Sicher mobil unterwegs. Klaus Holzhauser von PAC erläutert, warum Mobility-Konzepte vor allem sicher sein müssen.
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Mobility muss vor allem eines sein: Sicher.

Gespräch mit PAC-Deutschland-Chef Klaus Holzhauser zwischen virtueller und realer Mobilität.
Autor: Thomas van Zütphen
Illustration: Cindy Schmid; Foto: Monika Holzhauser

Von der Arbeitswelt, unserer Produktivität bis hin zur persönlichen Work-Life-Balance – reale und virtuelle Mobilität wachsen zusammen. Welche Anforderungen stellt diese Entwicklung an Unternehmen?

Das hat zwei Facetten: Auf der technologischen Seite ist wichtig, dass die Umgebungen entsprechend hoch abgesichert sind, Stichwort Security. Denn nur so ist gewährleistet, , dass Arbeiten „anywhere, anytime at any device“, das durch das Zusammenwachsen virtueller und realer Mobilität in einer völlig neuen Dimension ermöglicht wird, auch zuverlässig, sicher verfügbar bleibt. Denn damit verlassen Mitarbeiter ihr abgesichertes Netzwerk. Dann müssen die Systeme in Echtzeit zur Verfügung stehen, denn nur so sind Collaboration und Shared Collaboration möglich. Nicht zuletzt muss die Benutzerfreundlichkeit stimmen, sonst hapert die Akzeptanz. Denn Systeme müssen „easy to use“ und Security „easy to handle“ sein, nur dann werden Mitarbeiter darauf verzichten, lieber eigene Lösungen aufzubauen.

Was ist die zweite Facette?

Das ist die organisatorische Seite. Und dort ist ein Punkt elementar wichtig, der aber vielfach unterschätzt wird: Trotz „anytime and anywhere“ darf der Teamspirit nicht verloren gehen. Im Klartext: Wenn die Akteure gemeinsamer Projekte räumlich immer seltener real zusammenkommen, weil Zusammenarbeitsformen virtualisiert werden, dann brauche ich auch die „virtuelle Teeküche“, in der sie sich regelmäßig treffen. Sonst droht eine buchstäbliche Vereinsamung, und die ist ein enormer Motivations‑ und Produktivitätsbremser. Zum anderen wird für HR‑Verantwortliche entscheidend sein, wie sehr sie ihre Mitarbeiter davor schützen, wirklich 24/7 erreichbar sein zu müssen – oder das selbst zu wollen. Verantwortungsvolle Führungskräfte, die an dieser Stelle erst den Betriebsrat brauchen, um aufzuwachen und zu sehen, in welches Risiko sie ihr Unternehmen führen, haben etwas falsch gemacht.

Von Augmented Reality bis zur künstlichen Intelligenz – bei welchen Technologien sehen Sie den am schnellsten ansteigenden Integrationsbedarf?

Wir glauben, dass sich das derzeit noch nicht seriös beantworten lässt. Für Künstliche Intelligenz (KI) etwa gibt es unzählige Use Cases in verschiedensten Reifegraden, manche sind erst im Stadium von Forschung und Entwicklung, da lässt sich kein Trend absehen. Sicher ist, dass Automatisierung im ersten Schritt „nur“ uns Menschen ständig wiederkehrende Arbeiten abnimmt. Aber dann setzt die KI einen drauf, indem sie Maschinen befähigt, selbstständig zu lernen und bis zu einem gewissen Grad die menschliche Intelligenz in ihrer bisherigen Bedeutung zu ersetzen.

Mobility muss vor allem eins sein: Sicher.

Ein Fokus Ihrer Research-Arbeiten und zugleich Schlüsselindustrie unserer Mobilität ist Automotive. Ist aber ausgerechnet diese Branche in Sachen IT-Investitionen – wie Sie es lange Zeit beobachtet haben – noch immer eher „latent bremsbereit“?

Sie stehen latent auf der Bremse, aber ich sehe das gar nicht so negativ. Der Markt ist extrem volatil, und da sind die Unternehmen angemessen vorsichtig. Der Trend geht dahin, sich auch in großen IT-Projekten, in deren Milestones und Investitionen nicht zu lange zu binden. Dennoch gilt für OEMs wie für Zulieferer: Sie haben die Herausforderungen erkannt und sind bereit, in die großen Themen wie IoT, Connected Car und neue Mobilitätsansprüche zu investieren. Auf der anderen Seite, der klassischen IT im eigenen Maschinenraum des Unternehmens, dominiert das Thema Kostenoptimierung nach wie vor.

Sie haben schon vor fünf Jahren darauf hingewiesen, welche Bedeutung für unsere zunehmende Mobilität – nicht zuletzt wenn sie hochsicher sein muss – Predictive Analytics bekommen wird. Wo stehen wir da?

In allen Anwendungsfällen, die wir im Kontext IoT (Internet of Things) als Fundament zukünftiger Mobilitätssysteme sehen, hat „Predictive“ den Status einer Schlüsseltechnologie bekommen. Das geht hin bis zum öffentlichen Nahverkehr und gilt für alle Mobilitätskonzepte, die auf Interaktion basieren, um in der zunehmenden Komplexität vernetzter Systeme jede Störanfälligkeit zu minimieren – tödliche Verkehrsunfälle zum Beispiel. Anders gesagt: „Predictive“ mit allem, was dahintersteht – die Cloud etwa, die allein solche riesigen Datenmengen verarbeiten und analysieren kann –, hat eine Bedeutung bekommen, ohne die sich Smart Travel und Transport nicht mehr denken lassen.

Bei den „PAC Horizons 2017“ wird unter anderem die Frage im Mittelpunkt stehen, wie sich IT-Provider verändern müssen, damit sie als „Dienstleister“ auch zukünftig beim Wort genommen werden. Wo konkret sehen Sie die Messlatte hier?

Das hat zwei Kernausrichtungen: Beim Thema „Partnerschaft in den Vordergrund bringen“ sehe ich die Unternehmen auf der IT-Anwenderseite fast noch stärker in der Pflicht als die IT-Dienstleister. Das heißt, Provider nicht als Bereitsteller – und bitte schnell und billig – zu sehen, sondern als Partner in der Entwicklung intelligenter und günstiger Lösungen. Was Unternehmen umgekehrt aber erwarten müssen, ist die kontinuierliche Weiterentwicklung auf der Providerseite, etwa des Wissens um die Prozesse in Unternehmen und Branchen sowie der Beherrschung neuester Technologien – alles immer in den Qualitätskategorien des Kunden und seiner Kunden. Dazu kommt die Verpflichtung, die Kosteneffizienz, die ein IT-Dienstleister in seiner eigenen Produktionsumgebung möglich macht, auch aktiv an den Kunden weiterzugeben. Das aber – und da schließt sich der Kreis – macht ein IT-Provider nur, wenn er sieht, dass auf der anderen Seite auch außerhalb der Fachbereiche, für die er arbeitet, partnerschaftlich und fair mit ihm umgegangen wird. Und da sehe ich das Problem, dass viele IT-Entscheidungen in Unternehmen heute extremst einkaufs- und damit preisgetrieben sind. Das aber schadet gegebenenfalls nicht nur dem Provider, sondern unmittelbar auch den eigenen Fachbereichen im Unternehmen. Am Ende des Tages gilt mein persönliches Credo: Anwender suchen nicht nach Produkten oder Technologien, sondern nach Lösungen für ihre Herausforderungen. Und die findet man heutzutage nur noch in Partnerschaften und in der Bereitschaft, sich zu öffnen.

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