Bild zeigt zwei Mitarbeiter vor einem großen Touch-Display; Bild mit Verlauf

Lockmittel Krankenhaus-IT

Eine hochmoderne IT-Ausstattung soll das Arbeiten am Klinikum Heinsberg für Fachkräfte und Mediziner attraktiver machen.

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Kostendruck, Personalmangel und steigende Dokumentationspflichten: Alltag in deutschen Krankenhäusern. Das ist im Städtischen Krankenhaus Heinsberg, einem Akademischen Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen, nicht anders. Daher setzt die Einrichtung schon seit einigen Jahren auf eine konsequente Digitalisierung ihrer Prozesse. Und liegt damit ganz weit vorn: Denn im internationalen Vergleich lässt der Grad der IT-Nutzung in deutschen Kliniken nach wie vor zu wünschen übrig. Nach dem Krankenhaus-Report 2019 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) liegt Deutschland etwa 40 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Länder wie die Niederlande oder Dänemark sind wesentlich besser aufgestellt.

Krankenhausinformationssystem (KIS)

Woran liegt das? Neben der mangelnden Innovationskultur in vielen Einrichtungen verkennen viele Entscheider den Nutzen von Investitionen in moderne Krankenhausinformationssysteme (KIS). In Heinsberg steht dagegen das KIS iMedOne im Zentrum der Digitalisierung: Statt Papier und Stift haben Mediziner und Pfleger in Heinsberg ihr iPad Mini in der Kitteltasche und greifen damit im gesamten Krankenhaus mobil auf Laborwerte, Befunde und sonstige Patientendaten zu. Ärzte besprechen Untersuchungsergebnisse oder Röntgenbilder direkt am Krankenbett, verordnen Medikamente oder diktieren den Fortschritt der Wundheilung vor Ort ins System, wo er automatisch den Schreibdienst erreicht.

Falsch gespart mit Verzicht auf KIS 

Bild zeigt zwei Mitarbeiter, darunter eine Krankenschwester, vor einem Computer

Für Jörg Neidig, EDV-Leiter des Städtischen Krankenhauses Heinsberg, ist der zögerliche Umgang mit einem KIS nicht nachvollziehbar: „Wer heute auf ein modernes KIS verzichtet, spart am falschen Ende.“ Und dies, obwohl seine Einrichtung mit 187 Planbetten und rund 500 Beschäftigten nicht gerade zu den großen Kliniken in Deutschland gehört. „Die Dokumentationspflichten von Ärzten und Pflegekräften wachsen immer weiter an“, ergänzt Heinz-Gerd Schröders, Geschäftsführer des Krankenhauses. Ohne elektronische Unterstützung sei dieser Aufwand nicht mehr zu bewältigen. Soll ausreichend Zeit für den Patienten bleiben, sei ein gutes KIS auch für eine kleine Klinik alternativlos. „Ansonsten bräuchten wir deutlich mehr Ärzte, Pfleger und Bürokräfte. Finanziell wäre das gar nicht drin.“

Moderne IT hilft beim Recruiting

Und auch beim Recruiting spielt die technische Ausstattung inzwischen eine wesentliche Rolle, so die Erfahrung der Heinsberger. „Gerade junge Mediziner erwarten heute, dass die Abläufe in ihrem Arbeitsalltag durch moderne Technik unterstützt werden“, weiß Schröders. In Zeiten eines sich verschärfenden Fachkräftemangels ist das ein wesentlicher Aspekt: Nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger wollen Krankenhausmanager in Deutschland bis Ende des Jahres allein in der Pflege rund 30.000 Stellen aufbauen. 2018 suchten jedoch nur rund 11.000 Fachkräfte eine Arbeitsstelle, heißt es in der Krankenhausstudie. „Selbstverständlich weisen wir daher auch in unseren Stellenanzeigen auf unsere moderne IT hin.“ Für viele Fachkräfte sei dies ein Grund, sich trotz der ländlichen Lage auf eine Stelle im Krankenhaus Heinsberg zu bewerben.

Für kleines IT-Team beherrschbar

Bei der Entscheidung für ein passendes KIS stand für das Heinsberger Krankenhaus vor allem die Stabilität der Lösung im Vordergrund. „Für ein Krankenhaus unserer Größe muss das System schließlich auch mit einem kleinen IT-Team beherrschbar sein“, so Jörg Neidig. Mindestens ebenso wichtig: Der modulare Aufbau des Systems. „So mussten wir nicht auf einen Schlag eine große Gesamtinvestition stemmen, sondern konnten die Module Stationsarbeitsplatz, Ambulanzarbeitsplatz, die OP-Planung und das Leistungsstellenmanagement sukzessive einführen.“ Zudem erlaubten die einzelnen Bausteine eine genaue Skalierung auf die jeweiligen Bedürfnisse des Hauses. Das KIS sei damit jederzeit ausbaufähig.

KIS-App ein Selbstläufer

Seit einiger Zeit arbeiten die Heinsberger mit der mobilen Variante des KIS. Zur Freude des Klinikpersonals. „Die mobile Version war von Anfang an ein Selbstläufer“, erinnert sich Jörg Neidig. Sie sei intuitiv bedienbar und der Schulungsaufwand gering. Das Krankenhaus spart damit sehr viel Zeit und Geld. „Zuvor haben wir beispielsweise bei der Wunddokumentation mit Digitalkameras hantiert“, berichtet der IT-Experte. Anschließend musste man die Fotos an einem Rechner hochladen und von der Kamera löschen. Heute nehmen die Pflegekräfte die Bilder direkt am Krankenbett mit dem iPad auf, wodurch diese automatisch in der Wunddokumentation gespeichert sind. „Wer das einmal ausprobiert hat, will auf die mobile Unterstützung nicht mehr verzichten.“

Codierfachkräfte auf Visite

Bild zeigt einen Patienten im Krankenbett, eine Besucherin in zivil sowie einen Arzt in weißer Kleidung

Mittlerweile profitieren neben den Ärzten und Pflegern auch andere Berufsgruppen des Krankenhauses von der Digitalisierung. So dokumentieren inzwischen die Physiotherapeuten ihre Leistungen mit dem mobilen KIS. Die Codierfachkräfte des Krankenhauses nutzen die App ebenfalls: Statt wie bisher nachträglich am Schreibtisch die Leistungen der Ärzte und Pfleger zu erfassen und mittels Fallpauschalen für die Abrechnung mit den Krankenkassen aufzubereiten, heften sich die Fachkräfte einfach den Ärzten an die Fersen. Der Vorteil: Sie erfassen schon während der Visite sämtliche Leistungen direkt per iPad. „Wir arbeiten heute schneller und besser“, betont Gerda-Marie Neumann, leitende Arztassistentin und Codierfachkraft im Krankenhaus. „Medienbrüche gehören der Vergangenheit an, es passieren weniger Fehler, und Fragen können wir sofort am Krankenbett klären.“

Schneller und vollständig abrechnen

„Die Anbindung der Codierfachkräfte trägt ganz wesentlich zur Liquidität unseres Hauses bei“, erklärt Krankenhauschef Heinz-Gerd Schröders. „Denn um zeitnah eine Rechnung für eine Krankenhausbehandlung stellen zu können, sind wir auf die vollständige Dokumentation des Behandlungsfalls angewiesen.“ Die Qualität der Daten sei somit ausschlaggebend für die Güte der Codierung und Abrechnung. „Im Vergleich zu früher laufen wir heute nicht mehr Gefahr, erbrachte Leistungen unvollständig oder zeitverzögert abzurechnen.“

Digitalisierung weit vorn

Das Städtische Krankenhaus Heinsberg hat die Digitalisierung seiner Prozesse noch längst nicht abgeschlossen: Zum Jahresende 2019 sollte dort ein Portal eingeführt werden, über das Patienten von zu Hause Sprechstundentermine vereinbaren können. „Wir halten unser KIS stets auf dem aktuellen Stand der Entwicklung und sind immer offen für sinnvolle Erweiterungen“, erläutert Jörg Neidig. In Sachen Digitalisierung eben ganz weit vorn.

Ihr Ansprechpartner: Sezayi.Colak@t-systems.com

Weitere Informationen: www.krankenhaus-heinsberg.com

Weitere Informationen: www.telekom-healthcare.com

Autor: Silke Kilz
Fotos: Klinikum Heinsberg

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