Patrick Molck-Ude und François Fleutiaux über Differenzierung aus Kundensicht sowie leistungsfähige Netze und IoT-Plattformen.
INTERVIEW

Performance im Teamplay.

Die T-Systems-Geschäftsführer Patrick Molck-Ude und François Fleutiaux im Gespräch über Assets, ihre Verknüpfung zu einem Portfolio und darüber, welche Kundenerwartungen damit erfüllt werden.
Autor: Thomas van Zütphen
Fotos: Selina Pfrüner

T-Systems will Digitalisierung einfach machen, unkompliziert und schnell. Welches konkrete Anforderungsprofil ergibt sich daraus?

Molck-Ude: Dass wir uns viel mehr mit unserem Kunden beschäftigen müssen. Dafür brauchen wir ein deutlich besseres Verständnis für seine Branche, seine Herausforderungen und die Frage, wie wir ihm helfen können, in seinem Markt und Wettbewerbsumfeld erfolgreicher zu werden. 
Fleutiaux: Nehmen wir als Beispiel die Automobilindustrie, in der sich die OEMs gerade mehrere Märkte gleichzeitig erschließen. Das erfordert von uns entlang der Wertschöpfungskette der Produkte besondere Expertise. Wir haben diese Expertise sowie die nötige Erfahrung, die Komplexität der Digitalisierung zu managen, und ein dafür erforderliches breites Portfolio. Und das sind die Schlüsselkomponenten für individuelle, einfach zu bedienende, unkomplizierte Lösungen. 

Netze müssen schnell sein, mobil und sicher. Wie realisieren wir das alles so, dass es für Kunden auch noch unkompliziert bleibt? 

Molck-Ude: Die Digitalisierung selbst treibt das Thema – allein dadurch, dass Kunden viel agiler, viel schneller sein wollen und das überall auf der Welt. Dafür brauchen wir eine Plattform, die netzseitig Kunden international bedient. Dazu kommt das Stichwort 24/7, also ein hochsicherer Betrieb für den Kunden, weil er natürlich – je mehr Applikationen er in der Cloud betreibt – im positiven Sinne abhängiger wird von seinem Netz. Dann geht es neben der Preissensibilität darum, das Ganze über verschiedene Cloud-Instanzen in einer Geschwindigkeit bereitzustellen, die es Kunden ermöglicht, die Umsetzung technologisch passender Lösungen entlang der eigenen Strategie vorzunehmen. Dafür stellen wir uns als T-Systems auf – sowohl im Mobilfunk mit Partnerschaften wie FreeMove als auch auf der Festnetzseite, auf der die ngena-Allianz bis zu 25 internationale Top-Partner zu einem Weltnetz verbindet. Mit einer hoch standardisierten, hoch automatisierten Plattform, von der aus wir Kunden die Services, die sie erwarten, weltweit bereitstellen können. 
Fleutiaux: Das Internet der Dinge ist ohne Zweifel der größte technische Treiber für die Digitalisierung. Denn schon 2020 werden etwa 25 Milliarden Maschinen, Geräte, Sensoren in die Welt des IoT integriert sein. Um diese Datenflut speichern und analysieren zu können, brauchen wir auf der IT-Seite größere Rechenzentren mit höheren Kapazitäten und sicheren, skalierbaren Cloud-Plattformen und auf der TK-Seite extrem leistungsfähige Netze mit unterschiedlichsten, höchstwahrscheinlich softwarebasierten Netzwerktechnologien. 

Nach dem Netz geht es für Kunden um Infrastruktur. Welchen Vorteil haben Kunden aus unserem kombinierten Angebot von TK & IT?

Molck-Ude: Ohne Netz funktioniert keine Digitalisierung. Aber immer müssen wir uns zuerst fragen: Ist ein Kunde heute schon dafür aufgestellt, die Digitalisierung über das Netz zu ermöglichen? Im Klartext: Welche Anforderungen hat er auf der SLA-Seite, die wir dann auf der Festnetzseite, per Mobilfunk oder vielleicht auch über Satellit ermöglichen? 
Fleutiaux: Was uns mit Blick auf die Herausforderungen unserer Kunden interessant macht, ist, dass wir sie im IT- und Telko-Bereich beraten können, weil wir beides eng miteinander verzahnt haben. Und mit dem Anspruch globaler Lieferfähigkeit führen wir das Beste aus beiden Welten zum bestmöglichen Preis zusammen: die Kombination aus leistungsstarkem Netzwerk, starken Rechenzentren und der individuellen Kundenpositionierung, damit das Zusammenspiel funktioniert. 

Welche Bedeutung haben industrielle IT-Plattformen und die Bereitstellung entsprechender Services für Europa? 

Patrick Molck-Ude und François Fleutiaux über Differenzierung aus Kundensicht sowie leistungsfähige Netze und IoT-Plattformen.
Patrick Molck-Ude (l.) 
Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft begann Patrick Molck-Ude, 51, seine berufliche Laufbahn bei IBM. Seit 2004 in verschiedenen Topmanagement-Positionen bei der Deutschen Telekom tätig, ist er seit Januar 2015 Geschäftsführer der TC Division und Mitglied der Geschäftsführung von T-Systems. 

François Fleutiaux 
Im Anschluss an ein Informatikstudium startete François Fleutiaux, 52, seine Berufslaufbahn 1989 bei IBM. Nach verschiedenen Topmanagement-Funktionen bei Unisys und Fujitsu wurde er am 1. September 2017 Geschäftsführer der IT Division und Mitglied der Geschäftsführung von T-Systems.
Fleutiaux: Bei Industrie 4.0 geht es nur noch um Plattformen. Um Standardisierung, Automatisierung, die Vorteile von künstlicher Intelligenz und den Einfluss auf das IT-Business. M2M-Kommunikation oder Netzwertschöpfungsketten, die eine neue Produktionslogik hervorbringen könnten, sind Beispiele für das Potenzial und die wirtschaftliche Bedeutung von industriellen IT-Plattformen für Europa. Hier haben wir einen enormen Wettbewerbsvorteil durch das Verknüpfen von Netz-Know-how und IT-Wissen, den wir im Bereich IoT nutzen können wie kaum ein anderer. In diesem Zusammenspiel unserer Stärken ist IoT quasi das Spielfeld par excellence für die Deutsche Telekom und T-Systems. 
Molck-Ude: Denn auch Telekommunikation wird immer stärker ein Plattformgeschäft. Hatte ich früher ein intelligentes Netz, trenne ich heute Netz und Intelligenz. Das ist das Thema „Software Defined“. Das heißt, ich kaufe die Topologie ein – sei es ein Backbone, sei es das Netz in einem Land –, ergänze das quasi zu einer Netzinfrastruktur, die ich aber mit einer Intelligenz darüber steuere. Und diese Telekommunikationsplattformen, die wir für Festnetz und Mobilfunk gerade entwickeln, koppeln wir mit den IT-Plattformen – sei es einer Open Telekom Cloud, einer von Amazon, Google oder Microsoft –, um den Kunden weltweit den besten Service anbieten zu können. 

Wie können wir „keep it simple“ beim Kunden noch schneller Realität werden lassen? 

Fleutiaux: Im Kern geht es in der IT Division um Managed Services. Wir sind nicht Amazon und wollen auch niemand sein, bei dem ich meine Kreditkartennummer eingebe, etwas bestelle und dann mit niemandem mehr sprechen kann. Wir wollen ein Unternehmen sein, das Dinge vereinfacht, für seine Kunden ein Geschäft managt, mit soliden Leistungsvereinbarungen sowie verlässlichen Engagements und Sicherheitsstandards, egal um welche Art von Technologie es geht. 
Molck-Ude: Engagement ist ein gutes Stichwort. Wir führen heute Gespräche mit großen Unternehmen, die sagen radikal: „Ich nehme meine kompletten Rechenzentren, manage sie vollständig ab und bringe alles in die Cloud. Und dafür brauche ich einen Netzwerkanbieter, der mich unterstützt, denn ich will ja weltweit alles in der Cloud verfügbar haben.“ Was dabei mitschwingt, ist: „Jeder, der mich dabei unterstützt, ist mein Partner. Alle anderen werde ich abmanagen.“ Dann allerdings wird das Thema meiner Differenzierung wichtig. Technologie hinzustellen ist das eine. Am Ende machen erst unsere Kollegen mit ihrem Wissen den Unterschied vor dem Kunden. Der soll sagen: „Mensch, die haben uns verstanden, stellen sich auf uns ein und haben motivierte Mitarbeiter, um gemeinsam unsere Weiterentwicklung zu treiben.“ 

Das vielleicht spannendste Technologiefeld der Zukunft ist 5G. Wie gut sind wir darauf vorbereitet? 

Molck-Ude: Da gilt es, verschiedene Facetten zu berücksichtigen: das Geschäftsmodell, die technologisch-infrastrukturelle Seite, aber auch die Administration. Wenn ich das Netz mit seinen Möglichkeiten wirklich nutzen will, etwa für autonomes Fahren, kann ich die Latenzzeit ja nur verringern, wenn ich das Rechenzentrum an die Straße bringe. Was mich aber ebenso interessiert ist: Wie funktioniert 5G eigentlich international? Denn das bedeutet, ich muss Standards schaffen, gesetzgeberische Normen, die europaweit – wenn nicht gar weltweit – gelten. 
Fleutiaux: Wir von der Deutschen Telekom und T-Systems sind darauf sehr gut vorbereitet. So sind wir zum Beispiel in engen Gesprächen mit den führenden OEMs und Zulieferern mit Blick auf den sogenannten „day one use case“ für autonomes Fahren, bei dem Rettungsfahrzeuge die Ampelschaltungen an Straßenkreuzungen steuern werden. Das beispielsweise erhöht die Sicherheit der Fußgänger und ist der erste Schritt zum autonomen Fahren, wie 5G es ermöglicht.

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