UFA

„Marktführerschaft ohne Filmriss“

Mitunter treffen Journalisten auf Interviewpartner, die ihr Gegenüber dadurch sehr zufriedenstellen, dass es am Ende des Tages doch nichts wird mit dem Interview. Ernst Feiler ist so einer. Nur ein Stichwort – ein Monolog wird zum Erlebnis.
Autor: Thomas van Zütphen
Fotos: Marko Priske
Sprechen, reden und erzählen. Durchaus mit Punkt und Komma, aber aus einem Guss. Feine Mimik, ausladende Geste – alles im Programm. Einem Botschafter vor der Kamera zum Beispiel würde Ernst Feilers Auftreten zur Ehre gereichen. Und im Grunde ist er das in diesem Moment ja auch, als Director Technology der UFA, des größten Film- und Fernsehproduzenten Deutschlands. Eine Doppelrolle, wenn man so will, aus deren Skript sein „jetzt mal off the records“ das wenige Undiplomatische rasant ausschneidet. Nur ganz kurz überlegt Feiler eingangs, womit sein Drehbuch der nächsten Stunde anfangen soll. Bewährt, schon im Vorspann vieler Kinofilme, hat sich ja ...

Cloud-Future-Konzept für die Film- und Broadcastindustrie

„Okay, kurze Rückblende: 2014 haben wir mit den Kollegen von RTL ein Cloud-Future-Konzept für die Film- und Broadcastindustrie erarbeitet, was aber zwei eigene Industrieformen sind. Das eine hat mit Chemie und Tauchbädern zu tun, das andere mit großen Broadcastcentern und MAZen, was auch noch nicht wirklich IT ist. Aber wir haben gesagt: Beides wird ersetzt durch IT, um drei große, in 100 Jahren Film- und Fernsehgeschichte geschaffene Technologieinseln abzulösen. Erstens die Produktion von Formaten, in denen Zelluloid und EB-Kameras Standard sind oder waren. In Zukunft sind das Rechner mit einer Optik und einem Chip – also IT. Zweitens in der Distribution. Das lief früher über Tapes und Broadcastinfrastrukturen. Beim Streaming von heute ist alles digital. Also auch IT. Und das Dritte ist unser Archiv. Früher waren das Bänder, Zelluloiddosen. Heute ist es alles digitalisiert. Entmaterialisiert.“

Geld für Logistik verbrannt

„Noch vor fünf Jahren", schaut Feiler zurück, „nahmen wir alles zwar schon digital auf, transportierten es dann aber physisch in eine andere Infrastruktur, die man Center nennt, aber im Grunde genommen auch schon IT ist. Und wenn man fertig ist, transportiert man es physisch zu einem Bergwerksstollen, um es dort 10.000 Jahre zu archivieren.“ Diese Kette zu bedienen ärgert Feiler heute noch, „heißt das doch nichts anderes, als enorm viel Geld in Logistik zu verbrennen. Dadurch wird aber kein Film, kein Drehbuch und kein Schauspieler besser.“
Der nächste Gedanke hellt sein Gesicht wieder auf: „Ideal wäre: was immer unsere Kameras aufnehmen, als digitale Bilddaten zu generieren, sie an einen Ort zu verbringen – nämlich in die Cloud – und alle anderen Wertschöpfungsprozesse nur noch darauf zu referenzieren. Nur geht es dabei immer um Konnektivität. Eine Cloud ist nur sinnvoll, wenn ich einen sicheren, stabilen Weg dorthin und wieder zurück finde. Insofern ist es ein Alleinstellungsmerkmal der T-Systems, weil wir dort beides bekommen: die Cloud und den Weg, und zwar, um unsere Prozesse in die Neuzeit zu bringen – den schnellsten, kostengünstigsten, intelligentesten.“
"Im nächsten großen Step geht es um Live-Produktionen in der Cloud. Das ist die Königsklasse." Ernst Feiler, Director Technology, UFA 
Angefangen hat alles für Feiler und seine UFA-Kollegen lange vor der Cloud mit der Frage: Wie bekommen wir digitale Daten von einem Set in unsere Postproduktion in Potsdam? Dorthin befördern aktuell Kurierfahrer jeden Tag die Festplatten aus Drehorten wie Köln, Frankfurt oder München. Und mit technischen Details einer alternativen Lösung, wehrt Feiler ab, „wollen wir uns als Produktioner nicht auseinandersetzen. Lieber mit den Details, die vor der Kamera spielen. Von einem IT-Dienstleister hinter unserer Kamera erwarten wir einen ganzheitlichen Service. Nach dem Motto: ‚T-Systems, wir haben hier gerade zwei Terabyte an Daten, holt’s ab und stellt es mir in kürzester Zeit wieder zur Verfügung. In der Postproduktion und auf meinem Handy zur Abnahme.‘ Doch wie viel Zeit, Geld und CO2 heute noch verbrannt werden, um Datenträger von A nach B zu transportieren, ist kaum vorstellbar.“

Eskalierende Datenmengen

Nachhaltigkeit steht für ein Thema, über das Feiler erst am Vormittag referiert hat. Er ist Mitglied des UFA Green Teams, einer Mitarbeiterinitiative, die sich seit 2014 für den Themenkomplex nachhaltige Fernsehproduktion und Officegestaltung bei der UFA engagiert. Dass sich der Umgang mit materiellen Ressourcen mächtig von jenem mit virtuellen unterscheidet, kennt Feiler aus dem eigenen Urlaub. An den erinnert bei ihm zu Hause eine Dialampe. Umsichtig, im wahrsten Sinne des Wortes, hat er dafür sechs Ektachrome-Filme belichtet. „Aber in denselben 14 Tagen 3.500 Fotos mit der Digitalkamera gemacht. Und am Filmset ist es praktisch genauso. Früher hat man aufs Drehverhältnis geachtet, weil jeder Meter Geld kostete. Heute eskalieren die Datenmengen, weil man digital produziert, und mit dem Thema UHD/HDR* werden sie noch mal explodieren. Das Gute aber ist: Die Datenmengen sind dann für die folgende Bearbeitungskette schlichtweg zu groß. Das bedeutet: Man muss zu einem sehr frühen Zeitpunkt sogenannte Proxys, also kleinere Datenmengen, generieren, um weiterproduzieren zu können. Und diese kleinen Derivate sind qualitativ hochwertiger als der HD-Standard jetzt. Klingt dialektisch, ist aber so.“

Ein Terabyte Daten pro Tag

Eins ist auch für Branchenfremde klar: je höher die Datenmengen am Set, desto sinnvoller der Weg über LTE in die Cloud. Ein Kopfnicken und Feiler stimmt zu. Zum Verständnis: In den Auftragsbüchern der UFA stehen aktuell Tausende Drehtage pro Jahr. Etwa zehn Produktionen gleichzeitig setzen jeden Tag über die Welt verteilt bis zu 30 Drehteams ein. Allein für die Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ fallen im HD-Standard 250 GB an Daten pro Tag an. Nach der Umstellung auf UHD wird es ein Terabyte pro Tag sein. Ein Output, der alle wichtigen TV-Programme betreffen wird und dem so an manchen Abenden allein in Deutschland ein Gesamtpublikum von 30 Millionen Menschen folgen wird: in Serien wie „Charité“, „Ku’damm 59“ und „Donna Leon“ oder Showformaten wie „Deutschland sucht den Superstar“. Wenn für manche Sendungen zwei, drei EB-Teams durch Deutschland reisen, können vom Zeitpunkt der Aufnahme bis zum Eintreffen des Materials in der Postproduktion zwischen 36 Stunden und fünf Tagen liegen.

Quantensprung durch Cloud-Technologie

Im dreimonatigen Proof of Concept (POC) der Open Telekom Cloud im Herbst vergangenen Jahres brauchte es im Idealfall zwei Minuten. „Das ist schon im Sinne von ‚Zeit ist Geld‘ ein enormer Vorteil. Das Ergebnis des POC hochgerechnet, würden wir pro Jahr eine sieben-stellige Summe, die der Datentransport overall für die UFA heute kostet, sofort halbieren. Vom CO2-Footprint, den wir in der Open Telekom Cloud rapide verbessern, ganz zu schweigen.“ Und damit kommt der Technologiechef erst richtig in Fahrt: „Zwei Minuten Versatz von der Aufnahme zum nächsten Verarbeitungsschritt ist unglaublich. Ein Quantensprung, der nur mit Cloud-Technologie realisierbar ist.“
„Eine Cloud ist nur sinnvoll, wenn ich einen sicheren, stabilen Weg dorthin und wieder zurück finde. Insofern ist es ein Alleinstellungsmerkmal der T-Systems, weil wir dort beides bekommen: die Cloud und den Weg, und zwar, um unsere Prozesse in die Neuzeit zu bringen – den schnellsten, kostengünstigsten, intelligentesten.
Ernst Feiler, Director Technology, UFA
Prinzipiell wird es so funktionieren, dass die UFA-Crews schon während der Aufnahme das Material über LTE in die Cloud streamen, dort prozessieren und die Daten via Back-up sichern und im dritten Step ein Derivat für die Postproduktion generieren, damit ein Cutter damit weiterarbeiten kann. „Noch sind die Hersteller nicht so weit, dass unsere Kameras an die Datenleitung gekoppelt werden könnten. Aber wir haben im Testcase mit T-Systems einen intelligenten Datenkoffer gebaut, der den Transport vom Set aus initiiert. Dazu braucht man aber Partner, die in der Cloud spezifische Filmdienste zur Verfügung stellen, die der Tatsache Rechnung tragen, dass wir als Manufaktur branchenspezifische Formate brauchen und keine Standards.“
Durchs Fenster seines Büros deutet Feiler auf eine Halle der Filmstudios Babelsberg gegenüber und fährt in Gedanken noch einmal zurück zu den „Inseln“ Produktion, Distribution, Archiv. Auf der anderen Straßenseite hat Fritz Lang „Metropolis“ gedreht, einen Skandalfilm über das Sittenbild der 20er-Jahre, bevor die am Ende der Dekade in Deutschland wild wurden. „Nicht jugendfrei“. Auch weil das Drehbuch die UFA-Schauspielerin Brigitte Helm in mancher Szene nur fadenscheinig bekleidete. Alles eine Frage der Einstellung. Heute ist „Metropolis“ Kunst mit der Altersfreigabe „FSK 6“. Skandalös erschien den Geldgebern des Films auch, dass Lang unfassbare 600 Kilometer Film durch die Kameras laufen ließ. Mit einer Spielzeit entsprechend 350 Stunden hätte der Streifen ausgerollt von Babelsberg bis Wiesbaden gereicht. Genau dort, im nationalen Filmerbe der Murnau Stiftung, schlummern cineastische Schätze wie „Der blaue Engel“ oder „Metropolis“ heute. Nur nach 1964 gedrehte UFA-Produktionen liegen schon in Dublin, in einer Azure Cloud des strategischen T-Systems-Partners Microsoft. „Damit,“ erklärt Feiler, „haben wir praktisch alles digitalisiert, was heute noch einen Markt hat, und können es – Stichwort ‚Distribution‘ – per Mausklick aus dem Archiv heraus weltweit streamen. Im Moment entwickeln wir eine KI-Lösung, die jeden Film automatisch untertitelt, je nachdem, in welcher Sprache oder welchem Land er gezeigt wird. Letzter großer Step, das Dreieck zu schließen, ist die Produktion. Was wir dafür brauchen, ist eine Edge-Cloud-Infrastruktur, eine hybride Konstruktion aus private, public und diversen speziellen Cloud-Services. Das geht nicht ohne Partner, Orientierungshilfen und gegenseitiges Lotsen, etwa um große Datenmengen in 8K schon lokal zu prozessieren. Mit einer intelligenten Cloud-Struktur, die mir die Daten in der Qualität dort bevorratet, wo ich sie für unterschiedlichste Bearbeitungsschritte brauche. Mit Blick auf die nötige Konnektivität ist es großartig, mit der Telekom und T-Systems zusammenzuarbeiten. Denn da habe ich alles unter einem Dach und bei T-Systems ein selten kreatives Team, dem unser Case erkennbar Appetit macht.“

Live-Produktion in der Cloud

Kurze Unterbrechung. Ernst Feiler bittet seine Assistentin, ihm in der Kantine einen Snack zurücklegen zu lassen. Director’s Cut quasi. Aber – um im Sujet zu bleiben – sind es nicht lebenserhaltende Maßnahmen, die den Produktionsfluss der UFA bestimmen? „Absolut. Darum geht’s. Nicht nur in szenischen Produktionen nach Drehbuch. Im nächsten großen Step“, holt Feiler aus, „geht es um Liveproduktionen in der Cloud. Das ist die Königsklasse. ‚Supertalent‘ oder ‚DSDS‘ könnten ein erstes reales Projekt sein. Cloud-Regie von Liveproduktionen hätte enorme Vorteile, denn die lokale Installation einer UHD-Regie, die zum Beispiel ein Finale von DSDS live überträgt, erfordert hohe Investitionen. In der Cloud installiert, ist sie flexibel einsetzbar und rechnet sich schnell. Das ist ein gigantischer Markt, den wir da vor uns haben. Es lohnt, dass sich die UFA und T-Systems hier gemeinsam vortasten. Das wird ein langer Weg. Aber wir wollen ihn unbedingt gehen, denn unser Ziel ist, den Markt zu führen, und nicht, ihm zu folgen. Nur wer den Markt führt, kann die Effekte digitaler Entwicklung auf unser Branchengeschehen beeinflussen.“
Schon klar: Ein Filmriss bei der Marktbeobachtung, im Vorführraum zukünftiger technologischer Möglichkeiten, könnte fatale Folgen haben. Da gilt es die Aufmerksamkeit hoch zu halten: für Social-Media-Produktionen mit dem Handy zum Beispiel über ein einfach zu Equipment-Set-up. Mit T-Systems will die UFA einen Standard bauen und eine Media-Production-App entwickeln, die für YouTube- und Instagram-Nutzer die komplette Produktionskette abbildet. Feilers Vision: „Ich werde im T-Shop das Set kaufen können, die App runterladen und alles automatisch vom Handy in die T-Systems-Cloud spielen, um es dort wie professionelle VJs bei ‚divimove‘ zu bearbeiten. Mit Schnitt, mit Colourgrading, Untertiteln. Die User von Facebook und Co. warten nur darauf. Das wird der nächste Massenmarkt.“
Mit der Erfahrung aus der Open Telekom Cloud stehen aus Sicht des UFA-Technologiechefs neben den Social-Media-Plänen jetzt drei Dinge an. „Erstens: aus dem Proof of Concept des vergangenen Jahres eine stabile Servicedelivery aufbauen für eine 7/24-Bereitstellung. Zweitens: nach fiktionalen Produktionen ein weiteres POC für Liveproduktionen entwerfen. Und drittens: den Datenkoffer weiterentwickeln, der in zwei Minuten alle Prozesse synchronisiert. Step by Step, simulieren, protokollieren, skalieren. Dafür müssen wir die Technik entwickeln, neue Tarife und Businessmodelle. So etwas braucht Minimum 24 Monate. Aber vielleicht kann der Reiz der Möglichkeiten, die vor uns liegen, die Dinge ja ein wenig beschleunigen.“
Mit diesem Gedankenspiel schaut Feiler wieder nach draußen, auf die andere Straßenseite. Zur „Metropolis-Halle“, die in Wahrheit „Marlene-Dietrich-Halle“ heißt. 2012 wurde hier der bis heute teuerste deutsche Kinofilm gedreht. Tom Hanks war dabei, Halle Berry, Hugh Grant und viele andere. Der Titel des Films: „Cloud Atlas“. Im Grunde Feilers Stichwort.
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1917 gegründet, gehört die UFA zu einer der ältesten Unterhaltungsmarken der Welt. Mit aktuell mehr als 2.500 gesendeten Programmstunden pro Jahr hat das Unternehmen mit Sitz in Potsdam seine Marktführerschaft als Film- und Fernsehproduzent in Deutschland kontinuierlich ausgebaut und sich zu einem Spezialisten für Lösungen sowohl der digitalen als auch der multimedialen Inhalteverwertung entwickelt.