Über Netzwerktechnologien der nächsten Generation schreibt Reinhard Clemens, Telekom-Vorstand und CEO von T-Systems.
Editorial

Arbeiten 4.0 braucht Partner. Nach innen und nach aussen.

Reinhard Clemens, Vorstand T-Systems Deutsche Telekom AG und CEO von T-Systems
Die Arbeitswelt wird digitaler, flexibler, vernetzter. Einer der aus meiner Sicht massivsten Treiber dieser Entwicklung ist das Zusammenwachsen unserer realen und virtuellen Mobilität. In spätestens zehn Jahren werden zunehmend autonom fahrende Autos die Fahrzeit, die wir mit Arbeiten verbringen können, vervielfachen. Jungen Leuten wird 2035 vermutlich das Wort „Lenkrad“ so wenig sagen wie „Telefongabel“ oder „Wählscheibe“ unseren Kindern von heute. Dabei sind es maßgeblich die Trends zur Industrie 4.0 und zum Internet der Dinge, die nicht nur die Entwicklung und Fertigung jeder Art von Devices – seien es Autos, Maschinen oder Geräte – grundlegend verändern. Sondern vor allem die Art, wie wir diese Dinge nutzen. Wann, wo und wie wir mit ihnen arbeiten.
So kann schon bald unsere Bekleidung zum festen Bestandteil interaktiver Kommunikation werden, wie Fashion Fusion, eines unserer Innovationsprojekte im Konzern, zeigt. Neue Technologien wie künstliche Intelligenz und Augmented Reality, der 3D-Druck oder kollaborierende Roboter greifen in bestehende Arbeitsformen ein – in die unserer Kunden wie auch in unsere eigenen – oder lassen komplett neue Modelle des Arbeitens entstehen. Welche Anforderungen stellt es an Unternehmen und ihre Mitarbeiter, wenn Freelancing, CoWorking und virtuelle Teams zukünftig eine ungleich größere Rolle spielen? Und immer häufiger Leistungsträger unserer Firmen gleichwohl nicht mehr fest zum Unternehmen gehören? Zugleich wird Technik zunehmend in der Lage sein, menschliches Fertigungskönnen zu ersetzen. Dass Unternehmen dafür sichere Cloud-Plattformen und zuverlässige Konnektivität brauchen, ist das eine. Im Idealfall ist das andere ein zentrales Datenmanagement ohne Schnittstellenchaos. Denn, wie es der PAC Deutschland Chef Klaus Holzhauser im Interview in diesem Heft sagt: Anwender suchen nicht nach Produkten oder Technologien, sondern nach Lösungen für ihre Herausforderungen. Und die findet man heutzutage nur noch in Partnerschaften und der Bereitschaft, sich zu öffnen. Ein Gedanke, der viele Facetten hat. 
Denn hinter alldem stecken Technologiesprünge, die man nicht vernachlässigen darf – sonst überholt einen der Markt. Der Arbeitsmarkt zum Beispiel, die Produktivität des Wettbewerbers, die Intelligenz, mit der er neue Arbeitsorganisationsformen zur Effizienzsteigerung nutzt.
Mir persönlich ist dabei sehr wichtig, was im Zuge dieser Entwicklung auf die Mitarbeiter unserer Unternehmen zukommt: Je mehr das Internet, Big Data und High Performance Computing die physikalische Welt mit dem Cyberspace verbinden, desto mehr wird aus der Phrase „Arbeiten, wo immer und wann immer“ eine reale Option. Aber genau das muss es auch bleiben. Es geht ums Können, nicht ums Müssen. Es geht darum, die neue Dimension unserer Arbeitswelt mit zukünftig viel flexibleren Arbeitszeit und Arbeitsplatzregelungen so zu gestalten, dass drei Ziele gleichermaßen erreicht werden: die der Unternehmen, die ihrer zukünftig ständig in neuer Konstellation arbeitenden virtuellen Teams und die des einzelnen Mitarbeiters.
Vor allem Letzteres – die „Mitarbeiterdimension der Digitalisierung“, wie es mein HR-Kollege Georg Pepping in unserer TopStory nennt – muss für Unternehmen immer in Betracht bleiben. Zumal sie auch den Mitarbeitern selbst neue Skills abfordert: Disziplin, Eigenverantwortung und den Einsatz der eigenen Arbeitskraft, Kreativität und Talente zu optimieren.
Insofern sind eine vertrauensbasierte Unternehmensführung und ein verantwortungsvolles Selfmanagement der Mitarbeiter auch eine Frage von neuer Partnerschaft. Und als Säule unseres Arbeitens 4.0 so wichtig wie Technik. Beides muss stehen. 
Herzlichst,
Ihr Reinhard Clemens