Arbeitsplatz der Zukunft

Aus Spass wird Ernst

Neurochirurgen operieren besser, Piloten landen sicherer und Mitarbeiter rund um den Globus kollaborieren einfacher – von Avatar zu Avatar.

Virtual und Augmented Reality sind keine reinen Spielereien für Gamer mehr. Die Technik revolutioniert die Arbeitswelt – ob Neurochirurgie, Luftfahrt oder Industrie.

An der University of California in Los Angeles heben Neurochirurgen ab. Mit Virtual-Reality-Brillen, die auch Gamer für ihre Videospiele benutzen, fliegen die Mediziner virtuell durch die Köpfe ihrer Patienten. Dazu kombinieren sie Scans aus Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zu dreidimensionalen Modellen des Gehirns. Die 360-Grad-Aufnahmen zeigen nicht nur, wo Blutgefäße und Nervenbahnen im Schädel verlaufen, sondern auch, wo sich Tumore oder Aneurysmen befinden. Die Mediziner spazieren dann durch die simulierten Gehirne der Patienten, können sich so besser auf Eingriffe vorbereiten und am Ende präziser operieren – dank Virtual-Reality-Technologie (VR).

Augmented Reality weist den Weg zum Ziel

Nicht nur zur Operationsvorbereitung hat die Neurochirurgie die Technik bereits für sich entdeckt. Auch bei laufenden Eingriffen soll sie helfen: An der Duke University testen Neurochirurgen Augmented-Reality-Brillen, um Drainagen im Schädel präziser zu setzen. Die Glasses sind in der Lage, nicht nur CT-Scans holografisch in das Blickfeld des Operateurs einzublenden, sodass sie den Kopf des Patienten 1:1 überlagern, sondern auch den Weg des Katheders im Gehirn virtuell anzuzeigen. Mussten die Chirurgen sonst den Schädel vermessen und markieren, um Bohrungen und Drainagen zu setzen, soll ihnen die Augmented-Reality-Technologie (AR) schon bald zuverlässig den Weg zum Ziel weisen.
„Augmented und Virtual Reality sind in der Berufswelt angekommen“, sagt Dr. Michael Burmester von der Hochschule der Medien Stuttgart im Interview, dass Sie im nächsten Beitrag des Blickwinkels „Arbeitsplatz der Zukunft“ in voller Länger lesen können: „Ausschlaggebend für den Einsatz der Technologien ist immer der Nutzungskontext. Wie können Augmented und Virtual Reality also den Menschen bei seiner Arbeit unterstützen?“

Relevante Informationen direkt vor den Augen

Im Cockpit verbessern AR-Technologien das Situationsbewusstsein der Piloten. Über eine Scheibe projizieren die sogenannten Head-up-Displays (HUD) Informationen in das Blickfeld der Flugzeugführer. Da das System stets nur die Daten anzeigt, die in einer Situation wie Start oder Landung relevant sind, behält die Besatzung besser den Überblick. Auch bei Nebel weisen die HUDs sicher den Weg zum Flughafen und blenden die Landebahn virtuell in das reale Blickfeld ein. Ein Grund, warum die Systeme etwa in chinesischen Passagiermaschinen bis 2025 zur Pflichtausstattung gehören sollen.
Auch wenn es darum geht, Fertigungsprozesse zu optimieren, sind Virtual und Augmented Reality heute nicht mehr wegzudenken. Unweit des Hamburger Airbus-Standorts finden Start-Ups und Industrie in einer Art Silicon Valley der europäischen Luftfahrt zusammen: Erst im März 2016 ist das Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung eingeweiht worden. Mit dem Ziel, neue Technologien, Materialien und Prozesse für die Luftfahrt zu erforschen, arbeiten die Ingenieure auch im eigenen Virtual-Reality-Labor an neuen Flugzeugteilen: Bis zu 30 Menschen können in diesem Präsentationsraum virtuelle 3D-Konstruktionen betrachten und bearbeiten. So lassen sich heute schon die Produktionsabläufe für die Flugzeugmodelle von morgen planen.
Andere Pläne hat Facebook: Die Social-Media-Plattform möchte Menschen über Virtual Reality einander näher bringen. Das heißt: Statt sich an realen Orten zu treffen, sollen sich virtuelle Meetings abhalten lassen, bei denen sich die Teilnehmer von Avatar zu Avatar gegenüberstehen. Über Virtual Reality Brillen interagieren die digitalen Alter Egos und besichtigen gemeinsam reale oder virtuelle Orte. Wie sieht die neue Werkshalle eines Unternehmens in China aus? Mit dieser Technologie reisen Mitarbeiter problemlos hin, ohne das eigene Büro zu verlassen.

Mobile Endgeräte treiben Entwicklung voran

Wohin die Reise für Mensch und Technik in diesem Kontext gehen wird, ist noch offen. Christian Steiner, Mitglied im Vorstand des ersten deutschen Fachverbands für Virtual Reality sagt: „Virtual und Augmented Reality haben uns erst einen Bruchteil dessen gezeigt, was später möglich sein wird. Gerade, was Augmented Reality betrifft, erwarten wir revolutionäre Entwicklungen getrieben durch technologisch immer raffiniertere Endgeräte. So eröffnet die Technologie über Smartphones und Tablets immer neue Nutzungskontexte – sei es für Arbeit oder Spiel.“

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