Bild zeigt Schüler bei einer Gruppenarbeit. Vor ihnen steht ein Laptop; Bild mit Verlauf

Digital Education: Mehr als Technik

Der kompetente, selbstbestimmte und sichere Umgang mit digitaler Technik wird immer mehr Bestandteil des Unterrichts.

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Im Grunde sind sich alle einig: Die Digitalisierung darf an der Schule nicht vorbeigehen. Im Gegenteil: Es wird höchste Zeit, mehr Geld in die Finanzierung der technischen Infrastruktur und pädagogischen Konzepte zu investieren. Hauptziel ist es, die Aufwendungen für die Schaffung der nötigen technischen Infrastrukturen einzusetzen, damit die Schüler auch in ihren Schulen die eigenen Laptops, Tablets und Co. nutzen können. Dazu gehört in Deutschland zudem die Ausstattung der fast 40.000 Schulen des Landes mit WLAN.

Nach zähem Ringen haben sich Bund und Länder im März 2019 auf den Digitalpakt Schule geeinigt und dafür sogar das Grundgesetz geändert. In Artikel 104c heißt es nun: „Der Bund kann den Ländern Finanzhilfen für gesamtstaatlich bedeutsame Investitionen sowie besondere, mit diesen unmittelbar verbundene, befristete Ausgaben der Länder und Gemeinden (Gemeindeverbände) zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der kommunalen Bildungsinfrastruktur gewähren.“ Zur Finanzierung des Digitalpakts Schule sollen Gelder aus der 5G-Versteigerung aus dem Fonds „Sondervermögen Digitale Infrastruktur“ fließen.

Digitalpakt Schule

Bild zeigt Luftaufnahme des Gebäudes des Aloisiuskollegs in Bonn- Bad Godesberg

Über einen Zeitraum von fünf Jahren bekommen die Länder vom Bund fünf Milliarden Euro für die Schuldigitalisierung. Im Gegenzug verpflichten sie sich, noch einmal zehn Prozent dieser Summe obendrauf zu legen. Einige Bundesländer haben derweil eigene Finanzierungsprogramme aufgesetzt, auf deren Basis mehr Geld in den Aufbau von digitalen Infrastrukturen fließen soll. Beispiel Nordrhein-Westfalen: Die vorherige Landesregierung unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat 2016 das Förderprogramm „Gute Schule 2020“ gestartet. Bis 2020 können Schulen in NRW für Schulinfrastrukturprojekte Geld aus einem zwei Milliarden Euro schweren Sonderfonds abrufen.

Auch wenn ohne moderne Technik an digitale Schule nicht zu denken ist: Technik allein wird die Schulen nicht weiterbringen. Daher beinhaltet der Digitalpakt Schule zusätzliche Komponenten wie „Keine Ausstattung ohne Konzept“ sowie „Keine Förderung ohne Support“. Die Schulen müssen also pädagogische Ziele – zum Beispiel in Form eines Medienkonzepts – vorgeben, an denen sich der Aufbau der technischen Infrastruktur ausrichten lässt. Zum anderen stehen die Schulträger in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass der Betrieb dieser Infrastruktur gesichert ist.

Digitale Ausstattung in Schulen besser als ihr Ruf 

Die Deutsche Telekom Stiftung und das Institut für Schulentwicklungsforschung der Technischen Universität Dortmund haben Anfang 2019 mehr als 600 Lehrer der Sekundarstufe I befragt, wie sie die digitale Ausstattung und die Unterstützung an ihrer Schule bewerten. Noch bestehen große Unterschiede. Die Ergebnisse zeigen aber, dass sich etwas tut an deutschen Schulen. So verfügen inzwischen mehr als zwei Drittel der Einrichtungen über Medienkonzepte. Zudem gibt eine Mehrheit der Lehrer an, dass sich vor Ort ein IT-Koordinator oder eine Lehrkraft um die praktische Umsetzung des jeweiligen Medienkonzepts kümmert. Und gut 80 Prozent der Lehrer sagen, dass die Schulleitung die notwendigen Rahmenbedingungen für den Einsatz digitaler Medien geschaffen hat.

Beispiel Bonn: In die Schullandschaft der Stadt fließen rund 30 Millionen Euro aus dem NRW-Topf „Gute Schule 2020“, wovon rund ein Viertel für den Ausbau von WLAN- und Breitbandnetzen reserviert sind. Auch das Aloisiuskolleg im Stadtbezirk Bad Godesberg hat mit Geld aus dem Programm bis zum Start des neuen Schuljahres 2019/20 seine IT-Infrastruktur auf neue Füße gestellt. Den digitalen Wandel am Aloisiuskolleg treiben der Verwaltungsleiter André Hoffbauer und der IT-Leiter Patrick Gies zusammen mit der Schulleitung voran.

Office 365 und Glasfaseranschluss

Bild mit André Hofbauer, Verwaltungsleiter am Aloisiuskolleg Bonn-Bad Godesberg, vor einer Glastür mit Wappen

André Hofbauer, Verwaltungsleiter am Aloisiuskolleg, setzt auf Persönlichkeitsbildung für die digitale Zukunft.

„Wir haben unsere Server in unseren eigenen Serverräumen erneuert, nutzen jetzt Office 365 A1-Lizenzen, mit denen wir als Schule zum Beispiel Outlook, Word, Excel oder PowerPoint kostenfrei nutzen können. Wenn wir dann später den Exchange-Server austauschen, wird auch das uns nichts kosten“, berichtet Gies. „Die Firewalls mussten wir ebenfalls erneuern, da sie zu langsam waren und den Datenverkehr ausbremsten. Und wir verfügen über einen Glasfaseranschluss.“

Viele Schulräume im Aloisiuskolleg sind bereits mit Beamer und Whiteboard ausgestattet, es gibt digitale Stundenpläne. Jetzt überlegt die Schulleitung, noch nicht umgerüstete Räume mit Interaktivboards zu versehen. „Und wir verkabeln unsere Schule weiter, um den zunehmenden Datenverkehr zu bewältigen. Das aktuelle Netz reicht zwar für den Unterricht aus, aber die Schüler haben nach wie vor keinen Zugang zu einem WLAN“, bedauert Gies.

Digital Leadership Education 

So weit die reine Infrastruktur. Mit dem sinnvollen Medieneinsatz im Unterricht und einem digitalen Lernkonzept hat sich das Aloisiuskolleg schon vor Jahren beschäftigt und hat Mitte 2016 ein Konzept zur Medienbildung entwickelt. Das gemeinsam mit anderen Jesuitenkollegien in Berlin und St. Blasien entwickelte, auf ignatianischer Pädagogik beruhende Projekt „Digital Leadership Education“ (DLE) soll die Schüler an die Technik heranführen. Das Motto: „Wer immer noch hofft, dass Bildung und Digitalität unbezüglich, voneinander unbetroffen in friedlicher Nachbarschaft koexistieren werden, sollte sich angesichts des digitaltechnologischen Wandels produktiv beunruhigen lassen.“

Ziel von DLE ist es, die Herausforderungen der Digitalisierung aufzugreifen und – analog zum Anliegen des Mitbegründers des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola – Schüler gleichzeitig in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Sie sollen nicht nur lernen, wie die Technik funktioniert und wie sie bedient wird. Sie sollen darüber hinaus die Neuerungen hinterfragen und reflektieren sowie dadurch zum Denken und Gestalten befähigt werden – und nicht nur zum Konsumieren der Digitalisierung. „Wir möchten, dass die jungen Menschen eine aktive Rolle in den gesellschaftlichen Diskussionen über den Stellenwert der Digitalisierung in unserem Leben spielen. Anders gesagt: Es geht um Persönlichkeitsbildung für die digitale Zukunft“, erklärt Hoffbauer.

Gezielten Einsatz digitaler Medien

Für das Kolleg sei es entscheidend, dass bei aller Bedeutung von Ausstattungsfragen vor allem die pädagogischen und anthropologischen Fragen im Mittelpunkt stehen. Mittelfristiges Ziel: Ein altersgerecht gestaffeltes Medienkonzept entwickeln und schulische Inhalte durch den gezielten Einsatz digitaler Medien erlernen. Bisher nutzt das Kolleg Moodle, ein freies objektorientiertes Kursmanagementsystem und zugleich eine Lernplattform, die kooperative Lehr- und Lernmethoden unterstützt. Hoffbauer: „Wir prüfen nun im Rahmen unseres Konzepts ‚Digital Leadership Education‘ weitere Unterrichtssoftware, etwa für den Mathematikunterricht.“

Und wie sieht laut Befragung das digitale Klassenzimmer der Zukunft aus? Eingerahmt von der klassischen analogen Tafel, prangt ein Großbildschirm an der Wand. Der Lehrer nutzt einen Computer mit Dokumentenkamera, verwendet Audio- und Videodateien und ist mit dem Schulnetz verbunden. Die Schüler haben Smartphones, Pads oder Laptops und sind über WLAN vernetzt. Nur das Lernen selbst nimmt den Schülern auch die digitale Welt nicht ab

Ihr Ansprechpartner: Dieter.Kubath@telekom.de

Weitere Informationen: www.aloisiuskolleg.de

Autor: Roger Homrich
Fotos: iStockphoto, Alice Backes

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