Supply Chain IoT Use Case: Ein digitalisierter Gartenbaubetrieb sichert eine zuverlässige Lieferung – und zufriedene Kunden.
IoT im Mittelstand

IoT querbeet

Für ein nordrhein-westfälisches Gartenbauunternehmen sind Tempo und gleichbleibend hohe Qualität in der Lieferkette unabdingbare Erfolgsfaktoren. Eine Entwicklung von T-Systems bietet so etwas wie IoT zum Anfassen und unterstützt dabei maßgeblich.
Autor: Sven Hansel
Fotos: Norbert Ittermann, Herbert von Danwitz, iStockphoto
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IoT quer Beet
Podcast: Open Telekom Cloud
Ende Mai, morgens, 7.30Uhr, in Tönisvorst bei Krefeld. Eintritt in eine ausgezeichnet duftende, aber zugleich äußerst emsige Arbeitsumgebung. Geschickt drücken zwei Mitarbeiter filigrane Setzlinge von Hand in einen schon maschinell mit Torf ausgestatteten Blumentopf. In einigen Minuten haben sie auf diese Weise gleich eine komplette Palette bestückt. Eine Station weiter rollen drei Mitarbeiterinnen 2.500 fertig gewachsene Fleißige Lieschen in einen bereitstehenden Lkw. Der ist noch nicht ganz aus der Parkbucht gefahren, da haben sich die drei längst einer neuen Aufgabe gewidmet. Bei all diesen Arbeitsgängen immer mittendrin: Firmenchef Herbert von Danwitz. Hier ein verbindliches Wort zur Packerin, dort ein prüfender Griff in die Blumenerde. Und immer, immer klingelt sein Mobiltelefon dabei. Mal sind es „3.400 Positionen nach Venlo“, mal „2.300 Stück nach Köln“. Das hat alles rein gar nichts mit den Wintergärten in Hollywood-Streifen zu tun, in denen übermäßig geschminkte alternde Diven kontemplativ ihre Rosen beschneiden, während im Hintergrund leise Chopin dudelt. Hier wird hart und sehr konzentriert gearbeitet. „Wir haben in unserer Branche mittlerweile einen 24-Stunden-Takt“, gibt von Danwitz einen Einblick in sein florales Business.

Drei Mitarbeiterinnen rollen 2.500 fertig gewachsene Fleißige Lieschen in einen bereitstehenden Lkw.
Supply Chain der Kunden als Taktgeber

Von 26.000 Quadratmetern Fläche am Niederrhein und 32.000 Quadratmetern in den Niederlanden aus bringt der Familienbetrieb von Danwitz Farbakzente in Deutschlands Haushalte. In zweiter Generation arbeiten rund 30 Angestellte in der Tradition des Firmengründers: „Qualität, Fachkompetenz und zuverlässige Lieferung sichern zufriedene Kunden.“
Um den Fortbestand dieses Credos dauerhaft zu sichern, sind für das 1952 gegründete Gartenbauunternehmen jedoch immer neue Kraftanstrengungen notwendig. „Die Zeiten, in denen der Fachhandel hier auf dem Hof aufschlägt und zwei Paletten einkauft, sind vorbei. Heute bestimmen große Discounter, Baumärkte und Lebensmitteleinzelhändler mit Massenbestellungen unser Geschäft“, sagt Herbert von Danwitz. Das heißt: „Deren Supply Chain gibt den Takt vor“, so der Firmenchef weiter.
11.45 Uhr, es wird deutlich, was Herbert von Danwitz meint, wenn er von „Takt“ spricht. Kleine Details wie RFIDChips unter den Rollwagen verraten, dass hier industrievergleichbare Logistikprozesse ablaufen – echte „Flower-Power“. Soeben wird ein kompletter Lkw für einen Kölner Stammkunden vorbereitet. Und dessen Order ging keinesfalls bereits vor ein paar Wochen ein. „Mitunter bekommen wir am Vormittag den Auftrag für 4.000 Pflanzen, die am nächsten Tag um 7.30 Uhr in Köln sein müssen“, erklärt von Danwitz. Sein Blick und die Betonung des Wortes „müssen“ sind dabei recht eindeutig. Man sei dann auf einen Lkw disponiert, auf dem auch verderbliche Waren anderer Lieferanten wie Salat oder Obst ihren Platz haben. Abgesehen davon, dass es der Kunde auch aus Effizienzgründen „höchst unerfreulich“ fände, wenn dann ein Palettenplatz leer bliebe, weil seine Mitarbeiterinnen eben nicht rechtzeitig fertig gepackt hätten, sei ein Unterbrechen der Lieferkette das absolute No-Go. „Liefertreue ist unseren Kunden heutzutage das A und O. Hast du zwei-, dreimal nicht liefern können, bist du raus“, bringt es von Danwitz auf den Punkt.
„Liefertreue ist unseren Kunden heutzutage das A und O.“, bringt es von Danwitz auf den Punkt.
„Mitunter bekommen wir am Vormittag den Auftrag für 4.000 Pflanzen, die am nächsten Tag um 07.30 Uhr in Köln sein müssen.“
HERBERT VON DANWITZ,
Gartenbauunternehmer Tönisvorsty

Variablen in Konstanten verwandeln

Diese Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass in den Gewächshäusern keine rührselige Blumenromantik mehr vorherrscht. Hier bestimmt längst Technologie die Prozesse. Die vollautomatische Bewässerungsanlage fängt das Regenwasser auf und verteilt es über die Hunderttausende von Blumentöpfen. Das Pflanzenwachstum wird in der IT berechnet und der angestellte Gartenbauingenieur nimmt für seine Planungen auch Wetterdaten – „Hatten wir ein dunkles oder ein helles Frühjahr?“ – mit in die Berechnungen auf. Selbst seine Klimaanlagen steuert Herbert von Danwitz über eine Handy-App. „Das bedeutet für uns, dass wir selbst eine Variable wie das Wetter weitestgehend in eine Konstante verwandeln können. Eine Variable jedoch können wir nicht ändern, und das ist der Faktor Arbeitskraft“, betont der Chef.
Geschickt drücken zwei Mitarbeiter filigrane Setzlinge von Hand in einen schon maschinell mit Torf ausgestatteten Blumentopf.
So hat auch das nordrhein-westfälische Unternehmen – wie eigentlich alle anderen Firmen – mit Fachkräftemangel zu kämpfen. Angefangen vom qualifizierten Kraftfahrer bis hin zum Gartenbauingenieur. Selbst die für seine Branche dringend notwendigen Saisonkräfte muss von Danwitz – der diesen selbstredend den Mindestlohn bezahlt – aus ganz Europa rekrutieren. Bis zu 40 in der Spitze sind für das Unternehmen tätig. Natürlich meldet sich auch mal einer davon spontan krank, muss das Unternehmen mangels Befähigung verlassen oder ist schlicht unzuverlässig. Daraus entstehen dann genau diejenigen Probleme in der Supply Chain, die der Blumenlieferant so rein gar nicht gebrauchen kann.

Schwarz-Rot-Gold für Kurzentschlossene

14.23 Uhr, bei Herbert von Danwitz geht der x-te Anruf auf dem Handy ein. Der Einkäufer einer Baumarktkette zeigt sich begeistert von der neuesten Idee aus Tönisvorst: Töpfchen mit schwarz-rot-goldenen Petunien, perfekt für die Fußballweltmeisterschaft. Und er ordert gleich mal ein paar Tausend Stück. Der Unternehmer rotiert – jetzt muss alles schnell und exakt gehen, denn die Lieferkette muss ja unbedingt halten. Indes: Damit dem auch garantiert so ist, unterstützt ihn seit Neuestem eine clevere IoT-Lösung von T-Systems zur Leistungseffizienzmessung in den Produktionsprozessen.
In nur wenigen Minuten bestücken die Mitarbeiter des Gartenbauunternehmens von Danwitz eine komplette Palette mit Setzlingen.
Denn gehen derartige Anrufe ein, lautet die wichtigste Information, die der Firmenchef dann braucht: Wie stehen wir personell jetzt in diesem Moment in unseren Prozessen? Auf einer 26.000 Quadratmeter großen Fläche kann das aber schon mal eine Herausforderung sein, der ohnehin stetige Zeitdruck wächst dadurch noch etwas mehr.
Bei jedem neuen Arbeitsauftrag nehmen die Mitarbeiter jedoch neuerdings zusätzlich eine kleine Box mit einem QR-Code und ein Smartphone zur Hand und scannen einen zum Auftrag gehörenden NFC-Tag ein. Dasselbe machen sie bei einer Pause und zu guter Letzt dann, wenn sie den Auftrag abgeschlossen haben. Diese Informationen fließen anschließend automatisch über das Mobilfunknetz in eine cloudbasierte IoT-Pattform, auf der die Leistungs- und Produktionsdaten zusammengefasst, analysiert und aufbereitet werden. Der Unternehmer kann dann ganz einfach auf seinem Büro-PC oder seinem Smartphone ein Dashboard aufrufen und sich detailliert informieren: Wie viele Blumentöpfe sind bereits auf Paletten gestapelt und bereit für den Transport? Wie sind die Leistungsdaten der einzelnen Teams? Wie effizient wurde eine bestimmte Blumenkultur transportfertig gemacht? Welches Team ist früher als geplant fertig und kann nun an einer anderen Station aushelfen? „All diese Daten helfen uns sehr bei der Sicherstellung einer reibungslosen Supply Chain“, verrät von Danwitz.
Bei allen Arbeitsgängen immer mittendrin: Firmenchef Herbert von Danwitz.

Kontinuität in der Auslastung

Darüber hinaus bietet die IoT-Lösung auch Informationen für die zukünftige Planung. Das Gartenbauunternehmen kann mit den Informationen genau berechnen, wie effizient eine Blumenkultur transportfertig gemacht wurde und entsprechend die Nachkalkulation steuern. Und es kann zudem übergreifende Prozesse dadurch optimieren, so der Firmenchef. „Wir lassen unsere Töpfe nunmehr alle in den Pausen unserer Mitarbeiter bewässern. Auf diese Idee sind wir auch erst durch die Datenauswertung gekommen.“
Selbst seine Klimaanlagen steuert Herbert von Danwitz über eine Handy-App.
Ein übergeordneter Nutzen der Plattform für das nordrhein- westfälische Unternehmen besteht darin, eine Kontinuität der Arbeitsprozesse zu gewährleisten. Wichtig aber: „Es geht mir dabei darum, dass meine Mitarbeiter fortlaufend 100 Prozent leisten und nicht 110 Prozent. Hier soll keinesfalls unter Stress produziert werden, denn damit erreichen wir nicht die Qualität, die unsere Kunden von uns verlangen, sondern erhöhen lediglich den Ausschuss“, erläutert Herbert von Danwitz. „Die Beschäftigten sollen weiterhin gerne zur Arbeit kommen.“
Eine allgemeingültige Haltung. „Deshalb denken wir, dass unser neues Angebot branchenübergreifend spannend ist“, meint Ralf Konrad, Produktmanager der T-Systems-Lösung. Und in der Tat: Wettbewerbsvergleich, Kostenentwicklung, Liefertracking, Istzustand der Produktion, Prozessintegration oder Innovationsbedarf – all diese Kernpunkte lassen sich heute besser und genauer eruieren als per traditioneller Handarbeit. Der einfache Aufbau der T-Systems-Entwicklung führt außerdem dazu, dass der Kunde weder große technische Vorbereitungen treffen noch selbst programmieren muss. Die Dashboards sind bereits vorkonfiguriert; das gilt auch für bereits eingerichtete Alarme, etwa dann, wenn ein Unternehmen Gefahr läuft, das Produktionsziel nicht zu erreichen. „Überall dort, wo viel be- und entladen wird oder wo es eine komplexe bzw. empfindliche Supply Chain gibt, kann unser Angebot sinnstiftend sein“, sagt Ralf Konrad. Ob es Zulieferer in der Automobilindustrie sind, größere Handwerksbetriebe im Projektgeschäft oder beispielsweise Schlachtereien: Der Warenfluss lässt sich damit auf jeden Fall optimieren. Das liegt auch daran, dass die Lösung technologisch mit der Zeit geht.
Zur Fußball-WM belieferte Gartenbauunternehmer von Danwitz eine deutsche Baumarkt-Kette mit schwarz-rot-goldenen Petunien.
Zur Fußball-Weltmeisterschaft belieferte das Gartenbau-Unternehmen von Danwitz eine deutsche Baumarkt-Kette mit schwarz-rot-goldenen Petunien in entsprechend farbigen Blumentöpfen.

Digitale Transparenz in der Wertschöpfung

Die Plattform ist sehr offen aufgebaut und funktioniert mit jedem beliebigen Endgerät. Dasselbe gilt für die Konnektivität, die jedes Kommunikationsprotokoll und jedweden Übertragungsweg zulässt. Das Fundament bildet die leistungsstarke Azure-Cloud-Plattform von Microsoft und letztlich lassen sich über die Schnittstellen des Systems auch Lösungen wie Salesforce, SAP oder Fertigungssoftware (MES) problemlos anbinden.
Im Ergebnis bekommen so alle Betriebe mit hohem Personaleinsatz in der Wertschöpfung digitale Transparenz in ihre Supply Chain. Ad-hoc-Abfragen zum Status der Produktion sind möglich und können auch vollautomatisch an die Kunden weitergeleitet werden – gerade Großunternehmen erwarten diese digitalen Informationen von ihren Zulieferern in zunehmendem Maße. Ein solches Plus in Sachen Transparenz führt zu einer Kostensenkung und mehr Flexibilität bei der Teamsteuerung im Betrieb. Umsatzpotenziale lassen sich dank einer höheren Transparenz bei den Beständen besser ausschöpfen, etwa durch den Abverkauf von Restwaren im Lager. Die Kundenzufriedenheit wächst, die Mitarbeiter werden für ihre Leistung belohnt.
Eine leistungsstarke Cloud-Plattform sorgt beim Gartenbauer von Damwitz für digitale Transparenz in der Wertschöpfung.
18.12 Uhr, ein weiterer Kundenanruf bei Herbert von Danwitz – die erste Bestellung für die Adventswochen. Weihnachtssterne für mehrere Hundert Supermärkte eines LEH-Konzerns (Lebensmitteleinzelhandel). „Wir wissen bereits im Frühsommer auf das Stück genau, wie viel Ware wir zum ersten Advent auf den Paletten haben müssen. Aber mit der neuen IoT-Lösung bin ich mir noch ein Stück weit sicherer, dass wir auch das problemlos hinbekommen werden“, unterstreicht Herbert von Danwitz und ist auch schon wieder auf dem Sprung. Ein niederländischer Lieferant meldet sich am Telefon, diesmal geht es um Gemüsesetzlinge für den Balkon. Der neueste Trend, der vermutlich in ein paar Wochen vielleicht auch in den Smartphones der Mitarbeiter als neue Position fürs Einscannen zu finden ist.

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