Animiertes Bild zeigt Verbindungsketten zwischen Krankenschwestern, dem Arbeitsplatz, Ärzten etc.; Bild mit Verlauf

Wo Telemedizin buchstäblich existenziell wird

Vor fünf Jahren ging mit Telehealth 360 die erste überregionale, offene Telemedizinplattform Europas an den Start.

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Wenn sich die Ärztinnen und Ärzte des Klinikums St. Georg in die wöchentliche Tumorkonferenz einwählen, spricht niemand über Umsatzzahlen oder Profitabilität: Es geht um Menschenleben. In der Leitung sind Onkologen, Chirurgen, Pathologen und andere Mediziner verschiedener Fachrichtungen. Gemeinsam diskutieren sie Krebsbefunde von Patienten, holen Zweitmeinungen ein oder besprechen geeignete Therapieschritte. „Nicht selten kann dieser fachliche Austausch Leben retten“, erklärt Dr. Nicole Lakowa vom Klinikum St. Georg, Projektleiterin des Tumornetzwerks. „Je früher und gezielter ein Tumorpatient behandelt wird, desto besser sind seine Aussichten, geheilt zu werden.“ Für die rund 480.000 Menschen, die deutschlandweit laut Robert Koch-Institut jedes Jahr neu an Krebs erkranken, sind das gute Nachrichten. Denn noch immer sind bösartige Tumore – nach den Herz-Kreislauf-Krankheiten – die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Virtuelle Tumorkonferenzen

Künftig soll diese Form der interdisziplinären Zusammenarbeit auch für Fachärzte anderer Kliniken und Praxen im gesamten Freistaat möglich werden. Mit dem Aufbau des „Tumornetzwerkes Sachsen“ gibt die Klinik in Leipzig dann sowohl Krankenhausärzten anderer Einrichtungen als auch niedergelassenen Medizinern die Möglichkeit, ihre Patienten- und Behandlungsdaten standardisiert zu übertragen und virtuell an den Tumorkonferenzen teilzunehmen. Über die Anwendung „eTumorkonsil“ können sich die Mediziner zusätzlich fachärztlichen Rat einholen und diesen umfassend dokumentieren. Für die Entwicklung des Netzwerks erhält das Klinikum rund 1,7 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Multilaterale Sprach- oder Videotelefonie

Die Anwendung ist einfach: Wer teilnehmen möchte, wählt sich über eine Terminalserverlösung und eine multilaterale Sprach- oder Videotelefonie in die Konferenz ein. Die Patientendaten geben die Mediziner dabei entweder manuell ein oder ziehen sie über Schnittstellen direkt aus dem eigenen Krankenhausinformationssystem. Die Anwendung stellt zudem spezielle Formulare für Fallberatungen zur Verfügung und erleichtert den Teilnehmern die Dokumentation der Ergebnisse in einer zentralen elektronischen Fallkonferenzakte.

„Telemedizin eröffnet Ärzten und Patienten neue Möglichkeiten.“ 

Achim Berg, Präsident Bitkom
 

Telemedizinische Plattform Telehealth 360

Das eTumorkonsil basiert auf der telemedizinischen Plattform Telehealth 360. Diese ist seit 2015 in Betrieb und wurde von der Carus Consilium Sachsen GmbH gemeinsam mit der Telekom realisiert. Die Telemedizinplattform ermöglicht es Patienten, Ärzten, Pflegekräften, Apotheken und Krankenkassen, Gesundheitswerte, Befunde, Medikamentengaben oder andere Informationen über ein speziell verschlüsseltes Datennetz auszutauschen. Die Server, auf denen die Patienteninformationen gespeichert werden, entsprechen den höchsten deutschen Datenschutzstandards.

Antibiotikakonsil (ABx-eKonsil)

Das Klinikum St. Georg hat bereits Erfahrungen mit Telehealth 360: Seit Juni 2019 betreibt die Einrichtung ein Antibiotikakonsil (ABx-eKonsil). Ärztinnen und Ärzte des ambulanten und stationären Bereichs können dort Patienten mit Infektionskrankheiten „vorstellen“ und sich von den Infektiologen des Klinikums zur Behandlung mit antimikrobiellen Substanzen beraten lassen. Die Experten sammeln dazu gezielt Wissen über Infektionskrankheiten, Antibiotikatherapien und Multiresistenzen. Sie erfassen und analysieren Patienten-, Verordnungs- und Resistenzdaten von Krankenkassen, Laboren und Kliniken und leiten dar- aus fachspezifische Empfehlungen ab.

Telemedizin kann Leben retten

Die digitale Plattform bietet aber noch weitere Anwendungsmöglichkeiten. Sie wird unter anderem eingesetzt, um Patienten nach einem Schlaganfall ambulant zu versorgen. Auch Menschen, die unter Herzinsuffizienz leiden, lassen sich via Telemedizin zu Hause betreuen und medizinisch überwachen. Ein Dienst, der ebenfalls Leben retten kann, wie die Berliner Charité 2018 in ihrer Fontane- Studie nachgewiesen hat: „Die Studienergebnisse zeigen erstmals, dass Telemedizin bei Hochrisikopatienten mit Herzschwäche zu einer Lebensverlängerung und weniger Krankenhausaufenthalten führt“, erklärt Prof. Dr. Friedrich Köhler, Studienleiter Fontane der Charité.

Auch Menschen mit Parkinson, Multipler Sklerose, Demenz oder Epilepsie lassen sich via „Teleneurologie“ besser versorgen. Denn der behandelnde Arzt hat immer die komplette Krankenakte elektronisch griffbereit. Besteht ein ernst zu nehmender Verdacht, konsultiert er umgehend per Videosprechstunde den Neurologen der nächsten vernetzten Klinik, bevor der Patient dort eingewiesen wird.

Telemedizinische Anwendungen etablieren

Insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Ärztemangels in ländlichen und strukturschwachen Regionen sind Initiativen wie das Tumornetzwerk Sachsen ein wichtiger Baustein, um die Bevölkerung in den Städten und gleichermaßen auf dem Land medizinisch zu versorgen. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine aktuelle Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Telemedizin eröffnet Ärzten und Patienten neue Möglichkeiten“, betont Verbandspräsident Achim Berg. Vielerorts seien Arztpraxen überfüllt, Ältere seien nur eingeschränkt mobil – aber auf eine ausreichende medizinische Versorgung angewiesen, auch in abgelegenen Regionen. Telemedizinische Angebote könnten ergänzend zur Regelversorgung den Ablauf im Gesundheitswesen erheblich verbessern.

Kommunikationsplattformen wie Telehealth 360 leisten einen wesentlichen Beitrag, telemedizinische Anwendungen in Deutschland und Europa zu etablieren. „Die Möglichkeiten dieser offenen IT-Plattform sind immens“, erläutert Peter Weber, Senior Sector Manager Telemedicine, Telekom Healthcare Solutions. „Sie stellt alle zentralen Komponenten für die elektronische Vernetzung medizinischer Einrichtungen zur Verfügung und lässt sich so problemlos um Lösungen für unterschiedliche Krankheitsbilder erweitern – ohne dass die Teilnehmer dafür ein neues, eigenes Netzwerk benötigen.“

Ihr Ansprechpartner: Peter.Weber@t-systems.com

Weitere Informationen: www.telehealth-ostsachsen.de

Weitere Informationen: www.telekom-healthcare.com

Autor: Silke Kilz
Fotos: www.telehealth-ostsachsen.de

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