Future Networks
Netze der Zukunft

„Die Netze gehören in die IT-Strategie.“

Zu Beginn des Blickwinkels „Netze der Zukunft“ erklärt Geschäftsführer Patrick Molck-Ude, warum der Geschäftserfolg in Zukunft an einem neuen Netzdesign hängt.
Der Datenverkehr in Firmennetzen steigt. Künftig funktioniert Geschäftserfolg nicht ohne neues Netzdesign, sagt Patrick Molck-Ude, Chef der Netzsparte von T-Systems.
Patrick Molck-Ude
Patrick Molck-Ude, Geschäftsführer Telecommunication (TC) Division

Herr Molck-Ude, welche Rolle spielt die Telekommunikation (TK) künftig für Unternehmen?

Die Digitalisierung verändert die Geschäftsmodelle in fast jeder Branche. Dabei ist aber nicht nur wichtig, Informationen zu digitalisieren, sondern diese auch digital auszutauschen. Nur dann bieten sie echten Mehrwert. Digitalisierung heißt also auch Digitalisierung von Kommunikationsprozessen. Drei Beispiele: In 2020 werden 21 Milliarden ‚Dinge‘ per Internet mit der Cloud kommunizieren und zum Beispiel Fernüberwachung ermöglichen. Oder nehmen Sie Amazon. Amazon ist hauptsächlich eine Kommunikationsplattform – zwischen Amazon, weiteren Händlern und den Kunden. Oder den Möbelhersteller IKEA: Das Unternehmen hat im April 2016 eine App für eine Virtual-Reality-Brille veröffentlicht, mit der Kunden virtuell durch das Möbelangebot schlendern und Designoptionen testen können. Sie sehen: Die Digitalisierung nutzt Kommunikationsprozesse für die Optimierung von Geschäftsprozessen.

Welche neuen Anforderungen stellt das an die Firmennetze?

Szenarien wie diese führen zu einem explosionsartigen Wachstum des Datenverkehrs. Zwischen 2016 und 2019 wird sich der IP-Verkehr verdoppeln. Hinzu kommt: Durch mobile Geräte, die Maschinen-zu-Maschinen-Kommunikation (M2M) und die Cloud wächst die Zahl und Vielfalt von Applikationen. Diese stellen ganz unterschiedliche Anforderungen an die Datenübertragung und machen sich mitunter die Netzkapazitäten streitig. Trotzdem erwarten die Nutzer, dass die Leistung zu jedem Zeitpunkt stabil und konstant bleibt. Außerdem erfolgt der Zugriff auf die Firmennetze immer öfter per Mobilfunk. Geschäftskritische Daten müssen daher automatisiert und verschlüsselt auf mobilen Geräten zur Verfügung stehen. Die Netze brauchen demnach deutlich mehr Bandbreite, Verfügbarkeit und Sicherheit. Denn sie sind die Basis für die Digitalisierung.

Sind die heutigen Netze darauf vorbereitet?

Viele Unternehmen haben ihre Lokal- und Weitverkehrsnetze in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt. Weil sie funktionierten und wenig Änderung bedurften. Ähnlich wie Wasser und Strom. Deswegen besitzen die meisten Unternehmen keine Telekommunikationsstrategie und entwickeln ihre Netze auch nicht weiter. Aber heute funktioniert das so nicht mehr: Die neuen Anforderungen durch die Digitalisierung bringen die klassischen Netzwerke an ihre Grenzen. Dabei sind zukunftsfähige Netze entscheidend für den Geschäftserfolg. Unternehmen brauchen also ein Netzdesign 2.0.

Wie genau sieht dieses Netzdesign 2.0 aus?

CeBIT 2016
Wer Digitalisierung einfach machen will, braucht Netzwerke, erklärt Patrick Molck-Ude, Geschäftsführer der TC Division von T-Systems.
Die Netze der Zukunft sind Alleskönner. Sie nutzen vielfältige Technologien und wählen automatisch für jede Anwendung die richtige Übertragungsart: das leistungsfähige MPLS-Netz, kostengünstige Internet-VPNs oder bandbreitenstarke Ethernet- und optische Verbindungen. Dabei entscheiden sowohl technische Gesichtspunkte wie die Übertragungszeit als auch wirtschaftliche Kriterien. Anwendungen ohne besondere Anforderungen an die Übertragung können zum Beispiel auch über preisgünstiges Internet-VPN kommunizieren. Die Telefonie wird mit Voice-over-IP endgültig zur zentralen Applikation in einem Datennetz – ob im lokalen oder Weitverkehrs-Netz (LAN und WAN). Unternehmen profitieren dadurch zum Beispiel von zentralisierten TK-Anlagen: Sie können zentrale Anschlüsse für alle Standorte gemeinsam nutzen sowie viele Services über ein Online-Portal konfigurieren. Außerdem gewährleisten die Firmennetze eine bestmögliche Qualität und automatisierte Konfiguration bei der Verbindung zu Cloud-Diensten – dank eines „Cloud Connectors“, einer intelligenten Schnittstelle zwischen den Netzen des Cloud-Providers und des Netzanbieters des Unternehmens.

Wo funktioniert das Zusammenspiel von TK und Informationstechnologie (IT)?

Bisher haben die meisten Unternehmen diese beiden Technologiebereiche isoliert voneinander betrachtet. Schließlich bestanden klassische TK-Anlagen aus Hardware. Aber TK und IT wachsen immer mehr zusammen. Heute lassen sich TK-Anlagen als Software und aus der Cloud bereitstellen, zum Beispiel NFON. Dasselbe gilt für Funktionen wie Netzwerk-Security und -Management, die bisher an spezielle Hardware gebunden waren.

Welche Konsequenzen sollten Unternehmen ziehen, wenn sie ihr Netz zukunftsfähig machen wollen?

Der erste und wichtigste Schritt ist, die Telekommunikation in die IT-Strategie aufzunehmen. Also eine ganzheitliche ITK-Strategie zu schaffen, die interne und externe Kommunikationsprozesse als wesentliche Geschäftsprozesse berücksichtigt. Als geschäftskritisches Thema müssen diese auf höchster Managementebene diskutiert werden. Außerdem lassen sie sich nicht von jetzt auf gleich modernisieren, das erfordert langfristige Planung und Ressourcen. Dabei ist es von Vorteil, wenn Unternehmen frühzeitig mit uns sprechen. Denn auch die Telekom entwickelt ihr Netz und ihre Services gerade grundlegend weiter. Wenn Unternehmen ihre ITK-Strategie mit unseren neuen Services und Netzen verzahnen, profitieren beide Seiten.

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