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Bild von Marco Maas, einem Datenjournalist und Unternehmer

„Zwei zeitliche Treiber“

Echtzeit in den Medien: Welche Möglichkeiten sich Journalismus und Werbung eröffnen, weiß Datenjournalist und Unternehmer Marco Maas.

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Welche Möglichkeiten bieten sich für Echtzeitanwendungen im Bereich Medien? 

Es gilt der Grundsatz: Je besser ich den Kunden kenne, desto besser kann ich ihn ansprechen. Dafür müssen Informationen aus dem Targeting im Internet mit Informationen aus Smart-Home-Anwendungen, Bewegungsmeldern etc. zusammengebracht werden. 

Welche Technologien sind dafür notwendig und inwieweit werden solchen Anwendungen schon heute eingesetzt? 

Von den genannten Beispielen sind wir nur noch einen kleinen Schritt entfernt. Notwendig wäre es, an verschiedenen Punkten erhobene Daten zusammenzuführen. Die technischen Möglichkeiten sind da und müssen nur noch in dem Bereich eingesetzt werden, etwa KI-Anwendungen, die unstrukturierte Informationen automatisch strukturieren und daraus Schlüsse ziehen. Vieles wird auch heute schon gemacht, selbst im UKW-Bereich des Radios kann man etwa schon in den Verbreitungsgebieten, für die Regen vorhergesagt ist, andere Werbung als die für Grillwürstchen ausspielen. 

„Zwei zeitliche Treiber“

ECHTZEIT IN DEN MEDIEN

Was bedeutet das für den Journalismus, was für die Werbung? 

News können kompatibel mit dem User und der konkreten Nutzungssituation ausgespielt werden. Ich weiß nicht nur, wo und wie der User lebt, sondern auch in welcher Situation er in einem Moment ist und welche News er bis zu diesem Zeitpunkt schon wahrgenommen hat. Damit gewinnen regionale oder sogar lokale News immer mehr an Bedeutung. Außerdem kann ich dem Nutzer News zu einem Thema ausspielen, für das er sich bereits interessiert hat, oder zu Verkehr und Wetter, bevor er das Haus verlässt. In der Werbung ist eine ähnlich spitze Ansprache möglich. Natürlich bekommt der, der auf Spotify immerzu Rammstein hört, nicht die Werbung für das Rihanna-Konzert. Waschmittelwerbung geht an alle, aber an die Familien mit einem neugeborenen Kind vielleicht mit einem Schwerpunkt auf Hautverträglichkeit. Bei noch spitzerer Konzentration bekäme dann ein Bartträger genau dann Werbung für Bartpflegeprodukte, wenn er morgens um 7.00 Uhr vor dem Spiegel steht.

Was bedeutet dabei Echtzeit und um welche Reaktionszeiten handelt es sich? 

Bei diesen Konstellationen gibt es im Grunde zwei zeitliche Treiber: zum einen den Takt, den Ereignisse vorgeben. Natürlich will jeder möglichst schnell die Breaking News bekommen, dass etwa Angela Merkel den CDU-Parteivorsitz niederlegt. Lokale und regionale Themen sind weniger zeitkritisch. Wenn ich von Ereignissen in meiner Nachbarschaft mit ein, zwei Stunden Verspätung erfahre, reicht das in der Regel vollkommen aus. Ausnahmen sind vielleicht Verkehrsnachrichten, die ich sehen möchte, bevor ich aus dem Haus gehe. Der andere zeitliche Treiber ergibt sich durch den Tagesablauf des Users. Will ich – egal ob mit News oder Werbung – minimale Zeitfenster erreichen, muss ich schnell sein. Im Idealfall weiß ich schon vor dem User selbst, dass ihn in fünf Minuten ein bestimmtes Thema interessieren wird. Das wäre dann eine negative Reaktionszeit.

Weitere Informationen: www.Datenfreunde.de

Autor: Heinz-Jürgen Köhler
Fotos: Bosch

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