Johann Jungwirth, CDO bei der Volkwagen Group, im Interview zum digitalen Wandel bei Kunden, Produkten und Unternehmen.
Volkswagen Group

Digitale Transformation wird nicht wieder verschwinden.

Johann Jungwirth, CDO Volkswagen Group, zu den Herausforderungen der Automobilhersteller durch die Digitalisierung und darüber, wie der Volkswagen Konzern den nötigen Wandel auf drei Ebenen vorantreibt – der des Kunden, des Produkts und des Unternehmens.
Foto: obs/Auto Bild/Volkswagen AG

Die Digitalisierung in der Automotive- Branche vollzieht sich auf vier Stufen: in der Produktion, beim Produkt, im Vertrieb und in der unternehmensinternen Datenverwaltung. Wo sehen Sie das größte Erfolgspotenzial?

Im Volkswagen Konzern haben wir drei Hauptebenen definiert: digitaler Kunde, digitale Produkte und digitales Unternehmen, D hoch drei. Im Zentrum steht immer der Kunde, der Nutzer, der Mensch. Man muss die digitale Transformation sehr ernst nehmen, dies ist kein Hype, der irgendwann wieder verschwindet, it is here to stay. Es geht dabei um die Disruption der verschiedenen Branchen durch die digitale Transformation. Und wir wissen aus Erfahrung, dass die Gewinner der Disruption nicht immer die bereits etablierten Player sind. Deswegen führen wir diesen Wandel selbst aus einem eigenen Antrieb an, auf allen Ebenen, um zu den Gewinnern zu gehören.
Johann Jungwirth, CDO Volkswagen Group
Johann Jungwirth, CDO Volkswagen Group

Eine wichtige Dimension der Digitalisierung ist Connectivity. Wie weit muss die Vernetzung vorangetrieben werden, um eine signifikante Erhöhung der Verkehrssicherheit zu erreichen? Wie kann man dahin kommen, dass die Fahrzeuge aller Hersteller weltweit die „gleiche Sprache“ sprechen?

Es geht nicht primär darum, dass die Fahrzeuge die gleiche Sprache sprechen können. Die Disruption der Automobilindustrie findet in drei Dimensionen statt, die orthogonal zueinander sind und parallel stattfinden: Es geht zum einen um den Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb, zum anderen um den Wandel von uns Menschen als Fahrer zum selbstfahrenden Fahrzeug sowie um den Wandel von der Owned zur Shared Mobility. Die signifikanteste Erhöhung der Verkehrssicherheit – mit dem Potenzial, Verkehrsunfälle um bis zu 90 Prozent zu reduzieren – erreichen wir durch die Einführung von sicheren selbstfahrenden Fahrzeugen.

Welche Visionen der Mobilität verfolgen Sie? Welche Etappen müssen noch zurückgelegt werden zum Ziel des autonomen Fahrens? Oder ist das gar nicht das Ziel?

Das Ziel und die Vision ist: Mobilität für alle! Wir haben die Riesenchance, mit der Einführung von selbstfahrenden Fahrzeugen und dem Rollout von großen Shared-Autonomy-Flotten weltweit Mobilität zu demokratisieren und die soziale Mobilität zu erhöhen. Wir können allen Menschen – auch Blinden, Kranken, Alten und Kindern und Menschen, die es sich heute nicht leisten können – nachhaltige individuelle Mobilität schenken und damit ihre Lebensqualität deutlich erhöhen. Und jedem von uns die im Durchschnitt 38000 Stunden Zeit zurückschenken, die wir am Lenkrad sitzen. In Zukunft werden wir während der Fahrt lesen, lernen, arbeiten, relaxen, mit den Kindern spielen oder die Natur genießen können.

Weitere Artikel