Zu jeder Zeit, überall: Arbeiten im Immerall wird Realität. Klare Regeln weisen den Weg in die neue Arbeitswelt.
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Arbeiten im Immerall.

Früher war Arbeit anders. Jeder in seiner Firma. Alle an ihrem Platz. Doch mit der fortschreitenden Digitalisierung bekommt unsere Welt des Arbeitens eine neue Dimension. Aus „ jeden Tag“ wird „immer“. Aus „hier“ wird „überall“. Schon verstehen wir Mobilisierung als durchgängige Digitalisierung von Arbeit. Doch dass Raum und Zeit real und virtuell zusammenwachsen, braucht auch Regeln und eine verlässliche Ordnung.
Autor: Thomas von Zütphen
Illustrationen: Cindy Schmid; Foto: Lautenschlaeger/WirtschaftsWoche, Deutsche Telekom AG, privat
Die Wende kam beinahe unbemerkt. Laut einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Berlin arbeiteten Anfang des Jahres in Deutschland 54 Prozent der produktiv Beschäftigten vorwiegend oder ausschließlich mobil. Damit waren Kollegen mit „ausschließlich oder vornehmlich einem einzigen stationären Arbeitsplatz“ erstmals in der Minderheit. Möglich machen das digitale Arbeitsplätze, bei denen einerseits Künstliche Intelligenz, Software-Defined-Products und ständig ausgefeiltere Sprachsteuerungslösungen – andererseits IT-Ansätze wie die Cloud, Big Data und Predictice Analytics zu einem einzigen Motor zusammenkommen. Statt vom Digital Workplace, Arbeitsplatz 4.0 oder Future Workplace spricht Experton-Advisor Wolfgang Schwab denn auch längst vom „Digital Workspace, bei dem nahezu alle Bereiche der klassischen Desktop-Welt und der modernen Mobile World zusammenwachsen“.
Doch damit längst nicht genug. Zukunftsforscher der Universität St. Gallen haben auf dem Weg zum Arbeiten der nächsten Generation gleich 25 sogenannte Megatrends identifiziert, die gerade Anlauf nehmen. Entwicklungen, die mitunter 30 Jahre brauchen, um ihren Peak zu erreichen, von Beginn an aber in jeden Bereich unseres Lebens und Arbeitens ausstrahlen und – das ist mal sicher – durch nichts und niemanden aufzuhalten sind. So haben Arbeitsplätze der Zukunft keine organisationale Zugehörigkeit. Maschinen lernen das Denken, werden intelligent und – durch Vernetzung – quasi omnipräsent. Und Festangestellte werden für Unternehmen an Bedeutung verlieren – stattdessen aber weltweit verfügbare Skills spezialisierter Fachkräfte immer wichtiger.
Doch wenn sich von der Arbeitswelt über die Mitarbeiterproduktivität bis zu deren persönlicher Work-Life-Balance reale und virtuelle Mobilität immer näherkommen, katapultiert sich ein Aspekt bei der Integration weit nach oben: Security. Die entsprechenden Umgebungen müssen hoch abgesichert sein, denn nur so können Unternehmen gewährleisten, dass Arbeiten „anytime, anywhere at any device“ auch sicher und zuverlässig verfügbar bleibt. In der Regel müssen Mitarbeiter ihr Unternehmens-Netzwerk verlassen, um echte Collaboration und Shared Collaboration zu ermöglichen. Und die wird, so auch die Wissenschaftler von Sharepoint und der Universität St. Gallen, immer wichtiger. So werde „die räumliche Verortung von Leistungserbringern“ in Zukunft keine Rolle mehr spielen. Stattdessen erreiche Arbeit den gleichen Mobilitätsgrad wie Kapital.
Zugleich werden zukünftig nicht mehr formale Qualifikationen über die Attraktivität von Mitarbeitern entscheiden, sondern deren technisches Können im Umgang mit Robotik, Augmented Reality und Co. Jedoch vollständig ablösen werden Maschinen, Geräte und selbstlernende Prozesse den Arbeits- und Produktionsfaktor Mensch nicht. Denn, so die Wissenschaftler: Die Automatisierung von Arbeit ist endlich. Unternehmerische Skills, die Beherrschung der Maschinen und menschliche Kreativität bleiben „schwer substituierbare Fähigkeiten“.

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