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Warum Nachhaltigkeit in der Finanzindustrie Priorität bekommt

Umwelt-, Sozial- und Governance-(ESG)-Vorgaben machen den Kapitalmarkt zum wichtigen Player nachhaltigen Wirtschaftens.

Die Welt, in der wir leben, wird von der Wirtschaft bestimmt, sei es auf individueller Ebene, auf Unternehmensebene oder auf staatlicher Ebene, sei es im Einzelhandel, im Energiesektor, in der Automobilindustrie, im verarbeitenden Gewerbe oder in jeder anderen Branche. Sie alle sind mit einem gemeinsamen Faktor verbunden, der ihr Funktionieren antreibt, nämlich der Finanzierung. Finanzwesen ist ein weit gefasster Begriff, der Aktivitäten im Zusammenhang mit Bankgeschäften, Fremdkapital oder Schulden, Krediten, Versicherungen, Kapitalmärkten, Geld und Investitionen beschreibt. Finanzwesen umfasst auch die Überwachung, Schaffung und Untersuchung von Geld, Bankwesen, Krediten, Investitionen, Vermögenswerten und Verbindlichkeiten, die die Finanzsysteme ausmachen. Finanzinstitute (FI) tragen zunehmend direkt oder indirekt zur Verschlechterung unserer Umwelt und der Ökosysteme bei, auf die wir für unser Überleben angewiesen sind.

„Im Bummelzug ist Klimaneutralität nicht zu erreichen“, sagte Siegfried Russwurm, Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Mitte Juni 2021 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Der Wirtschaft kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Schon sein Vorgänger Dieter Kempf hatte deutlich gemacht: „Die Industrie steht hinter dem Pariser Klimaabkommen. Nur eine hoch innovative und international wettbewerbsfähige Industrie ist in der Lage, Technologien und Produkte zu entwickeln, die für den Klimaschutz notwendig sind“.

Finanzinstitute und nachhaltiges Wirtschaften

Die Finanzwirtschaft fördert das Wirtschaftswachstum und kann gleichzeitig dazu beitragen, den Druck auf die Umwelt zu verringern. Als Kapitalgeber kommt ihr eine zentrale Rolle in der Entwicklung zu nachhaltigerem Wirtschaften zu. Sie stellt Geld für Investitionen bereit und trägt damit direkt oder indirekt dazu bei, die Entwicklung von Umwelt, Klima und Ökosystemen zu beeinflussen. Eine nachhaltige Finanzwirtschaft sollte demnach bei ihren Investitionsentscheidungen Umwelt-, Sozial- und Governance-(ESG)-Aspekte berücksichtigen.

Dafür sollte sie Finanzkapital sowie Risikomanagementprodukte und -dienstleistungen so bereitstellen, dass es den wirtschaftlichen Wohlstand fördert, gleichzeitig die Umwelt schützt und für soziales Wohlergehen sorgt. ESG gelten als Kernfaktoren für die Messung der Nachhaltigkeit und der gesellschaftlichen Auswirkungen einer Investition in Projekte oder eine Organisation. Sie tragen auch dazu bei, die künftige finanzielle Leistung von Unternehmen – Rendite und Risiko – besser vorherzusagen.

Was macht die EU?

Die EU hat sich verpflichtet, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 sinken (Quelle: Communication from the Commission ‘The European Green Deal’, COM/2019/640 final, 11.12.2019). Dieses Ziel ist mit einem enormen Finanzaufwand verbunden. Allein im Bereich der Energiesysteme sind rund 350 Milliarden Euro Investitionen notwendig – zusätzlich zu 130 Milliarden Euro zur Erreichung weiterer Umweltziele.

Zuvor hat die Europäische Kommission einen ersten Aktionsplan zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums entwickelt und drei grundlegende Säulen für einen nachhaltigen Finanzrahmen definiert:

  • ein Klassifizierungssystem für nachhaltige Aktivitäten
  • ein Rahmen für die Offenlegung von Informationen für Unternehmen 
  • Investitionsinstrumente, einschließlich Benchmarks, Standards und Labels

Grüne Anleihen für nachhaltige Investitionen

Matrix mit Risiko, Möglichkeiten und finanziellen Auswirkungen

Im Rahmen des langfristigen EU-Haushalts 2021-2027 und des Wiederaufbaufonds NextGenerationEU (NGEU) im Zuge der Pandemie will die EU bis zu 605 Milliarden Euro für Projekte zur Bewältigung der Klimakrise und 100 Milliarden Euro für Projekte zur Förderung der Biodiversität ausgeben. 30 Prozent des Kapitalbedarfs sollen durch Emissionen von grünen Anleihen gedeckt werden. Auch die Europäische Investitionsbank-Gruppe hat als „EU-Klimabank“ wichtige Schritte unternommen, den Wandel zu unterstützen. (Quelle: European Investment Bank Group, Climate Bank Roadmap 2021-2025, November 2020)

Die Europäische Kommission hat zudem im Juli 2021 eine EU-Strategie für die Finanzierung der Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise und für den weiteren Ausbau eines nachhaltigen Finanzsystems auf den Weg gebracht. Denn die ESG-bezogenen Maßnahmen und der Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft wird schätzungsweise Investitionen in Höhe von 1 Billion Dollar pro Jahr erfordern.

Vorreiter Deutschland

Aus Sicht politischer Maßnahmen und Gesetzgebung ist Deutschland in Europa einer der Vorreiter, um die kurz- und langfristigen Ziele im Bereich nachhaltiger Finanzen zu erreichen. Eine im Mai 2021 vom Bundeskabinett verabschiedete Strategie zielt darauf ab, dringend notwendige Investitionen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu mobilisieren und gleichzeitig den zunehmenden Klimarisiken für das Finanzsystem zu begegnen. Die Strategie stellt einen Kurswechsel im Finanzsystem dar, bei dem die Bundesregierung in Berlin Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu zentralen Leitprinzipien erklärt mit dem Ziel, Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort zu machen.

Zu dem Zweck hat der Nachhaltigkeitsbeirat der Bundesregierung Anfang 2021 in seinem Abschlussbericht „Shifting the Trillions – Ein nachhaltiges Finanzsystem für die Große Transformation“ 30 wegweisende Maßnahmen für ein nachhaltiges Finanzwesen beschlossen. Dazu gehören die Umschichtung der Kapitalanlagen des Bundes in nachhaltige Anlageformen, Nachhaltigkeitslabels für Verbraucher (Nachhaltigkeitsampeln) und neue Nachhaltigkeitsberichtsanforderungen für Unternehmen.

Förderern des nachhaltigen Wirtschaftens

Vor diesem Hintergrund sollten die Finanzinstitute nicht nur neue nachhaltige Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen entwickeln, neue Risikomaßnahmen einführen und neue Technologien übernehmen, sondern auch zu entschlossenen Förderern des nachhaltigen Wirtschaftens werden. Hierfür müssen sie die finanziellen Risiken und Chancen ihres Engagements verstehen und entsprechend handeln. Dabei kommt dem Finanzsektor und damit den privaten Banken, so Torsten Jäger, Director Nachhaltigkeit vom Bundesverband deutscher Banken e.V. (BdB) „eine besondere Rolle zu. Denn sie finanzieren die wirtschaftliche Transformation und können somit einen zentralen Beitrag zur Erreichung der globalen und nationalen Klimaziele leisten“. 

Gesetzgeber und Regulierungsbehörden wiederum müssen die Rolle und das Potenzial der Finanzinstitute für eine nachhaltige Entwicklung erkennen. Sie sollten erkennen, wie die Politik dazu beitragen kann, dass der Finanzsektor zu einem verantwortungsvollen und wichtigen Förderer und nicht zu einem Hemmschuh des klimawirtschaftlichen Wandels wird.

Nachhaltigkeit messen und bewerten

Mit genau dieser Absicht, „Verantwortung ernst zu nehmen“, hat T-Systems das Sustainability Dashboard „Syrah” entwickelt. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die Telekom-Tochter nicht nur im eigenen Unternehmen auf „grüne” Maßnahmen achtet, sondern auch ihre Kunden bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützt.

Wie können IT-Anbieter helfen?

Auch wenn von Finanzinstituten erwartet wird, dass sie sich an Nachhaltigkeitsnormen halten, können IT-Anbieter eine wichtige Rolle dabei spielen, ihnen bei der Einführung neuer Technologien zu helfen, die ihren Nachhaltigkeitsstrategien und -zielen entsprechen. Laut einem aktuellen Bericht der globalen Unternehmensberatung BearingPoint müssen Finanzinstitute mehr in die IT investieren und den Einsatz von Trendtechnologien wie Cloud, künstliche Intelligenz und Robotic Process Automation vorantreiben. Dies ermöglicht ihnen eine stärkere Durchdringung der Digitalisierung, die wiederum effizientere Geschäftsprozesse, eine höhere Automatisierungsabdeckung und eine verstärkte Implementierung von Standardsoftware-as-a-Cloud-Lösungen ermöglicht, um die Change-the-Bank-Kosten langfristig niedrig zu halten.

So hat T-Systems kürzlich gemeinsam mit 20 Stadtverwaltungen in Spanien Syrah Sustainability entwickelt, ein konfigurierbares SDG-Dashboard, mit dem alle öffentlichen und privaten Organisationen Nachhaltigkeitsindikatoren definieren, visualisieren, messen und überwachen können. Unsere Arbeit an der Ökologisierung der Cloud nimmt im Rechenzentrum von Biere in Sachsen-Anhalt Gestalt an. Und wir haben auch einer chinesischen Megastadt geholfen, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren.

Für eine aufschlussreiche Diskussion über die Rolle der IT in der nachhaltigen Finanzwirtschaft, schreiben Sie mir.


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Über den Autor

Chitwan Bhardwaj ist Branchen Marketing Experte bei T-Systems, spezialisiert auf Finanzdienstleistungen. Er verfügt über 14 Jahre Erfahrung in den Bereichen Domain- und Strategieberatung, Pre-Sales und Marketing.

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