekom DIH gehört eine „Mietwerkstatt für Künstliche Intelligenz“. Sie erlaubt Data Scientists das Verarbeiten von Daten mittels Tools und Open Source-Anwendungen, um gerade mittelständischen Unternehmen den Einstieg in das Arbeiten mit KI zu erleichtern.
Das 2001 in Bochum gegründete Softwarehaus mit Tochterunternehmen in den USA bietet Cloud-basierte Supply-Chain- und Vendor-Management-Systeme an, mit denen globale Produktions-, Liefer- und Logistikketten über Frühwarn-, Dialog-, Analyse- und Datenmanagementinstrumente geplant, gesteuert und optimiert werden. Den DIH der Telekom nutzt Setlog als Plattform für die Fusion und Analyse von Daten, mit denen das Unternehmen aktuell ein Supply-Chain-Navigationssystem für weltweite Transportketten auf den Weg bringt. Dabei werden auf Basis eines umfangreichen Datensharings die anonymisierten Frachtdaten des Softwarehauses mit öffentlichen Daten zusammengeführt. Ziel ist es, mithilfe von dynamischen Simulationsmodellen internationale Supply Chains über alle Verkehrsträger transparent und planungssicher zu machen. „Das Sharing und die Analyse von Frachtdaten nehmen teure Puffer und Unwägbarkeiten aus dem Spiel. Komplexe internationale Supply Chains lassen sich so in Zukunft sicher und transparent für alle Partner planen“, erläutert Ralf Düster, Managing Director der Setlog GmbH.