Vorausschauende Straßenwartung: Sensoren wie Beschleunigungs- und Raddrehzahlsensoren registrieren Unebenheiten in der Fahrbahn.
Vorausschauende Straßenwartung

Kampf dem Schlagloch

Deutschlands Straßen stehen unter Dauerbelastung. Der Verkehr hat sich während der vergangenen 30 Jahre verfünffacht. Dadurch steigt die Zahl der Straßenschäden – und somit erhöhen sich auch die Kosten für Reparaturen.
Autor: Roger Homrich
Fotos: dpa/picture alliance/Patrick Seeger, Bundesanstalt für Straßenwesen
Rund 13.000 km Bundesautobahnen und 40.000 km Bundesstraßen werden durch das ZEB-Verfahren auf Schäden geprüft.
Im Mai 2018 war es wieder so weit. Das Bundesverkehrsministerium schickte spezielle Messfahrzeuge auf die Reise durch neun Bundesländer. Ihre Aufgabe: den Zustand von mehr als 30.000 Fahrstreifenkilometern auf den Autobahnen erfassen. Hochauflösende Sensoren erfassen unter anderem Zustandsmerkmale wie Längs- und Querebenheiten. ZEB – „Zustandserfassung und -bewertung von Straßen“ – heißt das Verfahren, mit dem die 13.000 Kilometer Bundesautobahnen und rund 40.000 Kilometer Bundesstraßen auf Schäden gecheckt werden. „Derzeit findet eine Erfassung dieser Daten jedoch nur alle vier Jahre statt. Hinweise auf potenzielle Straßenschäden werden dadurch häufig spät erkannt. Das macht die Reparaturen aufwendiger und kann die Kosten in die Höhe treiben“, sagt Martin Rous, Informatiker bei Bosch.
Durch spezielle Messfahrzeuge lässt das Bundes-Verkehrsministerium Straßenzustand und Fahrbahnbeschaffenheit kontrollieren.
Durch spezielle Messfahrzeuge lässt das Bundes-Verkehrsministerium die Zustände und Fahrbahnbeschaffenheit von Bundesstraßen und Autobahnen kontrollieren. So genannte „Schlagloch-Detektoren“ messen u. a. Flickstellen, Risse und deren Verläufe, Spurrinnen, fiktive Wassertiefen.

AUTOS ERFASSEN STRASSENSCHÄDEN

Zusammen mit weiteren Partnern hat Bosch das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt und Start-up StreetProbe gegründet. Das Start-up StreetProbe entwickelt ein Verfahren, das den Zustand der Straßen permanent – quasi nebenbei – erfasst. Bereits heute in Fahrzeugen vorhandene Sensoren wie Beschleunigungs- und Raddrehzahlsensoren registrieren von Unebenheiten in der Fahrbahn oder Schlaglöcher hervorgerufene Bewegungen.
Für die Anbindung der Fahrzeugsensorik an eine Cloud werden die Versuchsträger mit einer sogenannten Connectivity Control Unit (CCU) ausgestattet. Sie sammelt, speichert und verarbeitet die Daten im Vorfeld und schickt sie verschlüsselt mit GPS-genauer Positionsangabe in die Cloud. So lassen sich frühzeitig Straßenschäden erkennen und kostengünstig reparieren, bevor große Schlaglöcher entstehen. „Ideal wäre es, ganze Fahrzeugflotten auszustatten. Die Daten könnten die ZEB-Informationen ergänzen und damit den Straßenzustand ohne zusätzlichen Einsatz von Fahrzeugen und Personal regelmäßiger überwachen“, erklärt Rous.

GEZIELT REPARIEREN KOSTET WENIGER

Gegenwärtig entwickelt StreetProbe auf der Basis von Daten aus Testfahrzeugen Referenzdaten und einen Schadenkatalog mit einem Mustererkennungssystem. Anschließend überprüft eine Testflotte die Ergebnisse. Primär ist die Lösung interessant für die öffentlichen Straßenbaulastträger. Sie müssen die Straßen nicht regelmäßig abfahren und deren Zustand erfassen. Häufen sich an einer Stelle Hinweise auf Schäden, können sie diese gezielt begutachten und gegebenenfalls mit geringem Aufwand instand setzen, bevor aus einem noch harmlosen Schlagloch ein gefährlicher Krater wird.

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