Der öffentliche Sektor stellt die Weichen neu, sei es mit TV-Nachrichten aus der Cloud, E-Payment oder digitalen Alltagshilfen.
Public Sektor

Public traut sich.

Die Digitalisierung ist eine der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Mit konkreten Digitalisierungsmaßnahmen werden auch bei öffentlichen und kirchlichen Institutionen die Weichen für die Zukunft gestellt. Positive Beispiele aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat sowie der Landesrundfunkanstalt rbb zeigen, dass es im öffentlichen Sektor mit großen Schritten vorwärtsgeht in Sachen Digitalisierung.
Autor: Roger Homrich
Fotos: rbb, rbb/Gundula Krause/epd-Bild/Jens Schulze, shutterstock.com, dpa

Sandmann aus der Public Cloud

Weil die Nachrichtenseiten bei besonderen Ereignissen mitunter nicht erreichbar waren, transformierte der Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb, das Internetangebot in die Cloud. Jetzt sind die Websites selbst bei starkem Zugriff jederzeit erreichbar.
Podcast
Public traut sich
Public traut sich
Bundestagswahl – spannende Zeiten für Journalisten, eine Herausforderung für die Technikabteilungen der Fernsehsender. Quer durch die Republik berichten die Redaktionen live, wie Politiker, Parteien und Bürger auf die Wahlergebnisse reagieren. Liveschaltungen in die Parteizentralen, Interviews mit den Bürgern von Flensburg bis Berchtesgaden und besonders die erste Hochrechnung um 18 Uhr: Da darf nichts stocken, klemmen oder komplett ausfallen. Auch nicht auf den Websites der Landesrundfunkanstalt rbb, die an Wahltagen oder bei außergewöhnlichen Ereignissen eine Flut von Zugriffen bewältigen müssen. Beim Onlineangebot des rbb kam es in der Vergangenheit hin und wieder zu Engpässen: Die Server und die Standleitung waren durch die hohe Zahl der Zugriffe überlastet.
Sandmann
Mehr Server und Bandbreite oder Wechsel in die Cloud? Ein Frage, die der rbb mit dem Einstieg in die Cloud beantwortet hat. Heute nutzt die Rundfunkanstalt skalierbare IT-Ressourcen aus der Open Telekom Cloud (OTC), dem Public-Cloud-Service der Telekom. Der Vorteil für den rbb: In der Cloud stehen Rechenkapazitäten flexibel zur Verfügung. Kommt es zu extrem hohen Zugriffen auf die Website, schaltet die Cloud automatisiert zusätzliche Kapazitäten hinzu und fängt die Lastspitze ab. Sinken die Zugriffszahlen auf Normalniveau, schalten sich die Rechenkapazitäten wieder ab. Der rbb muss daher keine teuren Server für den Ernstfall vorhalten und zahlt stattdessen nur, was er verbraucht. Die Open Telekom Cloud erfüllt zudem die strengen Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz in Deutschland – ein entscheidendes Kriterium für den rbb.
In einem Webcache sind Kopien der zehn wichtigsten Nachrichtenseiten des rbb abgelegt: von rbb-online über das Inforadio und Kulturradio bis zu Antenne Brandenburg oder Radio Fritz. Alle zehn Sekunden aktualisiert das System die Kopien im Webcache. Sämtliche Anfragen aus dem Internet landen nun hier. Der Webcache in der OTC bildet quasi einen Airbag, der die Lasten abfedert. So sind die Internetseiten des rbb auch bei besonderer Nachrichtenlage jederzeit erreichbar. Bezahlen muss der Sender dabei nur den ausgehenden Datenverkehr ins Internet und die Rechen- und Speicherkapazitäten, die er tatsächlich benötigt. Auch die Sandmännchen-Seite des rbb wird nun in der Cloud gehostet und ist bundesweit für Millionen Familien erreichbar – ohne dass das Sandmännchen zu früh schlafen gehen muss.

E-Government ohne Bezahlschranke

Wer Behördengänge online von zu Hause aus erledigen will, scheitert meist an einem entscheidenden Schritt: der Bezahlung. Nicht so in Bayern. Dort steht seit Januar 2017 allen bayerischen Behörden und Ministerien ein E-Payment-Service zur Verfügung.
Eingang Bayrisches Staatsministerium der Finanzen
Darum geht es auch der Bayerischen Staatsregierung: Seit seinem Amtsantritt als IT-Beauftragter des Landes mit seinen fast 13 Millionen Einwohnern setzt sich der bayerische Finanzminister Dr. Markus Söder für die Digitalisierung der Verwaltung ein. Unter anderem stellt Bayern allen staatlichen Behörden einen E-Payment-Service für die digitale Bezahlung zur Verfügung. T-Systems hat dafür die zentrale Bezahlplattform ePayService zusammen mit dem Freistaat Bayern entwickelt. Der besondere Vorteil: Das System ist direkt mit dem Integrierten Haushalts- und Kassenverfahren (IHV) des Freistaats Bayern verbunden. Das ermöglicht eine vollautomatische Abrechnung und ersetzt somit die papiergestützte Bezahlung. Alle kassentechnischen Folgeaktivitäten (Buchungen) erfolgen ebenfalls automatisch. Somit steht ein digitaler End-to-End-Prozess zur Verfügung, bei dem die gesamte Datenkommunikation verschlüsselt stattfindet. So lässt sich das digitale Bezahlen leicht in vorhandene Geschäftsabläufe integrieren.
Auch die Bürger profitieren vom ePayService. Sie können immer mehr kostenpflichtige Bürgerservices und Produkte des Freistaats Bayern mit verschiedenen Bezahlarten wie PayPal oder Kreditkarte begleichen. Mit ePayService können unter anderem Leistungen der Vermessungsverwaltung (digitale Geodaten) oder der Landesanstalt für Landwirtschaft (Fischerprüfung) online bezahlt werden. Und mit www.haftsache.de bietet die bayerische Justiz den Bürgern etwa die Möglichkeit, handgefertigte Produkte für die Gartenarbeit, Möbel oder Filztaschen aus den bayerischen Justizvollzugsanstalten zu kaufen, womit im Ergebnis die Wiedereingliederung der Strafgefangenen unterstützt wird.

Segensreiche Alltagshilfe

Seelsorge und Gespräche mit den Gemeindemitgliedern, das sind wichtige Aufgaben eines Pfarrers. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern will nun digitale Lösungen nutzen, um die Arbeit der Seelsorger zu unterstützen.
Kirchlischer Vertreter mit Tablet
Um ihren Pfarrern die Arbeit zu erleichtern, führt auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern digitale Lösungen ein. Denn „Pfarrer widmen sich so intensiv dem Menschen mit all seinen Nöten, Ängsten, Sorgen und Leiden, mit seinen Lebensphasen und Wertvorstellungen wie kaum ein anderer Berufsstand“, schreibt das offizielle Bildungsportal im benachbarten Sachsen. Wie bei jedem Berufsstand fällt auch bei Seelsorgern eine Vielzahl an administrativen Aufgaben an. Ein Großteil davon lässt sich jedoch schon per Smartphone und mobilem Arbeiten erledigen. Und dafür wollen die Pfarrämter und Seelsorger in den mehr als 1500 evangelischen Gemeinden in Bayern immer erreichbar sein und von unterwegs Zugriff auf E-Mails, Kalender oder Kontaktdaten ihrer Gemeindemitglieder sowie auf Dokumente im Intranet der Landeskirche haben.
T-Systems hat dafür ein Mobilitätspaket geschnürt, das die Mitarbeitenden entlastet. Es umfasst die Bestellung, den Rollout und das Lifecycle-Management der Endgeräte, den Austausch von defekten Geräten sowie das Management der zentralen Enterprise-Mobility-Management-Lösung inklusive Helpdesk. Die kirchliche Informationsverwaltung kann sich weiter auf die für das Landeskirchenamt unverzichtbare IT-Infrastruktur und die IT-Dienste konzentrieren.
Die Pfarrer können sich seit Mitte 2017 aus einem elektronischen Katalog ein Smartphone für ihre Arbeit aus suchen. Das Smartphone wird dann von T-Systems-Technikern komplett vorbereitet, also mit einer SIM-Karte samt Mobilfunktarif ausgestattet und gesichert. Paket aufmachen, Smartphone auspacken, einschalten, und schon kann es losgehen. Die Seelsorger können ihr Smartphone voll umfänglich für ihren Dienst nutzen. Dabei sind die vertraulichen Daten zusätzlich geschützt und vom offenen Bereich sicher abgeschottet. Für die Pfarrer ist die Inbetriebnahme des Endgeräts maximal komfortabel.
Insbesondere der Datenschutz war für die Landeskirche das entscheidende Kriterium bei der Auswahl des Gesamtpakets. Seelsorger haben teilweise mit sehr sensiblen Informationen ihrer Gemeindemitglieder zu tun. Kontaktdaten, Termine oder E-Mails über Taufgespräche, Ehekonflikte oder Sterbefälle dürfen nicht in die falschen Hände geraten. Daher findet alles, was ein Seelsorger vertraulich in seinem Job mit einem Smartphone erledigt, in einem gegen jeglichen Zugriff von außen geschützten Container statt. Und da T-Systems jedes Gerät zentral erfasst und mit allen notwendigen Updates versorgt, ist selbst bei Verlust des Smartphones für Sicherheit gesorgt. Notfalls wird das Gerät aus der Ferne gesperrt, und alle datenschutzrelevanten Daten werden gelöscht, auch bei Aus- oder Umtausch. Für die Landeskirche ist der Rollout der Smartphones nur der erste Schritt. Damit die Pfarrer auch mobil administrative Aufgaben erledigen können, sollen zukünftig Apps ihre Arbeit erleichtern.

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