Internet of Things
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IoT: Die stille Revolution

Ob Autos, Container, Erntemaschinen oder Zahnbürsten: vernetzt wird, was vernetzt werden kann. Doch was ist durch das Internet der Dinge künftig noch möglich?

Milliarden vernetzter Gegenstände haben sich bereits in den Alltag eingeschlichen. Ein Ende der Vernetzung ist nicht in Sicht. Doch noch warten einige Herausforderungen.

Die vernetzte Welt wird Wirklichkeit. Letzte Zweifel beseitigt ein Blick in die Automobilbranche: Es sind vor allem die Fahrzeugbauer, die Gefallen am Internet der Dinge gefunden haben. Bereits heute bestellen Kunden ihre Fahrzeuge mit Fahrspurassistenten, die das Auto in der Mitte der Spur halten. Oder mit Stauassistenten, die automatisch den Sicherheitsabstand zum Vordermann einhalten. Das funktioniert dank Internet of Things (IoT). Ein Ende der Ideenvielfalt in der Automobilindustrie ist nicht in Sicht: Die Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran, ihren Kunden den Autoalltag noch angenehmer zu gestalten. So soll sich etwa beim Griff zum Autoschlüssel das Garagentor automatisch öffnen und das Auto von allein herausfahren.

Milliardenumsätze mit IoT

Ob Autos, Container, Erntemaschinen oder Zahnbürsten: Vernetzt wird, was vernetzt werden kann. Still und leise schleichen sich immer mehr Geräte in den Alltag ein, die miteinander sprechen. Laut der Marktforschungsgruppe Gartner hängen schon heute mehr als 6,4 Milliarden Gegenstände am weltweiten Datennetz. Bis 2020 soll sich diese Zahl fast vervierfachen. Und auch die finanziellen Aussichten sind rosig. Liegt der weltweite Umsatz mit IoT-Produkten und -Dienstleistungen derzeit bei etwa 892 Milliarden US-Dollar, rechnen die Marktanalysten von Machina Research damit, dass er bis 2025 auf vier Billionen US-Dollar steigen wird. Warum? Die IoT-Anbieter versprechen ein breites Verbesserungspotenzial für die Wirtschaft: Unternehmen sammeln schneller und präzisere Informationen, treffen darauf basierend schneller genauere und bessere Entscheidungen, automatisieren Abläufe, entwickeln neue Produkte und Dienstleistungen und die Krönung: Sie wälzen Märkte mit völlig neuen Geschäftsmodellen um.

Heterogene Geräte, Daten und Systeme

Gleichzeitig birgt die Vernetzung für Unternehmen neue Herausforderungen. Vor allem die Heterogenität der Geräte, Daten und Systeme sowie deren schiere Anzahl stehen der Einführung im Unternehmen häufig entgegen. Um einen sicheren und zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten, müssen Anwender beispielsweise sicherstellen, dass ihre Geräte einheitlich konfiguriert und mit der aktuellen Firmware versorgt sind. Doch damit nicht genug. Um die eigenen Geschäftsprozesse zu analysieren und zu automatisieren, müssen sich die Daten verschiedener Geräte harmonisieren, miteinander verknüpfen und in andere IT-Systeme einspeisen lassen.

Erste IoT-Lösungen in der Energiebranche

Dabei bedienen sich Unternehmen verschiedener Technologien, die inzwischen ausgereift und erschwinglich sind. Den Begriff „Internet der Dinge“ gibt es zwar erst seit Ende der 1990er-Jahre. Das Konzept aber ist schon seit den späten 1970er-Jahren bekannt, als eine amerikanische Firma ein System vorstellte, mit dem sie Stromzähler über das Telefonnetz auslesen konnte. Einen Abnehmer fand die Lösung damals jedoch nicht: zu teuer, nicht ausgereift und so richtig interessierte sich für die Innovationen auch niemand. Um die Technologie war es danach lange ruhig, bis der britische Technologie-Pionier Kevin Ashton zwei Jahrzehnte später den Begriff „Internet der Dinge“ ins Spiel brachte.

Null-Fehler-Toleranz für Echtzeitanwendungen

Das IoT muss zudem noch damit leben, Rückschläge zu verkraften. Zweifler nutzen jede Chance, neue Technologien in Frage zu stellen. Eine große Herausforderung ist für viele Anwendungen zum Beispiel die Null-Fehler-Toleranz. Wenn ganze Produktionsstraßen sich gegenseitig steuern, ohne dass Menschen eingreifen müssen, sollte es keine Fehler geben. Wenn jedoch IoT-Lösungen Daten in Echtzeit austauschen und Menschenleben davon abhängen, darf es keine Fehler geben.

IoT-Vorreiter: das selbstfahrende Auto

Rennstrecke Datenautobahn
Die Autowelt der Zukunft auf der CeBIT 2016: Customer Experience Management, Smart Factory, Connected Car und Digital Engineering.
Das bekannteste Beispiel dafür kommt wieder aus der Autoindustrie: das selbstfahrende Auto. Was passieren kann, wenn sich Autofahrer ganz auf die Technik verlassen, zeigte der tragische Unfall eines Tesla-Fahrers am 7. Mai 2016 in Florida. Wie genau es passierte, untersucht die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA. Fest steht: Die Autopilot-Funktion war aktiviert und versagte, weil die eingesetzten Technologien trotz Redundanz nicht korrekt funktionierten. Die im Tesla verbauten Kameras nutzen Radar- und Ultraschallsensoren, die ihre Informationen untereinander austauschen und auch die Daten anderer Fahrzeuge in ihre Entscheidungen einbeziehen.

Risiken von IoT verringern

Tesla selbst bedauert den Unfall, unterstützt die Aufklärung mit allen Mitteln, weist in einem Blogbeitrag aber auch auf die Verlässlichkeit ihrer Fahrzeuge hin. Es sei nach über 130 Millionen gefahrenen Meilen der erste fatale Fehler des Autopiloten. Weltweit würden dagegen Fahrzeuge etwa alle 60 Millionen Meilen Unfälle mit fatalen Folgen verursachen. Der Unfall wird die stille Revolution des IoT nicht verhindern. Er zeigt aber, dass jeder technologische Fortschritt auch Risiken birgt, die aber von den Chancen dominiert werden. So sind laut „VDE-Trendreport 2016 Internet of Things/Industrie 4.0“ 59 Prozent der Unternehmen davon überzeugt, dass IoT die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes stärkt. Weiterhin sind für die Befragten neue Geschäftsmodelle, Produkte und Systeme Hauptchancen des IoT. Pluspunkte sind zudem Effizienzsteigerungen und die enge Vernetzung von Prozessen im Unternehmen und auch mit Kunden.

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