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Hologramm von futuristischem Auto in Werkstatt.

Das Auto der Zukunft

6 Trends, die die Entwicklung von Autos maßgeblich beeinflussen

03. Juni 2020Oliver Bahns

Autos werden Lebensräume

Die Automobilindustrie setzt immer mehr auf digitale Funktionen im Auto. Die Industrie will ihren Nutzern ein neuartiges automobiles Erlebnis bieten. Das Fahrzeug wird zum Lebensraum – mit allen Funktionalitäten, die Menschen in ihrem Wohnumfeld erwarten. Sechs Trends werden künftig für das Nutzererlebnis wichtig sein. Begleiten Sie uns auf einer virtuellen Reise mit dem Automobil der Zukunft.

Endlich Urlaub

Finger, der im Auto den Play-Knopf drückt.

In früheren Zeiten brauchte eine Familientour – sagen wir in den Urlaub – akribische Planung, die bisweilen das Packen des Koffers in den Schatten stellte. Haben wir genug zu lesen? Spiele? Was ist mit der Musik? Haben wir an Snacks gedacht? Familien am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Wenn wir ehrlich sind, war das Auto schon seit jeher mehr als ein Transportmittel – findige Geister haben ermittelt, dass wir im Schnitt über vier Jahre unseres Lebens im Auto verbringen. Knapp die Hälfte davon sogar mit Familie und Freunden. Nur war das Unterhaltungsprogramm unterwegs begrenzt: Neben dem Identifizieren von Nummernschildern und dem Anfahren von Raststätten erinnere ich mich an das Besänftigen murrender Kinder auf der Rückbank. Irgendwann kam der Walkman und dann die digitale Transformation. Heute träumen wir von Fahrzeugen, die uns von A nach B kutschieren und jedem Beifahrer seine eigenen Filme anbieten.

Das Auto ist also mehr als eine Blechkiste mit vier Rädern, die uns und unser Gepäck durch die Gegend transportiert – genauso wie ein Smartphone nicht nur zum Telefonieren taugt. Das Auto ist ein Lebensraum, in dem wir, wenn wir der obigen Zahl trauen, insgesamt etwa fünf Prozent unseres Lebens verbringen. Zudem ist es ein Internet-Device, das die Passagiere mit ihren Internet-Ökosystemen verbindet.

Trends für das Auto der Zukunft

Je nach Naturell reagieren die Menschen, mit denen ich spreche, auf solche Ankündigungen mit einem Stirnrunzeln oder mit bloßer Euphorie. Natürlich ist viel von dem, was wir erhoffen – angefangen beim autonomen Fahren – noch Träumerei, aber jeden Monat bewegen wir uns Schritt für Schritt auf das Auto der Zukunft zu.

Aus meiner Sicht sind es mehrere Trends in der Branche, die neben Elektromobilität, automatisiertem Fahren oder alternativen Antrieben für die Automobilindustrie relevant sind:

  1. Biometrie
  2. digitale Assistenten
  3. Marktplätze
  4. In-Car Payments
  5. bedarfsgerechte Zubuchung von Funktionen
  6. Vehicle to Everything (V2X)

Biometrie für individuelles Fahrerlebnis

Seit Fahrzeuge gestohlen werden, verlassen wir uns auf unsere Autoschlüssel. Diese haben in den letzten Jahren für das Automobil eine dramatische Entwicklung hingelegt. Vom Öffner und Zündschlüssel hin zum Device, das uns gegenüber dem Auto identifiziert. Trotzdem sind wir immer noch und immer wieder auf der Suche nach dem Schlüssel. Die biometrische Identifikation könnte dem ein Ende bereiten. Wenn ich mich dem Auto nähere, erkennt es mich – entweder über Gesichtserkennung oder per Fingerabruck –, öffnet die Tür und stellt das Auto für mich ein. Aber mehr noch: Es erkennt auch, dass meine Tochter sich auf dem Rücksitz platziert und meine Frau auf dem Beifahrersitz. Und es stellt deren präferiertes Entertainment-Programm an ihren Plätzen ein: Videos, Musik, Hörbücher – alles vorhanden wie im eigenen Zimmer. Ich muss nur noch daran denken, dass immer ein Ersatzkopfhörer vorhanden ist. Irgendjemand vergisst den immer.

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Der digitale Beifahrer

Frau, die auf digitale Icons auf der Frontscheibe im Auto tippt.

Autonomes Fahren wird in den nächsten Jahren trotz der ständigen Entwicklung immer leistungsfähigerer Fahrassistenten noch ein Traum bleiben. Und solange das so ist, muss ich als Fahrer auf das achten, was um mich herum geschieht. Hier werden die V2X-Funktionen in den nächsten Jahren helfen. Die natürlichste Entlastung des Fahrers – und heute schon verfügbar – sind Sprachassistenten, die bei der Bedienung der sonstigen Funktionen helfen. Während manche Sprachassistenten mir meine Mails vorlesen oder diese sogar beantworten, erinnern andere an die ersten Sprachmenüs der Reisebuchung der Deutschen Bahn: „Ich habe Sie nicht verstanden. Bitte wiederholen Sie den Zielort …“ – von natürlicher Konversation, wie wir das bei K.I.T.T. erlebt haben, ist das noch ein Stück weit entfernt. Zukünftige digitale Onboard-Assistenten müssen digitale Beifahrer werden, doch dazu muss die Entwicklung noch ein paar Reifestufen durchlaufen: Sie müssen den Fahrer überwachen, seine Emotionen identifizieren und...

Marktplatz an Bord

… als Butler für den Auto-Marktplatz dienen. Ein Marktplatz? Ja. Die Integration von Marktplätzen ist eine konsequente Antwort auf die Betrachtung des Autos als Lebensraum. Marktforscher wie Frost & Sullivan sehen in solchen In-Car-Marktplätzen ein Marktvolumen in Milliardenhöhe. Über einen In-Car-Marktplatz bietet die Automobilbranche dem Insassen ein Einkaufsportal während der Fahrt. So können die Beifahrer in Online-Shops stöbern und – In-Car Payment vorausgesetzt – sogar direkt einkaufen. Typischerweise wird der In-Car-Marktplatz aber nicht nur Amazon, ebay & Co. abbilden, sondern reise- oder automobiltypische Leistungen integrieren. Also beispielsweise die Vorbestellung für Cappuccino und Croissants bei einer Raststätte am Weg, die Reservierung einer E-Ladesäule für das E-Auto oder den Wocheneinkauf auf dem Weg vom Büro nach Hause. Die Angebote von Unternehmen wie Tankstellenketten könnten eine sinnvolle Ergänzung dieses Marktplatzes sein.

Das dynamische Auto – Zusatzfunktionen nach Bedarf

Die Bestellmöglichkeiten werden aber auch fahrzeuginterne Dienste umfassen. Schon heute bietet die Automobilindustrie Over the Air Updates an. Diese Funktionalität von Connected Cars kann auch für Zusatzdienste genutzt werden. Das Auto könnte für spezifische Einsatzszenarien getunt (Bergfahrt, Umzug) oder – um auf unser Urlaubsszenario zurückzukommen – temporär mit zusätzlichem ausländischem Kartenmaterial oder intelligenten Routenführungen ausgerüstet werden.

Unterwegs fühlt sich an wie daheim

Das Auto als Lebensraum – das bedeutet Zugriff auf alle Funktionalitäten, wie wir sie auch daheim erleben. Und darin liegt für die Automobilindustrie eine riesige Chance. Nämlich die Zeit, die Nutzer ihren Produkten „schenken“, für Zusatzgeschäft zu nutzen und sich als integraler Bestandteil der virtuellen Welt zu positionieren. Die Automobilbranche hat dazu eine hervorragende Ausgangslage. Aber die Hersteller müssen einen leistungsfähigen Technologie-Stack von Onboard über Connectivity bis Backend, von Marktplätzen bis hin zu verschiedenen Touchpoints integrieren. Im nächsten Beitrag dieser Serie werde ich aufzeigen, welche technischen Voraussetzungen nötig sind, damit unser Auto der Zukunft Realität wird. Bis dahin träume ich weiter von der perfekten Auto-Urlaubsreise – wenn Corona der Vergangenheit angehört.

Zum Autor
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Oliver Bahns

Senior Vice President Connected Mobility, T-Systems International GmbH

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