Digitaler Workflow für Fördermittel: Die Verteilung steuert das Land Hessen über eine SAP-basierte Speziallösung aus der Cloud.
WIBank

Durchblick im Förder-Dschungel

Rund 58 Milliarden Euro hat die EU 2017 für Agrarpolitik und die Förderung des ländlichen Raums ausgegeben. Für viele landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland sind diese Zahlungen ein wichtiger Teil ihres Einkommens. Allein zwischen 2014 und 2020 fließen aus Brüssel rund 6,5 Milliarden Euro Agrarsubventionen an Landwirte in Deutschland. Die Verteilung: eine bürokratische Herausforderung für die Bundesländer. Das Land Hessen meistert diese zukünftig mit einer SAP-basierten Speziallösung aus der Cloud.
Autor: Roger Homrich
Foto: iStockphoto
Nur eine von 524 hessischen Kommunen ist die Kleinstadt Nidda: Beiderseits des gleichnamigen Flusses, hier im ländlich strukturierten Wetteraukreis, profitierten 2017 mehr als 130 Landwirte von den Agrarsubventionstöpfen der Europäischen Union. Bundesweit waren es über 300.000: vom Nebenerwerbslandwirt über die Großbauern bis zur Erzeugergemeinschaft, ob sie Schweine mästen oder Milchkühe halten, Getreide anbauen, Obst oder Gemüse.
Allerdings gibt es rund 40 verschiedene Antragsverfahren, die stark untereinander und mit anderen Systemen vernetzt sind. Zudem unterliegen die dahinterliegenden Verordnungen der EU häufigen Änderungen. Ein IT-System, das dieser Komplexität gewachsen ist, muss gleichermaßen leistungsstark wie auch flexibel für schnelle Anpassungen sein.
Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) hat daher ihr System zur Auszahlung von Fördergeldern in der Landwirtschaft auf eine SAP-basierte Cloud-Software umgestellt. Die Software integriert eine breite Palette unterschiedlicher Fachanwendungen, mit denen sich etwa 20 Förderverfahren aus den beiden großen Fördersäulen der „Gemeinsamen Agrarpolitik“, kurz GAP, der EU digital durchführen lassen.

Planungssicherheit für Landwirte

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Gottfried Milde, Sprecher der Geschäftsleitung der WIBank: „Die hessischen Landwirte brauchen Planungssicherheit und finanziellen Spielraum für wichtige Investitionen. Sie sind auf zeitnahe Auszahlungen der Fördergelder angewiesen.“
„Die Agrarförderung ist nicht nur ein hochkomplexes, sondern auch ein öffentlich viel beachtetes Thema“, sagt Gottfried Milde, Sprecher der Geschäftsleitung der WIBank. „Die hessischen Landwirte brauchen Planungssicherheit und finanziellen Spielraum für wichtige Investitionen. Sie sind auf zeitnahe Auszahlungen der Fördergelder angewiesen.“ Die Förderbank, Teil der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), stellt für hessische Unternehmen, Gründer und Privatpersonen Förderprogramme bereit und erleichtert ihnen den Zugang zu den Fördergeldern des Landes, des Bundes und der EU.
Die Förderprogramme sind in der Tat nicht immer leicht zu durchblicken und weisen zudem unterschiedliche Berechnungslogiken auf. Der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) bezuschusst allein mit 1,35 Milliarden Euro die nachhaltige und umweltschonende Bewirtschaftung und ländliche Entwicklung. Zwischen 2014 und 2020 – also innerhalb einer Förderperiode – fließen rund 319 Millionen Euro aus dem ELER-Budget nach Hessen.
Zudem stehen circa fünf Milliarden Euro aus dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL) zur Verfügung. Pro Hektar erhält jeder Landwirt durchschnittlich 281 Euro Einkommensunterstützung. Im Durchschnitt machen diese Zahlungen schätzungsweise 40 Prozent des Einkommens landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland aus. Im Gegenzug werden die Landwirte von der EU auf das Einhalten der Umwelt- und Tierschutzstandards verpflichtet.

Digitaler Fördermittel-Workflow

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SAP bringt eine Reihe bewährter Basiskonstrukte mit, die für das Fördergeschäft von großem Nutzen sind. Gleichzeitig ist unsere Plattform offen für die landes- und fachspezifischen Anpassungen und dabei ready for HANA“, sagt Uwe Ackermann, Projektleiter der IBYKUS AG, die die Lösung entwickelt hat. 
Die neue Software steuert und kontrolliert nun den gesamten Workflow der Fördergeldbeantragung digital: von der Antragserfassung über die Berechnung bis hin zur Auszahlung. Dafür stellt die Software allein 20 Fachanwendungen für die Förderprogramme der beiden Fonds EGFL und ELER bereit ­– einschließlich Auswahl und Kontrollmodulen, Schnittstellen zur elektronischen Antragstellung und Geoinformationssystemen. Außerdem erfüllt sie die hohen Sicherheitsanforderungen von Banken und öffentlichen Verwaltungen. Zukünftig wird die SAP-basierte Plattform alle relevanten Förderprogramme abbilden. Egal ob einfache kommunale Förderverfahren oder komplexe, landes- und bundesweite Systeme.
„SAP bringt eine Reihe bewährter Basiskonstrukte mit, die für das Fördergeschäft von großem Nutzen sind. Gleichzeitig ist unsere Plattform offen für die landes- und fachspezifischen Anpassungen und dabei ready for HANA“, sagt Uwe Ackermann, Projektleiter der IBYKUS AG, die die Lösung entwickelt hat. Die Software führt die Förderverfahren individuell und zugleich standardisiert durch. Damit senkt sie die Verwaltungskosten für das Fördermittelmanagement dramatisch. Insgesamt arbeiten inzwischen annähernd 600 Bank- und Behördenangestellte mit der neuen SAP-Lösung von IBYKUS aus der Cloud von T-Systems. Diese sichert der WIBank ausreichend hochverfügbare und skalierbare Rechenzentrumskapazitäten.

Gelebte E-Kohäsion in Hessen

Die neue, individuell angepasste Cloud-Lösung gestaltet die Abläufe noch effizienter. „Um dem Anspruch unserer Landwirte auf die pünktliche Auszahlung der Förderprämien auch zukünftig gerecht zu werden, erwarte ich von einer Lösungsplattform die größtmögliche Flexibilität und Zuverlässigkeit und eine klare Strategie für die Skalierbarkeit der Lösung“, so Gottfried Milde. Sie vereinfache Prozesse und verkürze Bearbeitungszeiten. „Zugleich sorgen wir für eine spürbare Entlastung der Mitarbeiter und bieten den Landwirten mehr Service. Denn E-Kohäsion, die zu einer ausgewogenen, nachhaltigen territorialen Entwicklung beitragen soll, ist in Hessen kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis.“

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