Bild zeigt Herrn Ashok-Alexander Sridharan, Oberbürgermeister von Bonn, in einem Sessel bei einem Gespräch

„Wir machen das für die Menschen“

Interview mit dem ehemaligen Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan

Im deutschlandweiten Smart City-Ranking 2019 des Digitalverbandes Bitkom steht Bonn auf Platz 7. In Nordrhein-Westfalen ist die Bundesstadt sogar Spitzenreiter. Doch Ashok Sridharan, bis Oktober 2020 als Oberbürgermeister fünf Jahre lang Chef im Rathaus, ist sicher: Da geht noch mehr!

Herr Sridharan, bis zum letzten Tag Ihrer Amtszeit als Oberbürgermeister von Bonn stand die digitale Entwicklung auf der Agenda der Bundesstadt weit oben. Warum war Ihnen dieses Thema so wichtig?

Wir stehen mitten in einem digitalen Wandel, der die Menschen, die Wirtschaft und auch die Verwaltung betrifft. Dieser Herausforderung muss sich auch eine Stadt stellen. Nicht nur unsere Bürgerinnen und Bürger wollen davon profitieren, was sich durch die Digitalisierung für sie verbessern kann. Alle Stakeholder in unserer Stadt wünschten sich Veränderungen. Sei es bei der Verwaltung selbst, sei es im Alltag, beim Verkehr oder in Punkto Nachhaltigkeit. Digitalisierung bietet hier Chancen für Verbesserungen. Und die wollten wir wo immer möglich nutzen.

Das Thema Smart City wird gern technologisch betrachtet. Eine intelligente Ampelschaltung, smarte Straßenbeleuchtung oder die vernetzte Mülltonne werden gern als digitale Innovationen gefeiert. Wann ist für Sie eine Stadt smart?

Wir müssen uns insgesamt smart aufstellen. Das beschränkt sich nicht auf Digitalisierungsprojekte oder einzelne smarte Lösungen. Die gehören zwar dazu, aber eine Stadt ist erst dann smart, wenn die Menschen, die in dieser Stadt leben, die diese Stadt besuchen, finden: Hier fühle ich mich gut aufgehoben und gut informiert. Und ich kann mich auch selber einfach und schnell informieren über die Dinge, die mich interessieren. Insofern ist es ein ganzheitlicher Ansatz, eine Smart City sein zu wollen. Dazu gehört natürlich auch, dass sich die Stadtverwaltung entsprechend aufstellt. Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen und unser Denken smart gestalten, indem wir über den eigenen Tellerrand hinausblicken. Wir müssen auch mehr in Prozessen und interdisziplinär denken. Als Stadt können wird das nur erfolgreich gemeinsam mit den Stakeholdern umsetzen. Ansonsten bleiben es Insellösungen. 

Wie nah waren Sie Ihren ehrgeizigen Digitalisierungszielen seit 2015 gekommen?

Bild zeigt Herrn Ashok-Alexander Sridharan, Oberbürgermeister von Bonn neben einer vergoldeten Beethoven-Statue

Ashok Sridharan, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Bonn ist seit 2015 Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn.

Der 54-jährige Jurist machte sein Abitur 1985 am Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg. Anschließend studierte er Rechtswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Nach mehreren beruflichen Zwischenstationen war er von 2010 bis 2015 Stellvertreter des Bürgermeisters von Königswinter und Dezernent für Finanzen, Personal, Organisation, IT und Controlling. International ist er Präsident des Städtenetzwerks ICLEI (Local Governments for Sustainability). Im September 2020 ist Ashok Sridharan erneut zur Oberbürgermeisterwahl der Bundestadt Bonn antreten.

Ein wichtiger Schritt war, direkt nach meiner Wahl die versprochene Initiative Digitales Bonn gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung und der IHK ins Leben zu rufen. Wir konnten auf Anhieb 70 Unternehmen gewinnen, an einer Digitalisierungsstrategie für die Bundesstadt Bonn mitzuarbeiten – pro bono wohlgemerkt. Das Ergebnis waren mehr als 300 Projektideen, die wir sukzessive abarbeiten wollten. Dies allerdings geclustert, damit wir nicht wild in der Gegend rumlaufen und Insellösungen schaffen. 2017 haben wir uns dann vorgenommen, 2025 smarteste City in NRW zu sein. Wir sind es jetzt schon, fünf Jahre früher als geplant. Aber damit sind wir noch lange nicht zufrieden, sondern wollen unsere Position verfestigen oder – noch besser – weiter ausbauen. Der Smart City Index des Bitkom legt deutlich offen, wo es noch Baustellen gibt und wo wir aktiver werden können.

Besonders gut sieht der Bitkom-Index Ihre Stadt quasi schon im Rathaus aufgestellt. Da liegt Bonn bundesweit hinter Berlin auf Platz 2. Wie wichtig ist Ihnen die digitale Verwaltung?

Sie ist ein sehr wichtiger Baustein der Digitalisierung. Die Verwaltung ist ganz nah am Bürger, hat sehr viele Berührungspunkte mit den Menschen unserer Stadt. Und genau an diesen Punkten Verbesserungen und Erleichterungen anzubieten, ist dabei immer oberstes Ziel. Hier gibt es viel Digitalisierungspotenzial. Die Menschen sollen nicht mehr für jeden kleinen Verwaltungsakt ins Stadthaus kommen müssen. Der Plan war, bis 2025 ein Viertel unserer Dienstleistungen digital anzubieten. Das ist auch weiterhin realistisch. 2018 haben wir etwa 180 neue Online-Angebote eingeführt. Darunter zum Beispiel erste Schritte im digitalen Baugenehmigungsverfahren, das wir komplett digitalisieren werden. Vom Bauantrag über die Bearbeitung bis zum Bescheid. Es werden keine Papiervorgänge mehr von Schreibtisch zu Schreibtisch weitergeben.

Generell gilt Öffentliche Verwaltung eher als weniger innovationsfreudig. Warum funktioniert das in Bonn gut?

Ob man Ihre Einschätzung so pauschal stehen lassen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. In Bonn funktioniert es aber. Mehr als 90 Prozent der Führungskräfte unserer Verwaltung stehen hinter dem Digitalisierungsprozess. Das verdanken wir dem Umstand, dass wir sie bereits frühzeitig mitgenommen und ihre Ideen mit einbezogen haben. Und wir konnten feststellen, dass die Digitalisierung in Teilen der Verwaltung schon sehr weit fortgeschritten ist. Wir haben zum Beispiel ein Geoinformationssystem, das für viele Bereiche wertvolle, standortbezogene Informationen bereithält. Wir hatten aber die Potenziale dieses Systems noch nicht ausgenutzt. Unser CDO hat uns dann darauf gebracht, in welchen Bereichen sich die Daten nutzen lassen, wenn wir das System bereichsübergreifend vernetzen.

Ein Chief Digital Officer für die Stadt ist eher selten. Was bringt ein CDO für die Digitalisierung?

Lübeck, Kiel, Düsseldorf oder Aachen: So ungewöhnlich ist ein CDO nicht mehr. Was aber ungewöhnlich ist: Wir haben uns bewusst für einen externen CDO entschieden, der nicht aus der Verwaltung kommt. Er ist auch kein Bediensteter der Stadt. Stattdessen hat er einen Beratervertrag. Warum glauben wir, dass das besser ist für unsere Smart-City-Pläne? Ein externer CDO, der bisher keine Stadtverwaltungserfahrung hat, betrachtet das Thema mit einem ganz anderen Blick. Er erkennt Möglichkeiten, für die wir intern vielleicht etwas betriebsblind sind. Das Geoinformationssystem ist dafür ein gutes Beispiel. Er hat gesehen, dass wir hier eine sehr gut nutzbare Datenquelle für völlig unterschiedliche Aufgaben haben. Wir in der Verwaltung hatten das so nicht erkannt.

Der CDO stößt also die Digitalisierungsprojekte an?

Das sind nicht einmal die einzelnen Digitalisierungsprojekte selbst. Hier sind wir durch das Mitwirken so vieler Unternehmen sehr gut aufgestellt. Er bringt vielmehr Ideen zum Umdenken in der Verwaltung ein. Er berät und treibt an. Wir denken heute viel weniger in Silos. Die gesamte Verwaltung ist deutlich transparenter geworden. Wir machen zum Beispiel viermal im Jahr eine Digitalisierungskonferenz mit all unseren Führungskräften. Jeder wird ins Boot geholt, jeder bringt sich ein und jeder weiß, wo wir stehen und welche Vorhaben geplant sind. 

Generell war Transparenz für Sie ein sehr wichtiges Thema?

Absolut. Indem wir transparent sind mit dem, was wir planen und umsetzen, fühlen sich alle mitgenommen und niemand kann der Stadt vorwerfen, hinter verschlossenen Rathaustüren zu agieren. Aus meiner Sicht ist daher das Open-Data-Thema ein sehr wichtiges für uns als Stadtvertreter. Wir stellen derzeit rund 500 elektronische Datenbestände der öffentlichen Verwaltung in die Plattform ein. Auch Daten von heiß diskutierten Projekten in der Stadt, zum Beispiel der Sanierung der Bonner Beethovenhalle. Wer sich über den Projektfortschritt informieren will, kann das in Open Data tun. Hier stellen wir monatlich den Controlling-Bericht über den Fortschritt des Bauprojekts ein. Genauso wie für alle weiteren großen Bauprojekte in der Stadt. Vor dem Hintergrund, dass bei diesen Themen vieles diskutiert und falsch dargestellt wird, ist es unsere Aufgabe, mit eigenen Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen. 

Welches weitere Projekt lag Ihnen besonders am Herzen?

Generell ist für die Stadt Bonn das große Thema sicherlich Verkehr und Mobilität. Es bereitet nicht immer Vergnügen nach Bonn zum Arbeiten zu kommen. Hier besteht noch sehr viel Optimierungsbedarf und die Möglichkeiten dafür gibt es. Dabei denken wir nicht nur an das Autofahren. Wir bauen Verkehrsanlagen nicht für Autos, Fahrräder oder Busse, sondern für Menschen, die von A nach B kommen müssen. Da brauchen wir smarte Lösungen. Eine davon ist die Seilbahn von der rechtsrheinischen Seite über den Rhein hoch zum Venusberg. Die jetzige Strecke für PKW und CO hoch zum Venusberg ist hoffnungslos überlastet. Eine Seilbahn könnte helfen. Sie ist erstens relativ schnell zu realisieren und zweitens bietet sie auch noch einen zusätzlichen Attraktionswert für die Stadt. 

Wie reagieren die Menschen der Stadt auf die Smart-City-Pläne der Bundesstadt Bonn?

Wir machen die Digitalisierung prinzipiell nur für die Menschen. Die Projekte dienen nicht dem Selbstzweck, weil es gerade Mal angesagt ist, smart zu sein. Daher binden wir Bürgerinnen und Bürger in unsere Pläne ein. Sie können auch in den Stadtlabors mitwirken, was sehr gut ankommt. Es gibt aber trotzdem Menschen, die prinzipiell gegen Digitalisierung sind. Sie versuchen wir weiterhin von unseren Ideen zu überzeugen. Ausgrenzen darf die Digitalisierung diese Bürgerinnen und Bürger allerdings nicht.

Das vollständige Ranking ist unter www.smart-city-index.de abrufbar.

Autor: Roger Homrich
Fotos: Oliver Krato

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