Bild zeigt nackte Menschen mit Helmen und Brillen auf, sie schauen orientierungslos; Bild mit Verlauf

Bisher lief’s doch gut, oder nicht?

Werden wir zu Sklaven der Algorithmen, die wird selbst geschrieben haben? Wissenschaftler und Experten sind sich uneinig.

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Die Frage nach der Kontrolle von Computern ist so alt wie die intelligenten Maschinen selbst. Schon 1949 mahnte der amerikanische Mathematiker und Philosoph Norbert Wiener ein Kontrollsystem an. Mit der Entwicklung von künstlicher Intelligenz und selbstlernenden Systemen wird diese Diskussion zunehmend vehementer und polarisierter geführt.

Dass es Regeln braucht, darüber herrscht Einigkeit in der Forschung. Über 4.800 Wissenschaftler – von Stephen Hawking bis zum Kosmologen Max Tegmark – haben die sogenannten „KI-Leitsätze von Asilomar“ unterzeichnet, benannt nach dem kalifornischen Konferenzzentrum, in dem 2017 die „Conference on Beneficial AI“ stattfand. In 23 Forderungen werden darin Einsatz und Erforschung von künstlicher Intelligenz reguliert. Ob KI indes eine Bedrohung der Menschheit darstellt oder nicht, darüber gehen die Meinungen sehr weit auseinander.

KI: Kränkung oder Problemlösung?

Künstliche Superintelligenzen drohen uns zu beherrschen und zu entmachten, warnt der norwegische Wirtschaftsphilosoph Anders Indset. Wenn sich Menschen von KI abhängig machen, würden sie zu Zombies, der Menschheit drohe „eine letzte narzisstische Kränkung“, so der Popstar unter den Philosophen. Abhilfe schaffen könne nur ein System aus Regeln und Strukturen, um den Menschen vor fremdbestimmten Manipulationen zu schützen und seine Einzigartigkeit zu bewahren.

Künstliche Intelligenz habe keinerlei Interesse, Menschen zu versklaven, ist hingegen Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber überzeugt. Der wissenschaftliche Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für KI IDSIA gilt als Vater der modernen künstlichen Intelligenz. Er begrüßt die Entwicklung mit offenen Armen: „Ich will eine KI, die lernt, alle Probleme zu lösen, die ich selbst nicht lösen kann.“

KI: Dumme Maschinen oder dumme Menschen?

Nicht nur das Bedrohungspotenzial, allein schon den Nutzen von KI bestreitet Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx. Der Leiter des Zukunftsinstituts in Frankfurt hält das Thema künstliche Intelligenz für überschätzt. Es sei eine Art Fetisch geworden – ein Hype, der gefährliche Illusionen schaffe. Die meisten realen Probleme seien viel zu komplex, als dass sie von Datensystemen gelöst werden könnten, erklärt der Soziologe.

Psychologieprofessorin Alison Gopnik indes erkennt die Bedrohung zwar an – schließlich werde KI auch zum Bedienen von Waffen eingesetzt. Aber: „Die natürliche Dummheit kann weit mehr Schaden anrichten als künstliche Intelligenz“, schreibt sie in der „Süddeutschen Zeitung“. Die Menschen müssten geschickter darin werden, neue Technologien zu regulieren.

KI: Ethik oder Diversity?

Bild zeigt nackte Menschen mit Helmen und Brillen auf, sie schauen orientierungslos; kleinerer Ausschnitt des Bildes

In die gleiche Richtung gehen auch die Überlegungen von Brad Smith. Es sei wichtig, dass Menschen entscheiden, was Computer können sollen, betont der Präsident und Chief Legal Officer der Microsoft Corporation. Deshalb sollten ethische Grundsätze festgelegt werden. „KI-Systeme müssen fair sein und es muss eine Art Rechenschaftspflicht bestehen für alle, die KI entwickeln. Bevor wir für den Umgang mit KI neue Gesetze verabschieden, müssen wir uns der universellen Werte bewusst sein, die von den KI-Prinzipien geschützt werden sollen“, fordert der gelernte Anwalt in seinem Buch „The Future Computed“.

Sind Tätigkeiten mit einem gewissen Anspruch auch nach diesen Prinzipien schützenswert? Jedenfalls generiert künstliche Intelligenz nach Meinung von Mary Gray viele Jobs, die eher stupide Routine sind. Zur Mustererkennung braucht KI bekanntlich riesige Mengen an Input. Dieser muss von zahllosen Clickworkern eingegeben werden, fürchtet die Anthropologin, Buchautorin und Forscherin bei Microsoft Research. „Das größte Paradox der künstlichen Intelligenz: Sie hat den Ruf, uns Arbeit abzunehmen. Dabei generiert sie unendlich viel neue Arbeit. Allerdings eben auch repetitive Arbeit, die nicht besonders abwechslungsreich ist“, so Gray in der „Neuen Zürcher Zeitung“.

Eine KI ist so hilfreich oder bedrohlich wie der Algorithmus dahinter, betont Carla Hustedt. Eine große Gefahr sieht die Politikwissenschaftlerin der Bertelsmann Stiftung in einer Art von Monokulturen in den algorithmischen Systemen. Wenn etwa jede Personalabteilung das gleiche System einsetze, würden immer die gleichen Personen diskriminiert. „Wir brauchen eine Algorithmenvielfalt“, schreibt sie in einem Beitrag für den österreichischen Standard, „und das setzt auch voraus, dass nicht nur junge weiße Männer Technologie gestalten.“

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Autor: Heinz-Jürgen Köhler
Fotos: iStockphoto

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