Schau mir in die Augen: Das funktioniert auch aus der Ferne. Zum Beispiel mit einem Videochat über WebRTC.
Arbeitsplatz der Zukunft

Der Video-Talk aus dem Browser

Schau mir in die Augen: Mit WebRTC kann man sich schnell zu einem Videochat verabreden. Denn die Echtzeitkommunikationslösung braucht keine eigene Software.
Was bedeutet WebRTC? Die Abkürzung steht für Real-time Communication über das Web – zu Deutsch: für Echtzeitkommunikation über den Browser. Es macht das Aufsetzen eines Videochats zum Kinderspiel – selbst von unterwegs. Die Technologie bläst damit zum „Angriff auf das weitgehende Monopol von Skype“ und ist eine ernst zu nehmende WebEx-Alternative. Zumal der offene Standard WebRTC einen entscheidenden Vorteil hat: Telefonate und Videochats sind direkt aus dem Browser möglich – ohne zusätzliche Plug-ins oder Software. Benötigt werden nur Webcam, Mikrofon und Lautsprecher – und natürlich ein Browser als Sprungbrett ins Internet. Mit diesen vier Zutaten lässt sich online sofort kommunizieren. Was das für den Arbeitsplatz der Zukunft bedeutet? Noch mehr Bequemlichkeit. „Der Browser ist für uns ohnehin den ganzen Tag über allgegenwärtig“, sagt Joachim Stegmann, bis Januar 2017 Leiter Future Communications der Telekom Innovation Laboratories und inzwischen im Bereich Technology & Innovation tätig. „Diese neue Form der Kommunikation kommt einfach als zusätzliche Anwendung hinzu.“ Als Einladung zum Videoplausch wird einfach ein Link verschickt – und schon kann es losgehen.

In viele Browser eingebunden

Google Chrome, Mozilla Firefox und Opera unterstützen WebRTC, auch mit ihren mobilen Versionen. Im Internet Explorer soll die Technologie noch eingebunden werden, nur Apples Safari verweigert sich. „WebRTC ist die Möglichkeit, in Echtzeit mit jemandem oder etwas zu kommunizieren, als wäre man vor Ort“, sagt Justin Uberti, bei Google als technischer Leiter für WebRTC zuständig. „WebRTC füllt eine kritische Lücke im Internet, da Echtzeitkommunikation durch nur einen einfachen Webseitenbesuch ermöglicht wird.“ WebRTC-Initiator Google schätzt, dass derzeit mehr als 800 Unternehmen in die Entwicklung von Echtzeitapplikationen investieren, die auf dem neuen Standard beruhen. Im vergangenen Jahr sollen mehr als 2,7 Milliarden Dollar für WebRTC-Anwendungen ausgegeben worden sein. So ist WebRTC zum Beispiel die Basis des Konferenz- und Chattools Google Hangouts, aber auch Facebook, Slack, Snapchat oder WhatsApp haben die Browser-zu-Browser-Kommunikation in ihr Angebot integriert. Viele Anwender nutzen WebRTC also bereits, auch wenn sie dieses Kürzel noch nie gehört haben, vermutet Stegmann.

Wie Unternehmen profitieren

Das Standardisierungsgremium World Wide Web Consortium (W3C) hat vor kurzem die erste Spezifikation veröffentlicht. Das Potenzial ist riesig: Fast alle PCs, Tablets und Smartphones sind ohne weitere Änderung WebRTC-fähig. Und dass die Nachfrage nach einfach zu handhabenden Unified-Communication-Lösungen steigt, dürfte die Technologie auch im Geschäftsumfeld befeuern. Schließlich lassen sich über den Webbrowser nicht nur Text und Multimediainhalte zwischen den Endgeräten übertragen, sondern auch jede Art von Dateien – was gerade im B2B-Umfeld wichtig ist. Die Qualität der Echtzeitübertragung hängt natürlich von der jeweils vorhandenen Netzwerkinfrastruktur ab: „Aber wenn die Bandbreite stimmt, haben Sie mit WebRTC eine echte High-End-Lösung – mit Video- und Audioübertragung in hoher Qualität“, sagt Joachim Stegmann. Läuft die Kommunikation von Browser zu Browser, dann sei sie zudem verschlüsselt.

Kundenservice: Schnellere Problemlösung

WebRTC eignet sich daher als klassische Konferenzlösung im Unternehmen genauso wie für Online-Schulungen der Mitarbeiter. Auch Kunden- oder Callcenter und Kundenplattformen profitieren von der Kommunikationsanwendung in Echtzeit. Die T-Labs der Telekom beispielsweise haben bereits einen Piloten für den Kundenservice des Konzerns entwickelt. Über einen Link kann der Agent den Kunden direkt zu einer Videounterhaltung einladen. Und zum Beispiel ganz schnell sehen, ob in dessen Router ein Kabel an der falschen Stelle steckt. Die Ursache des Kundenproblems lässt sich mit WebRTC vermutlich deutlich schneller finden als bei einem herkömmlichen Telefonat – zumal die T-Labs ihre Lösung sogar noch mit einer Augmented-Reality-Hilfe erweitert haben.

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