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Digital Blockhain

Blockchain bietet mehr als Bitcoin und Kryptowährung

Die Blockchain-Technologie könnte das Lieferkettengesetz unterstützen und Cloud-Anbietern neue Einnahmequellen bieten

10. Oktober 2022Ralf Hülsmann

Raus aus der Nische hin zum Daily Business-Einsatz

Die Blockchain tut sich schwer. Zwar hat sich der Markt für die Technologie zu einem Multimilliarden-Dollar-Markt entwickelt, doch noch immer setzen viele sie mit Kryptowährung gleich. Dies liegt daran, dass es nicht ganz einfach zu verstehen ist, wie eine Blockchain funktioniert. Und es fehlt an anfassbaren Use Cases, die über den Nischeneinsatz hinausgehen. Das könnte sich durch das Lieferkettengesetz und den weltweiten Boom an Cloud-Rechenzentren ändern.

Kryptowährung, immer nur Kryptowährung

Digitaler Bitcoin, der sich auflöst

Seien wir mal ehrlich: Würden Sie eine Straßenumfrage zum Thema Blockchain machen, wäre das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit ernüchternd. Meine Prognose: Zwar würden die meisten bestätigen, dass sie den Begriff schon mal gehört haben, aber erklären könnten ihn die wenigsten. Und gefragt, in welchem Zusammenhang die Befragten den Begriff kennen, würde die Antwort lauten: Bitcoin und Kryptowährung. Denn nur die aller wenigsten wissen, in welchen Bereichen die diese Technologie noch eingesetzt werden kann und auch schon wird. Zu dieser Wissenslücke tragen bis heute selbst Blockchain-Studien bei, da sie sich meist auf den Bereich der Finanzdienstleistungen fokussieren. Befragt werden Banken, Versicherungen und Asset Manager zu digitalen Vermögenswerten und selbst Wissenschaftler erstellen Studien und Whitepaper mit Schwerpunkt auf Kryptowährungen, Zahlungsverkehr und Kapitalmarkthandel. Wen wundert es da, dass sich andere Branchen mit dem Thema schwertun.

Non-fungible Token für digitale Wirtschaft

Während Bitcoin oder Ether nichts anderes sind als digitale Währungen, die identisch ist mit Geldscheinen in der realen Welt, sind Non-fungible Token (NFT) digitale Unikate mit einzigartigen Merkmalen. Sie könnten als Grundlage für eine neue, auf der Blockchain-Technologie basierte, digitale Wirtschaft dienen. Im Grunde lassen sich NFT mit Gemälden vergleichen, die es nur einmal gibt und sich daher im Gegensatz zu Bitcoins nicht einfach tauschen lassen. Besteht großes Interesse an einem Kunstwerk, steigt auch der Wert des NFT. Dies macht den Token zu einem begehrten Handelsobjekt, mit dem sich Geschäfte machen lassen. Vor der Blockchain war es kaum möglich, die Echtheit und Einmaligkeit eines immateriellen Gutes nachzuweisen. Durch die Blockchain-Technologie sind Einträge und Transaktionen unveränderbar, was den Besitz eines NFT sicher und nachweisbar macht. Damit sind die Herkunft sowie die komplette Besitzhistorie für immer auf der "Blockkette" gespeichert. Die praktischen Anwendungsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben, übersteigen den Einsatz der Technologie als Enabler von Kryptowährung deutlich.  

Dezentrale, automatisierte Datenketten 

Im Kern ist die Blockchain also ein verteiltes, digitales Logbuch für Daten. Während herkömmliche Datenbanken Informationen zentral speichern, wird sie völlig dezentralisiert eingesetzt. Nicht ein zentraler Administrator verwaltet an einem Ort eine Datenbank, sondern es gibt viele identische Kopien einer Blockchain-Datenbank auf mehreren Computern, die über ein Netzwerk verteilt sind. Diese einzelnen Computer werden als „Knoten“ bezeichnet. Einer solchen Blockkette werden regelmäßig neue „Blöcke“ von Daten hinzugefügt. Alle Knoten werden dabei automatisiert aktualisiert, damit sie identisch bleiben. Die Art und Weise, wie diese neuen Blöcke erstellt werden, ist der Schlüssel dazu, warum die Kette als äußerst sicher gilt. Die Mehrheit der Knoten muss die Legitimität der neuen Daten überprüfen und bestätigen, bevor ein neuer Block zum Hauptlogbuch hinzugefügt werden kann. Dies unterscheidet sich von einer zentralen Datenbank, bei der eine Person ohne Aufsicht Änderungen vornehmen kann.

Lieferkettengesetz pusht Blockchain

Ändern könnte sich das schon bald durch mehrere, aktuelle Entwicklungen. Im Januar 2023 tritt das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), kurz Lieferkettengesetz, in Kraft. Das Datenvolumen wird in den nächsten Jahren um ein Vielfaches steigen. Und schließlich sprießen weltweit Cloud-Rechenzentren aus dem Boden, die nur profitabel sind, wenn ihre enormen Rechenkapazitäten auch tatsächlich genutzt werden. Warum könnte sich das Lieferkettengesetz auf die Blockchain-Nutzung auswirken? Blockchains könnten gleichzeitig die Probleme des Gesetzgebers und der produzierenden Industrien lösen. Wie sollen die Prüfer erkennen, ob die vom Lieferkettengesetz geforderten Nachweise über die Sorgfaltspflichten der Unternehmen echt sind? Und wie wollen Unternehmen die Daten entlang der gesamten Produktions- und Lieferketten vom Rohstoff bis zum Endprodukt erfassen? Die Lösung dafür könnte die Blockchain-Technologie sein, die damit deutlich stärker ins Rampenlicht rücken könnte.

Vom Acker bis zur Ladenkasse

Digitale Abbildung einer Blockchain Datenkette

Blockchain-Datenbanken eignen sich für Supply Chains, weil Lieferketten riesige Mengen an Daten verarbeiten. Insbesondere komplexe Produkte, deren Rohstoffe und Einzelteile quer über den Globus transportiert werden, erzeugen enorme Datenmengen. Wenn IoT-Lösungen zukünftig noch mehr Daten generieren, wird die Datenmenge sich weiter exponentiell erhöhen. Was bedeutet dies für das Lieferkettengesetz? Mit herkömmlichen zentralen Datenspeichermethoden wird es ungeheuer aufwendig, im Nachhinein zu ermitteln, welcher Lieferant welche Waren geliefert hat, wie sie wann erzeugt wurden und welche Inhaltsstoffe sie enthalten. Wenn aber alle Erzeuger und Lieferanten von Zwischenprodukten Daten fälschungssicher direkt in die Blockchain schreiben, lassen sich die Informationen genau erfassen und rückverfolgen, zum Beispiel Lebensmittel von der Ernte bis zum Verkauf im Laden. Fälschungssicher sind Daten in einer solchen Blockchain, da für jedes gefälschte Datum jeder Knoten gehackt und jedes Logbuch geändert werden müsste. Das sorgt für umfassende Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Et voilà - die komplexe Nachhaltung sämtlicher Daten wird deutlich vereinfacht und die Anforderungen des Lieferkettensorgfaltsgesetzes können eingehalten werden.

Ist der Bio-Apfel wirklich Bio?

Der Blockchain-Einsatz in der Lieferkette kommt auch dem Endverbraucher zugute. Ein Beispiel ist Green Farming. Wie kann der Käufer eines Bio-Apfels prüfen, ob sein Apfel tatsächlich „grün“ produziert wurde? Durch ein Zusammenspiel von Cloud, IoT-Daten und Blockchain-Datenbanken, indem es die gesamte Produktions- und Lieferkette transparent macht – vom Anbau über den Vertrieb bis hin zum Verbraucher. Dafür entsteht ein Tagebuch der Pflanzen. Eine Blockchain-Datenbank stellt alle gesammelten Informationen rund um den Apfel zur Verfügung. Der Konsument kann mit einem QR-Code-Scan Informationen abrufen, wann und wie sein Apfel geerntet und produziert wurde. Dies schafft Vertrauen bei Anbaubetrieben durch Nachweise von Pflanzenschutzmittel oder Biozertifizierungen. Bei Logistikunternehmen durch pünktliche Lieferung, unbeschädigte Ware und eine flüssige Kühlkette. Und bei Konsumenten durch digitale Transparenz und schnelle Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln. 

Verteilte Rechenpower über Blockchain

Ebenso gibt es im Cloud-Segment futuristische Use Cases. Über die Blockchain-Technologie lässt sich die Auslastung von Rechenzentren erhöhen. Und deren Betreiber verdienen nur dann Geld, wenn ihre Server genutzt werden. 2024 soll es weltweit rund 1.000 Hyperscaler-Rechenzentren geben. 2018 waren es 500. Auch wenn der Bedarf an Speicher- und Rechenkapazitäten weiter steigt, drohen Überkapazitäten. Die Blockchain kann hier einen Win-Win-Effekt erzielen. Wer kurzfristig Rechenkapazitäten braucht, versorgt sich über die Kette mit Kapazitäten, die die Rechenzentrumsbetreiber gerade mal frei haben. So lassen sich Rechenkapazitäten weltweit nach Bedarf verteilen. Die Plattform Golem (GNT) zum Beispiel ist ein System zur dezentralen Verwaltung von Rechenleistung in der Cloud. Die Entwickler sehen Golem als Netzwerk- Supercomputer, dessen Rechenkapazitäten weltweit abrufbar sind. Technisch beruht Golem auf der Ethereum-Blockchain. Die Nutzer bezahlen die Rechenzeit mit der Kryptowährung GNT, also Tokens. So agieren Abnehmer und Anbieter von Rechenleistungen direkt miteinander.

Das Blockchain Solutions Center

Ich bin davon überzeugt, die Blockchain-Technologie bietet ein enormes Potenzial, nicht nur zur besseren Einhaltung des Lieferkettengesetzes. Sie muss jedoch noch ein paar Hürden überwinden, bis dieses Potenzial zum Fliegen kommt. Dafür haben wir ein Blockchain Solutions Center (BCSC) gegründet, um die Idee dieser Technologie und ihre Anwendungsmöglichkeiten zu verbreiten. Unsere Blockchain-Experten beraten und begleiten Unternehmen von der Idee bis hin zur Implementierung. Mit Validation as a Service und Staking, also dem Betreiben von Validatorknoten in öffentlichen Blockchain-Netzwerken. Wir haben unter anderem in Celo und Polkadot investiert, um an der Gestaltung von Netzwerken mitzuwirken. Unsere Self-Sovereign Identity (SSI)-Lösung ermöglicht Nutzer*innen den flexiblen und sicheren Austausch von Identitätsnachweisen. Und mit Non-Fungible Token (NFT) bieten wir den Einstieg ins dezentrale Metaverse.

Zum Autor
Foto von Ralf Hülsmann

Ralf Hülsmann

Head of Innovation Management Cloud Services, T-Systems International GmbH

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